Mit dem Bus auf Zeitreise

Heritage Audio Successor – Kompressor im Test

(Bild: Dr. Andreas Hau)

Auch in Zeiten des In-the-Box-Mixings erfreuen sich analoge Bus-Kompressoren ungebrochener Beliebtheit: Den Sound, bevor er zum Mastering geht, noch einmal von Hand durchkneten und ihm ein bisschen »Echtheit« mitgeben, das ist heute attraktiver denn je. Mit dem Successor hat der spanische Hersteller Heritage Audio einen klassischen Diodenbrücken-Kompressor nach Neve-Vorbild fürs DAW-Zeitalter fit gemacht.

Seit der Firmengründung 2011 hat sich Heritage Audio einen guten Namen mit Neve-Clones erarbeitet. Anfangs waren diese recht hochpreisig. Das änderte sich vor knapp zwei Jahren mit dem Erscheinen der Elite-Series (s. S&R 06.2018), die den Sound der legendären Neve-Preamps für jedermann erschwinglich machte. Dazu bedienten sich die Spanier einiger fertigungstechnischer Neuerungen; u. a. wurden die Platinen in SMD-Technik gefertigt. Beim Succressor hat sich Heritage Audio noch weitere Freiheiten genommen: Es handelt sich nämlich gar nicht um einen 1:1-Neve-Clone! Vielmehr ist der Successor eine Eigenentwicklung mit einer Kompressorschaltung auf Basis der Diodenbrücken-Klassiker Neve 2254 bzw. 33609, während die Ein- und Ausgangsschaltungen an die des Neve 1073 Preamps angelehnt sind. Und ein paar Extras wurden auch noch eingebaut!

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Rundgang: Der Heritage Audio Successor ist ein Stereogerät mit einem Set Bedienelemente für beide Kanäle, platzsparend auf einer Höheneinheit. Das Design wirkt altvertraut. Die Frontplatte kommt im klassischen Graublau (»Royal Air Force Blue«), und auch die Knöpfe und Schalter sind in Form und Farbe Neve-typisch gestaltet. Das Stahlblechgehäuse ist recht dickwandig und wirkt sehr stabil.

Den Anfang macht ein Gain-Reduction-Meter als Zeigerinstrument, dessen Hintergrundbeleuchtung nur angeschaltet ist, wenn man über den daneben liegenden Dynamics-In-Druckknopf die Kompressorschaltung aktiviert. Die Parametrisierung ist klassisch.

Die Ein- und Ausgänge sind als professionelle XLRSteckverbinder ausgeführt; die Sidechains beider Kanäle sind über Inserts (Klinke, unsymmetrisch) zugänglich. Die Stromversorgung erfolgt über ein externes Netzteil.
Die Platine des Heritage Audio Successor ist in SMDTechnik bestückt, was die Fertigung bedeutend vereinfacht und einen günstigen Preis ermöglicht.
Die Ein- und Ausgangsstufen entsprechen denen des Neve 1073 Preamps; es kommen originalgetreue Carnhill-Übertrager zum Einsatz.
Zugunsten der Rauscharmut (und des Preises) hat sich Heritage Audio einige Freiheiten genommen, so kommen auch neuzeitliche Opamps und andere integrierte Schaltungen zum Einsatz.

Während der Threshold über ein Rasterpoti eingestellt wird, sind Ratio, Attack und Release als Stufenschalter mit je sechs Positionen ausgeführt. Die Wertebereiche sind gut gewählt: Ratio reicht von sanfter Kompression mit 1,5:1 bis hin zu kraftvoll zupackenden 6:1 und schließlich Limiting auf der letzten Schaltposition. Auch die Regelzeiten sind über einen weiten Bereich sinnvoll abgestuft. Die kürzeste Attack-Zeit beträgt ultraflotte 50 Microsekunden, die längste 20 Millisekunden. Release hat vier fixe Settings von superkurzen 20 ms bis zu relaxten 400 ms; die letzten beiden Schaltpositionen A1 und A2 stehen für eine Regelautomatik, die bei kurzen Überschreitungen des Thresholds flott zurückregelt, während sie bei längeren Pegelspitzen langsamer agiert. Die beiden Automatik-Settings unterscheiden sich in ihrer Grundgeschwindigkeit. Zur Feinabstimmung des Regelverhaltens ist ein Sidechain-Filter verfügbar. In den Stellungen 80 und 160 Hz arbeitet das Filter als Hochpass, in den Stellungen 800 Hz und 3 kHz im Peak-Modus, und in der letzten Schaltposition bei 5 kHz wieder als Hochpass. Wer die Kompressoraktivität noch genauer steuern möchte, kann einen externen Equalizer in den Sidechain einschleifen; auf der Rückseite gibt es nämlich entsprechende Send- und Return-Buchsen.

Make-up Gain ist ebenfalls als sechsfacher Drehschalter ausgeführt, sodass der Bereich von 0–10 dB in Stufen von 2 dB abgedeckt wird. Wer Plug-ins mit vier Nachkommastellen gewohnt ist, mag das sehr grob finden, aber für die Praxis reicht’s. Abgerundet wird das Regler-Set durch einen Blend-Regler, der als fein gerastertes Poti ausgeführt ist. Die Blend-Funktion – natürlich keine Neve-Originalzutat, sondern ein modernes Add-on – lässt sich über einen Druckschalter aktivieren. Direkt darunter befindet sich ein zweiter Druckschalter zum Aktivieren der Sidechain-Inserts.

Einen Ein-/Ausschalter hat das Gerät auch; da die Stromversorgung aber über ein externes Netzteil erfolgt, muss man dessen Netzstecker ziehen oder eine Schaltleiste verwenden, um den Successor vollständig vom Netz zu trennen.

 

Den kompletten Testbericht findest du in der Sound&Recoding-Ausgabe 02/2020. Hier versandkostenfrei bestellen oder als PDF kostengünstig herunterladen. 

Hersteller: Heritage Audio
UvP / Straßenpreis: 1.843,– Euro / 1.549,– Euro
Internet: www.heritageaudio.net  l  www.sea-vertrieb.de

Unsere Meinung:
+++Vintage-Technik mit zeitgemäßen Features
++ Klang und Optik mit authentischem Neve-Flavor
++ hohe Verarbeitungsqualität
++ gutes Preis/Leistungsverhältnis
– externes Netzteil

 

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