Holz und Elektronik

Ciat-Longbarde Cocoquantus 2 – Sampler-, Looper- & Synthesizer-Exot im Test

»The COCOQUANTUS is a TUBE through which YOU SQUEEZE your JELLY ASS, meaning the sonic material you give it«, so der Erfinder Peter Blasser über seinen Cocoquantus 2.

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Hölzern, ungewöhnlich, etwas verrückt … ein Exot. Egal wo man mit dem Cocoquantus 2 auftaucht, häufen sich früher oder später neugierige Blicke und Fragen. »Was ist das denn für ein Gerät?«, »Was kann man damit denn alles anstellen?«, »Hast du das selbst gebaut?« Der Cocoquantus 2 von Ciat-Lonbarde ist mit seinen verschiedenen Hölzern im Gehäuse, den farbig codierten Buchsen und den bunten Bananenkabeln, die auch bei Buchla-Instrumenten eingesetzt werden, ein echter Anziehungsmagnet.

Mir selbst ging es nicht anders, als ich ihn das erste Mal sah. Nachdem ich mich dann ein wenig schlau machte, stellte ich mit Erstaunen fest, dass er nicht nur viel zu bieten hat, nein, jeder einzelne Cocoquantus 2 sieht zudem anders aus! Peter Blasser, der 1996 anfing, antike Instrumente wie Lauten und Kitharas nachzubauen und sich ab 2000 schließlich Synthesizern widmete, benutzt für jedes seiner Geräte eine andere Auswahl sowie Anordnung an Hölzern, u. a. Walnuss, Sassafras, Esche und Kirschbaum. Zudem wird das Holz mit der Zeit von Haus aus immer dunkler, besonders wenn man das Instrument öfter draußen spielen sollte. Echte Unikate also.

Das Staunen hört damit aber nicht auf, denn je mehr man über den Cocoquantus 2 erfährt, desto kurioser wird es. Von ihm gibt es übrigens schon einige Vorgängermodelle wie Ambrazier, Srine Cocolase und Cocostuber, und er ist ausgeklügelter, als man es bei einem Instrument aus Holz vielleicht vermuten würde. Er ist ein Sampler, Looper, Delay, Synthesizer und Modulator zugleich und kann in insgesamt drei Hauptsektionen eingeteilt werden.

Jeder Cocoquantus 2 ist optisch ein Unikat, weil für jedes Gerät andere Hölzer verbaut werden.
Die Modulationsmöglichkeiten in der Quantussy-Sektion können »ernsthaftes Chaos« verursachen.

Die Input-Sektion befindet sich ganz links. Hier kann man beispielsweise ein hochohmiges Kontaktmikrofon per Miniklinke oder ein dynamisches Mikrofon via XLR einspeisen. Die Audiosignale lassen sich hier verstärken, mit Bananenkabeln weiter patchen, zum Beispiel in die Audio Eingänge der Looper, und auch die Hüllkurve des Signals kann man hier abgreifen und an anderer Stelle weiterverwenden. Beschriftungen wird man hier meist vergeblich suchen. Peter Blasser, der erst kürzlich von Baltimore nach Berlin gezogen ist, scheint es wichtig zu sein, mit seinen Instrumenten zu faszinieren, aber gleichzeitig auch zu verwirren, dem Künstler ein spannendes Tool an die Hand zu geben, das er selbst erkunden und erfahren muss. Zwei weitere Inputs, die jeweils Line-Pegel-Signale vertragen, befinden sich mittig an der Vorderseite des Cocoquantus 2 und sind beide in Stereo angelegt.

Die Cocos sind die Eingänge, die direkt mit den jeweiligen digitalen Coco-Sektionen Delay und Looper verkoppelt sind. Um zum Beispiel eine kleine Melodie von einem anderen Gerät aufzunehmen, dreht man den Input-Regler der jeweiligen Coco-Sektion auf und drückt den schwarzen Aufnahme-Schalter. Anschließend befindet sich das Audiosignal im Buffer des 8-Bit-Delays und wird automatisch geloopt. Und zwar so lange, bis man das Gerät wieder ausschaltet oder den Loop durch einen neuen ersetzt. Um ihn anzuhören, gibt es einen dedizierten Effekt-Lautstärkeregler, der das Signal mit dem Cocoquantus-spezifischen, knarzig crunchigen 8-Bit-Rauschen wiedergibt. Wie arg dieses Rauschen zu hören sein soll, kann man mit den Dolby-Schaltern selbst bestimmen. Sehr praktisch.

Vor der Aufnahme lässt sich mit dem »Speed Playback «-Regler, über dem nur ein kryptisches »S« geschrieben steht, festlegen, wie lang der Loop werden soll. Nach der Aufnahme lässt sich mit demselben Regler dann die Wiedergabegeschwindigkeit einstellen. Je nach Ausgangsmaterial lassen sich damit sehr interessante Artefakte erzeugen. Gerade wenn das Sample stark runtergepitcht wird, klingt es sehr entfremdet, dabei dennoch schön warm und voll und kann toll als Effekt eingesetzt werden.

Innerhalb der Coco-Module gibt es darüber hinaus noch ein paar interessante Modulationsmöglichkeiten, mit denen man das Audiosignal zusätzlich extrem verbiegen kann. Neben Modulationen der Tonhöhe und der Wiedergabegeschwindigkeit lassen sich beispielsweise auch die Lautstärke, Abspielrichtung sowie die Skip-Funktion modulieren, also ob und wann der Coco wieder zum Startpunkt des Samples zurückspringen soll. Schon allein mit diesen Funktionen lassen sich allerlei spannende Experimente anstellen.

Quantussy taufte Peter Blasser die größte Sektion des Cocoquantus 2 in der Mitte des Instruments, wo sich die entsprechenden Modulationsquellen befinden. Neben fünf Dreiecks-Oszillatoren, die durch einen Schalter verstellbar in drei verschiedenen Geschwindigkeitsbereichen von sehr langsamen LFOs bis in den Audiobereich arbeiten können, sind hier weitere fünf Ausgänge zu finden, die gestufte Wellenformen ausgeben. Darüber hinaus gibt es noch fünf FM- sowie fünf Clock/Sync/Glitch-Eingangsbuchsen für weiterführende Modulationen der Oszillatoren. Angeordnet sind sie Peter Blasser zufolge in einem »Pentagon Design« und können »ernsthaftes Chaos« verursachen, was ich nur bestätigen kann. Als wäre das nicht schon genug, gibt es dazu noch einen globalen Regler für die Geschwindigkeit der VCOs sowie einen globalen Chaos-Regler, mit dem man den Anteil der Kreuzmodulation zwischen den einzelnen Oszillatoren bestimmen kann, was je nach Anwendung sehr abgedreht klingt.

Alles in allem lassen sich mit so vielen Oszillatoren und Modulationsquellen allerlei abgefahrene Sounddesign-Experimente realisieren. Man kann das aufgenommene Signal in der Amplitude und im Pitch modulieren, kann es rhythmisch rückwärts und vorwärts laufen und wieder zum Startpunkt springen lassen. Auch mit Sprachsamples oder Aufnahmen von Alltagsgeräuschen lassen sich interessante Ergebnisse erzielen. Wem das noch nicht ausreichen sollte, der kann zusätzlich die Oszillatoren modulieren oder die Hüllkurve eines externen Signals verwenden, um damit weitere Parameter zu beeinflussen. Es ist sogar möglich, das Signal der Oszillatoren in den Eingang des Samplers zu schicken, um damit dann weiter zu experimentieren. Langweilig wird einem mit dem Gerät bestimmt nicht so schnell.

Fazit

Mit seinem stolzen Preis von 1.425 Euro ist das Gerät sicher etwas für Liebhaber exotischer Elektronik. Doch wer etwas Einzigartiges und Abgefahrenes jenseits der Norm in seinem Setup haben will, mit dem man sehr spannende Sounddesign-Experimente anstellen kann, dem sei der Cocoquantus 2 wärmstens ans Herz gelegt. Mit ihm kann man allerlei Signale auffrischen, seien es schlichte Samples, kurze Synthesizer-Melodien, Alltagsgeräusche oder auch die eigene Stimme. Mit seinen verschiedenen Eingängen, seinem charakteristischen 8-Bit-Rauschen und den zahlreichen Modulationsmöglichkeiten lassen sich auf jeden Fall immer wieder spannende und oft auch überraschende Resultate erzielen.


Hersteller/Vertrieb:
Ciat-Lonbarde / Patch Point

Internet:
www.ciat-lonbarde.net

Preis
ca. 1.425,– Euro

Unsere Meinung
+++ sehr spezieller, interessanter Sound
++ tolles Sounddesign-Tool
++ ausgefeilte Modulationsmöglichkeiten
+ verschiedene Eingangsmöglichkeiten
– hoher Preis

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Ich möchte dieses instrument kaufen, weis jemand wo? Hier?

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