Die hervorragende Ergänzung zu einem guten Satz Kondenser

Bändchenmikrofon richtig einsetzen

Royer 121 Platinum
Bändchen sind besondere Mikrofone (Bild: Stephan Lembke)

Der Umgang mit ihnen erfordert etwas Erfahrung sowie die Bereitschaft zum Umdenken. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, nehmen Bändchen mit Achtercharakteristik auf, d. h., sie sind nach vorne und nach hinten gleichermaßen empfindlich. Bei der Aufstellung sollte man daher immer auch auf den Rückraum achten. Unmittelbar hinter dem Mikrofon sollten sich keine reflektierenden Flächen wie z. B. Notenpulte oder Textblätter befinden. Der Abstand zur nächsten Wand sollte mindestens einen, besser mehrere Meter betragen. Selbst Mikrofonschirme wie der Reflexion Filter bzw. dessen zahlreichen Nachahmungen können den Klang von Bändchenmikrofonen negativ beeinflussen.

Eine weitere Eigenart der bändchentypischen Achtercharakteristik ist der sehr stark ausgeprägte Nahbesprechungseffekt, der zu einer massiven Bassanhebung führt, je näher man dem Mikrofon kommt. Für ein ausgewogenes Klangbild sollte der Abstand zur Klangquelle 30 cm in der Regel nicht unterschreiten,sonst lassen die dominanten Bässe den Sound dumpf erscheinen. Das Bändchen braucht also nach vorne und nach hinten etwas Luft, um seinen Klang optimal zu entfalten.

Anzeige

Bändchenmikros klingen anders! Wer Kondensatormikrofone gewohnt ist, weiß mit Bändchen anfangs oft nicht viel anzufangen. Viele Kondensatormikros haben massive Höhenanhebungen für einen betont crispen Sound, während bei Bändchen der Frequenzgang oft schon ab 6 bis 7 kHz allmählich abfällt. Den Höhenreichtum eines Kondensatormikrofons darf man von einem Bändchenmikro also nicht erwarten. Bändchenmikros sind deshalb keine Allrounder. Als erstes Mikrofon ist ein Bändchen denkbar ungeeignet; es ist aber eine hervorragende Ergänzung zu einem Satz guter Kondensatormikros.


Mehr zum Thema Bändchenmikrofone findest du auch in unserem: 

Sound&Recording 02/16 – Brass Recording Special 

sr_0216_1_800_pixelIn der Sound&Recording-Ausgabe 02/16 steht die Mikrofonierung von Blasinstrumenten im Fokus. Wir haben mit jeweiles über 25 Mikrofonen an Trompete, Posaune und Saxofon Audiobeispiele erstellt, die ihr hier auf der Website über SoundCloud auch anhören könnt. In unserem Brass Recording Special im Heft geben wir euch einen Einblick hinter die Kulissen der Recordings mit dem Bläsersatz aus “Sing mein Song – Das Tauschkonzert”. In unseren Tests findet ihr das Kleinmembranmikrofon-Stereoset Telefunken M60 FET. Für alle Homerecorder zeigt S&R-Leser Felix Krawcyk, wie er sein Homestudio aufgepimpt hat. Im zweiten Teil unserer DAW History Reihe geht es um den Game-Changer Ableton Live. Alle Love The Machines Fans können sich auf den Yamaha DX200 (*2001) freuen.

 

>> Hier könnt ihr die Sound&Recording-Ausgabe 02/16 versandkostenfrei bestellen <<


Zu den besonderen Vorzügen des Bändchens gehört ein besonders linearer, resonanzfreier Mittenbereich. Außerdem klingen Bändchen entspannt, rund und niemals nervig. Bändchenmikrofone sind hervorragend geeignet, um im Mix Kontraste zu schaffen und Tiefenstaffelung zu erzeugen. Anders als Kondensatormikros vertragen Bändchen massive EQ-Eingriffe, ohne unnatürlich zu klingen. Wobei aber selten mehr als eine Höhenanhebung und eine Bassabsenkung nötig sind.

Für Vocal-Tracks nach heutigen Klangvorstellungen klingen Bändchen zu dunkel. Mit der richtigen EQ-Bearbeitung lässt sich aus dem Ribbon aber ein vintageorientierter Sound herauskitzeln, der in einem modernen Mix funktioniert. Der erste Schritt ist das Kompensieren der Bändchen-Response. Selbst in 30 cm Lippenabstand produzieren die meisten Ribbon-Mics aufgrund des Nahbesprechungseffekts eine Anhebung der Bassfrequenzen von einigen dB.

Dazu muss dann zunächst der Tieftonbereich unterhalb ca. 150 Hz etwas entschlackt werden. Ein weiches Shelve-Filter ist dafür besser geeignet als ein Low-Cut (=Hi-Pass). Richtwerte sind –6 dB bei 130 Hz. Der Höhenabfall des Bändchens muss fürVocals ebenfalls ausgeglichen werden. Eine Standardeinstellung, die für die meisten Bändchenmikros passt, ist ein weicher Hi-Shelf bei 10 kHz mit einem Hub von +6 bis +8 dB. Damit ist der Frequenzgang erst einmal linearisiert. Oft sind im Mix aber eine weitere Verschlankung der Bässe und eine stärkere Höhenanhebung vonnöten. Statt den Pegelhub des Hi-Shelf zu erhöhen, ist es ratsamer, die Einsatzfrequenz weiter nach unten zu verschieben. Das klingt natürlicher. Für einen schlankeren Bass kann man dagegen ruhig die Einsatzfrequenz bei 100-150 Hz belassen und am GainRegler des Low-Shelfs stärker absenken. Nun sollten die Vocals durchsetzungsfähig und dennoch rund klingen. Angenehm: Bändchenmikros machen fast nie Probleme mit Zischlauten!


Text u. Foto: Dr. Andreas Hau

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte Sie auch interessieren: