Der beste DeEsser?

DMG Audio Software-DeEsser im Test

DMG Audio ist eine kleine Software-Schmiede, deren Schätze bis vor wenigen Jahren noch als Geheimtipp gehandelt wurden. Nach Dauerbrennern wie dem Equalizer »Equilibrium« oder dem Kompressor »Compassion« veröffentlichen Dave Gamble und Krzysztof Oktalski nun den DeEsser »Essence«.

die Software
(Bild: Axel Latta)

Das dynamische Duo verspricht diesmal Unglaubliches: »Essence« könne Sibilanten von Vocals innerhalb einer kompletten Mischung reduzieren. Wir werden sehen, was an dieser Behauptung dran ist!

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Wie man es schon von anderen Plugins aus dem Hause DMG Audio her kennt, ist die GUI auf den ersten Blick relativ simpel gestaltet, da in der Standardansicht nur die wichtigsten Bedienelemente erscheinen: »Threshold«, »Ratio« und »Frequency«.

Entsprechend kinderleicht gestaltet sich die Bearbeitung im normalen Betrieb − wie mit fast jedem DeEsser: Grenzfrequenz und Schwellwert einstellen sowie Ratio festlegen, und schon verrichtet Essence seinen Dienst zuverlässig.

Das Plugin gibt standardgemäß den »Output« wieder. Nicht nur für Spezialeffekte, sondern gerade für das Justieren der Frequenzbereiche kann man über die Menüleiste ebenso »S/C EQ«, »Split-band«, »Pass-band« und die Bearbeitung (»Difference«) separat abhören.

Der Sidechain-EQ kann mit bis zu drei Bändern arbeiten. Band 1 lässt sich entweder als »Highpass« oder »LowShelf« konfigurieren, Band 3 entsprechend als »Lowpass« oder HiShelf«. Das mittlere Band fungiert statt – dessen als »Peak-Filter«. Das sollten mehr als genügend Optionen sein, dem DeEsser das Audiosignal aufzubereiten und die Bearbeitung gezielt auf bestimmte Frequenzbereiche zu fokussieren, beispielsweise die Kick oder Snare Drum.

Worauf sich dieses Sidechain-Signal dann auswirkt, legt man im Split-Band fest. Für dieses stehen gleich sieben verschiedene Filtertypen (HPF, BPF, LPF) zur Auswahl, die allesamt mit eine Flankensteilheit zwischen 6 und 192 (!) dB/Oktave annehmen können. Im Split-EQ sind somit extrem schmale Filtergüten möglich, mit denen sich auch chirurgische Absenkungen von nur kleinen Gebieten im Frequenzbereich erzielen lassen. Das erlaubt Setups nicht nur im oberen Frequenzspektrum, die man sonst beispielsweise mit dem Waves »C1 SC Comp« erledigte.

Einige Sängerinnen erzeugen manchmal ein unangenehmes »Klirren« in den oberen Mitten, sobald sie mehr Gas geben. In solchen Fällen kann man den Split-EQ als Bandpass zwischen 2 und 4 kHz positionieren, und schmalbandig die Stimme von übertriebener Aggressivität befreien − dynamisch und unauffällig, versteht sich. Essence erfüllt auch diesen Job erstklassig. Der Parameter »Ceiling« hilft, nicht nur in diesem Szenario die maximale Absenkung einzugrenzen, auch wenn Threshold und Ratio eigentlich eine härtere Gangart vorgeben.

PRESETS

Gespeicherte Voreinstellungen, gerade bei Dynamikprozessoren, sind ja eher fragwürdig, da die relevanten Frequenzbereiche sowie Mikro- und Makro-Dynamik zu stark variieren. DMG Audio hat allerdings gute Arbeit geleistet und Presets nach verschiedenen Anwendungsbereichen erstellt. Das englischsprachige Manual gibt sogar Hilfestellungen, was man sich bei der Erstellung gedacht hat und wie sich das jeweilige Preset hinsichtlich des Gain-Staging verhält. Um sich einen Überblick der weitreichenden Funktionalität zu verschaffen, ist die Preset-Liste bestens angebracht. Selbst Mastering-Engineer Bob Katz ließ es sich nicht nehmen, ebenfalls ein paar der Setting beizusteuern.

Auch die Presets für die Parallelkompression haben es in sich. Hier wird schnell deutlich, dass sich Essence ebenso hervorragend auf der Stereosumme oder Subgruppen eignet. Ein komprimierter Bandpassfilter im Tiefbass oder oberen Mittenbereich, der nur leicht mit dem Make-Up-Regler im Mixer hinzugefahren wird, kann zu mehr Klarheit und/ oder Druck verhelfen. Dieses Vorgehen ist keine neue Technik, aber für einen DeEsser keineswegs selbstverständlich.

LEISTUNG

Und wie sieht es mit dem Hunger auf Prozessorleistung aus? Nun, das hängt hauptsächlich von zwei Faktoren ab. Lädt man zehn Instanzen mit den Standardeinstellungen in Cubase, pendelt sich die CPU-Anzeige bei ca. 40 % ein. Schaltet man neben dem von Haus aus aktivem Linear-Phase-Modus noch das »Oversampling« hinzu, bringt der Zehnerpack amtliche 90 % auf die Waage. Werden beide dieser Optionen allerdings deaktiviert, zeigt sich Essence mit knapp 10% als ziemlich Ressourcen-sparend. Je nach Anwendung lässt sich das Plugin komfortabel an das Computersystem anpassen.

Das Plugin läuft übrigens auf dem PC ab Windows XP und auf dem Mac ab OS X 10.5. Der Installer bietet die Schnittstellen VST, VST3, AU und AAX sowohl in der 32-Bit- als auch 64-Bit-Version. Auch das RTAS-Format (32 Bit) ist noch dabei. Für die Installation sind zwei Dateien nötig. Neben dem eigentlichen Installer steht eine Lizenzdatei zum Download auf der Herstellerseite bereit. Auf dem Mac werden die Lizenzen über das »License Management Utility« verwaltet, wodurch auch eine Aktivierung und Deaktivierung per Internetverbindung möglich ist. Leider ist dieses praktische Werkzeug auf dem PC nicht verfügbar, und so muss man die *.REG-Datei noch eigenhändig per Mausklick der Windows-Registry hinzufügen.

FAZIT

Für Einsteiger, die lediglich einen simplen DeEsser suchen, ist Essence weniger zu empfehlen, da die Parametrisierung weitaus zu komplex ist. Tonschaffende aber, die ein Schweizer Taschenmesser für Mixing oder Mastering suchen, kommen voll auf ihre Kosten. Dieser frequenzabhängige Dynamikprozessor hat es wirklich faustdick hinter den Ohren und kann deutlich mehr als »nur« DeEsser.

Und was ist mit dem Vocal-DeEssing innerhalb einer kompletten Mischung? Nun ja, selbstverständlich klappt das, allerdings ist hier keinerlei Zauberei im Spiel: Essence arbeitet nicht mit psychoakustischen Algorithmus-Tricks, sondern greift, wie die anderen Mitstreiter, auf die altbekannten Werkzeuge zurück. Senkt man Sibilanten ab, wird natürlich auch das Audiomaterial im gleichen Frequenzbereich dem Prozess unterzogen. Wer die Filter aber exakt an das Programmmaterial anpasst und weiß, was er tut, kommt mit DMGs Meisterwerk unglaublich weit. Den Vorteil verschafft sich das Plugin insbesondere durch die Fülle der Parameter und deren clevere Verschaltung sowie die sehr hohe Klangtransparenz.

Mit der zusätzlichen Parallelkompression, externer Sidechain und dem MS-Modus ist dem Hersteller ein hochflexibles Studio-Tool gelungen, das mit einem Preis von unter 140 Euro fast schon etwas zu günstig erscheint.

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extrem vielseitig

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sehr transparent

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individuelle Filter-Optionen des Detektorsignals

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Visualisierung durch mehrfarbige Wellenformanzeige

»License Manager« nur für Mac

 

Essence Hersteller DMG Audio Downloadpreis 138,— Euro

www.dmgaudio.com

die Software
(Bild: Axel Latta)

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