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Dübreq Stylophone: Stylisher Mini-Synth-Klassiker

Es ist nicht smart, aber es hat Stil: Das Stylophone kann als Vorläufer unzähliger Musik-Gadgets bezeichnet werden. Egal ob man heute eine MusikApp auf dem Smartphone aktiviert oder einen Korg Monotron zum Quietschen bringt, mit dem Stylophone-Mini-Synth konnte man schon in den späten 60er-Jahren zum Mittelpunkt einer staunenden Partycrowd werden. In der Musikgeschichte hat es seinen Platz u. a. durch Kraftwerk und David Bowie, der das Gerät in seinem Klassiker Space Oddity einsetzte, bekommen.

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(Bild: Dieter Stork)

Futuristisch wirkt das kleine Gerät mit dem integrierten Speaker schon dadurch, dass es mit einem kleinen Stift gespielt wird. Der kompakte, 60 x 220 x 125 mm große Klangerzeuger der obskuren Firma Dübreq ist nicht totzukriegen und kann bis heute, zumindest äußerlich nahezu unverändert, käuflich erworben werden. Die Firma hat in den letzten Jahren einige schräge Stylophone-Varianten herausgebracht, darunter einen Drumcomputer und zuletzt auch einen ausgewachsenen Analogsynth.

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Style-Geschichte

1967 gründete der Brite Brian Jarvis mit zwei Freunden die Firma Dübreq. Bei der Namensgebung bewies er, dass es ihm nicht an Marketing-Fantasie fehlte. Der Firmenname (eine Komposition aus Elementen der Worte DUBing und RECording) wurde mit einem Umlaut versehen, um ihm einen germanischen Charakter zu geben, der Qualität suggeriert − für unsere Ohren hat der Name allerdings eher osteuropäische Konnotationen.

Das Stylophone wurde 1967 vorgestellt und war eher als Spaß für die ganze Familie konzipiert. Der pfiffige Name bezieht sich auf den Stylus bzw. Stift, mit dem man das Instrument spielt. Vermarktet wurde es mithilfe des knuddeligen australischen Entertainers Rolf Harris, der eine Reihe erfolgreicher Alben veröffentlichte, auf denen er die Popmusikgeschichte mit dem Stylophone meuchelte − hierzulande machte übrigens Bill Ramsey Werbung für das Stylophone.

Der Mini-Synth wurde ein riesiger Erfolg, bis zu drei Millionen Exemplare des putzigen Keyboards sollen verkauft worden sein. Die Firma baute noch einige Varianten des Gerätes, die aber weniger erfolgreich waren, und segnete 1980 das Zeitliche. Wiederbelebt wurde die Kultmarke dann 2003 von Ben Jarvis, dem Sohn des Gründers. Er brachte eine neue Basisversion des Stylophone heraus und erweiterte das Repertoire durch den pfiffigen Drumcomputer und einen leistungsfähigen Analogsynth.

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Das Innere des Stylophone (Bild: Dieter Stork)

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Obwohl der Mini-Synth eher als Spaß-Gadget konzipiert war, wurde er von erstaunlich vielen namhaften Profimusikern eingesetzt und hat sich einen festen Platz in der Pop-Geschichte ergattert. So verwendete David Bowie das Stylophone auf seinem Hit Space Oddity (1969), Kraftwerk benutzten es 1981 beim Klassiker Taschenrechner sowohl live als auch auf der Bühne (am Ende des Songs gibt es sogar ein Stylophone-Solo), und selbst Synth-Wizards wie Vangelis waren sich nicht zu schade, es einzusetzen. Auch in späteren Dekaden ist der Reiz des sinisteren Mini-Synths ungebrochen und auf vielen Produktionen zu hören. Zum Fan-Kreis des Stylophone zählen die genialen BritPopper Pulp (z. B. auf dem Album A Different Class oder im nach dem Gerät benannten Song Styloroc), die Manic Street Preachers (So Why So Sad), The White Stripes (Icky Thump), Marilyn Manson, Erasure, Orbital, Little Boots, Boss Hoss und viele mehr.

Das Ur-Stylophone

Das erste Stylophone überzeugt optisch mit einem schicken 60er-Jahre-Plastikgehäuse und cool gestyltem Schriftzug. Statt eines konventionellen Keyboards besitzt das Gerät eine Touchplate-Mini-Tastatur aus Metall mit 20 Tasten. Gespielt wird das monofone Instrument mit einem Stift, der in eine Gehäuse-Aussparung geklemmt werden kann und durch ein Kabel mit der analogen Klangerzeugung verbunden ist. Als Bedienelemente besitzt das ausschließlich mit Batterien betriebene Gerät ansonsten nur einen On/Off- und einen Vibrato-Schalter.

Auf der Unterseite befindet sich zudem ein Tune-Poti und seitlich ein Miniklinken-Ausgang als Alternative zum eingebauten Lautsprecher.

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Klangerzeugung 

Platziert man den Stift auf der Metall-Tastatur, wird ein Kontakt zum einfachen Rechteck- Oszillator (mit Orgel-Hüllkurve) hergestellt. Der Klang erinnert an eine etwas schrille Transistor-Orgel und ist sehr durchsetzungsfähig. Die Metall-Tastatur begünstigt dabei eine Glissando-artige Spielweise.

Varianten

Dübreq brachte noch zwei einfache Varianten des Stylophone heraus, die Bass und Treble heißen und dem Original ähneln, aber deren Tonumfang eine Oktave höher bzw. niedriger liegt. Mehr Features bietet das Stylophone 350s, das 1977 vorgestellt wurde. Dieses deutlich größere Gerät ist ebenfalls monofon, kann aber mit zwei Stiften gespielt werden, und es lassen sich verschiedene Klangfarben abrufen. Außerdem sind noch einige Effekte an Bord.

Stylophone neu!

Die neue, ca. 30,− Euro teure Stylophone- Version S-1 ähnelt optisch dem Klassiker, hat aber ein etwas abgerundetes Gehäuse und einen zusätzlichen Schalter, mit dem sich drei Klangvarianten abrufen lassen. Außerdem bietet es einen Kopfhöreranschluss, einen Eingang für externe Geräte und einen beim Original schmerzlich vermissten Lautstärke-Poti. Klanglich unterscheidet es sich allerdings deutlich vom Original, da es mit einer digitalen Klangerzeugung arbeitet, die den lebendigen Charme des Ur-Stylophone vermissen lässt. Hier sollte man sich lieber auf dem Gebrauchtmarkt nach dem Original umsehen.

Beat it…

Richtig charmant (mit einem gewissen Aua-Faktor) ist dagegen die kleine, 25,− Euro teure Stylophone Beatbox, die 13 metallene Schlagflächen besitzt, mit denen man Samples mit dem typischen Dübreq-Stift triggern kann. Es stehen drei alternative Soundsets zur Verfügung (Human Beat Box, Electronic Drums, Bass), und man kann einen Groove mit einer Looper-Funktion aufnehmen und ihn mittels Pitch-Shifting schneller oder langsamer abspielen.

Das Stylophone wird erwachsen

Das professionellste und auch teuerste Gerät aus dem Dübreq-Stall ist zweifelsohne der monofone Synthesizer S2, der mit einem Metallgehäuse ausgestattet ist. Er besitzt eine analoge Klangerzeugung mit zwei VCOs plus Suboszillator, ein 12-dB-Analogfilter mit Resonanz, einen LFO mit 14 Wellenformen sowie eine Envelope-Sektion. Dank CV/Gate-Interface kann er auch ohne das Metallplatten-Keyboard betrieben werden. Klanglich überzeugt der 325,− Euro teure Synth auf ganzer Linie und ist in der Lage, eine breite Palette druckvoller Analogsounds zu generieren. Mit einer Input-Buchse lässt sich dem Filter auch externes Audiomaterial durch die Klangerzeugung zusteuern.

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