Über den Wolken

Apple Logic Pro X: Mit Gobbler-Integration cloudbasiert arbeiten

Der Sänger kommt aus LA, der Schlagzeuger sitzt in London, ein Top-Liner ist in Stockholm und die Streicher-Arrangements stammen aus Berlin. »Think Big« heißt die Devise. Warum sollte man sich mit lokalen Ressourcen zufriedengeben, wenn dank einer globalen Vernetzung via WWW die besten Musiker und Komponisten per High-Speed-Internet zur Verfügung stehen? Neben der etablierten Workflows via WeTransfer oder Dropbox bieten mittlerweile viele der Big-Player von Produktions-Software eine integrierte Lösung für die Zusammenarbeit mit anderen Produzenten, Musikern oder Beat-Programmierern an. Mit der Veröffentlichung von Logic 10.2 integriert nun auch Apple über eine Partnerschaft mit Gobbler einen Cloud-Workflow in seine Produktions-Software.

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Mit dem gleichnamigen Hit besang der deutsche Singer/Songwriter Reinhard Mey bereits in den 80ern die grenzenlose Freiheit, die sich nach seinem Dafür wohl »über« den Wolken befand. Der etwas zur Trockenheit neigende Systemtechniker würde die Cloud wohl mit etwas weniger Polemik und dafür mehr fachlich fundierter Langeweile beschreiben. In beiden Fällen kann man jedoch eines feststellen: Die Cloud hat vieles verändert und Themen wie Flexibilität, Sicherheit und Datentransfer verbessert sowie die nach Mey »grenzenlose Freiheit« in vielerlei Anwendungen überhaupt erst möglich gemacht.

Grundlegendes

Bei der Arbeit mit Cloud-Services und einer DAW lassen sich grundsätzlich zwei verschiedene Anwendungsbereiche unterscheiden. Zum einen ist das die Möglichkeit, automatisierte Backups einer Session samt der dazugehörigen Medien-Files in der Cloud zu speichern und gleichzeitig von einem anderen Ort zugänglich zu machen. Zum anderen ist es das Teilen einer Session für die Zusammenarbeit mit anderen Mitwirkenden. Jeder eingeladene Kreative kann an einer eigenen, lokalen Version der Session arbeiten und im späteren Verlauf die eigene mit einer aktuellen Version der Session in der Cloud abgleichen. Ebenso können eigene Arbeitsergebnisse durch einen Upload den anderen Teilnehmern am Projekt zur Verfügung gestellt werden. Der Cloud-Service umfasst dann ein sogenanntes »Versions-Tracking«.

Je nach Anbieter gehören außerdem noch integrierte Messaging-Funktionen oder der Zugang zu einem Marketplace für die Monetarisierung eigener Assets und das Mieten von Plug-ins zum Teil eines Cloud-Services.

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Die Gobbler App

Der gewohnte Wahnsinn

Bisher verhielt es sich so: Das erste Layout ist fertig und gut genug, um beispielsweise die Vocals aufzunehmen. Also spielt man ein Stereofile aus und verschickt es per Mail, WeTransfer oder lädt einen Mitwirkenden zu einem Dropbox-Folder ein.

Im nächsten Schritt stellt der Empfänger jetzt jedoch fest, dass für die weitere Bearbeitung sowohl Tempo als auch Tonhöhe des ersten Entwurfs nicht passen. Oder vielleicht ist es ein bestimmtes Signal, dass den Sänger während der Aufnahme stört. Das Layout wird also überarbeitet, das File wird erneut ausgespielt und erneut hoch- und runtergeladen. Meist wiederholt sich diese Prozedur noch einige Male aufgrund wechselnder Anforderungen.

Am Ende − und in der Regel nach mehreren Korrekturen und Ladezeiten sowie einer immer komplizierter werdenden Benennung der Files − landet die fertige Produktion in Form einzelner Audiospuren beim Mixing-Engineer.

Jetzt wünscht sich dieser die eine oder andere Spur doch nochmals verändert mit z. B. weniger Hall oder vielleicht doch mehr Hall, und so geht es dann mit dem Verschicken von Files noch eine ganze Zeit weiter.

Zum Glück haben Anbieter wie Gobbler oder Splice diesen Wahnsinn erkannt und zukunftsweisende Lösungen für DAWs entwickelt. Logic 10.2 integriert die Funktionen von Gobbler 2.0 ins eigene File-Menu und öffnet seinen Usern damit einen direkten Weg aus der Software in die Gobbler-Cloud.

Gobbler 2.0

Das Sichern oder Verschicken einer Logic-Session über die Cloud konnte bereits vor Veröffentlichung der Version 10.2 mit Gobbler realisiert werden. Durch das Feature »Gobbler Collect« wurde dabei bereits sichergestellt, dass alle in der Session verwendeten Dateien wie Samples, Impulsantworten oder Audio-Aufnahmen automatisch und unabhängig ihres Speicherorts »eingesammelt« und angehängt wurden. Der Vorteil, Daten mit Gobblerstatt vergleichsweise mit Dropbox auszutauschen, lag bereits in früheren Versionen in der speziellen Verschlüsselung, welche für Medien-Files aus Audio-Workstations optimiert ist.

Innerhalb des Gobbler-Workflows werden Files außerdem nur einmal ausgetauscht und danach lediglich auf Aktualität synchronisiert und aktualisiert. Neben des bereits beschleunigten File-Transfers wird weiterer Datenverkehr so deutlich reduziert.

Mit Version 2.0 erweitert Gobbler sein Leistungsspektrum um sogenannte Workspaces: ein virtuelles Festplattensystem, über das Projekte verwaltet und geteilt werden können. Die überarbeitete Gobbler-2.0-App gibt darüber hinaus Informationen zum aktuellen Up- und Download-Status, allgemeinen Einstellungen und bietet direkten Zugang zum Gobbler Marketplace. Ein weiterer Tab zeigt eine Übersicht der angelegten Workspaces, welche direkten Zugang zum Web-Interface geben und somit zu weiteren Funktionen und Informationen wie Versions-Tracking von Sessions oder dem Verwalten teilnehmender Bearbeiter.

Ein Session-File kann auch weiterhin außer mit dem integrierten Logic-Workflow per Drag&Drop auf die App in die Cloud gespeichert werden.

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Marketplace 

Während der Zusammenarbeit mit anderen Produzenten stellt die Inkompatibilität zwischen Systemen und Sessions aufgrund unterschiedlicher Drittanbieter-Plug-ins die größte Herausforderung dar. Wenn es auch noch nicht in der aktuellen Version von Logic über einen direkten Zugang integriert ist,  bietet Gobbler 2.0 bereits einen Marketplace, über den Plug-ins für einen bestimmten Zeitraum gemietet werden können. Die Möglichkeit, fehlende Plug-ins für die Dauer einer Produktion über einen integrierten Marketplace zu mieten, könnte diese Herausforderung auf lange Sicht lösen.

Avid hat mit seinem Cloud-Service in der aktuellen Pro-Tools-Version ebenfalls einen Marketplace in die Software integriert, welcher sogar das Installieren während einer laufenden Session zulässt. Sowohl bei Gobbler als auch bei Avid befinden sich allerdings derzeit nur eine Handvoll Anbieter auf deren Marketplaces. Im Falle Gobbler sind das Eventide, Exponentiel Audio, Nugen und Slate Digital.

Und so geht es

Voraussetzung zum Nutzen der Cloud-Funktionen in Logic ist die Version 10.2, und unter www.gobbler.com muss ein kostenloser Account angelegt werden. Nachdem der Account verifiziert ist, lässt sich die Gobbler-App herunterladen. Als Nächstes sollten unter Gobbler (App oder Web-Interface) verschiedene Workspaces angelegt werden, was die Verwaltung unterschiedlicher Projekte vereinfacht.

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Nach einem Neustart von Logic erscheint jetzt im File-Menu ein Untermenü mit der Bezeichnung »Gobbler« und den Funktionen zum Speichern und Laden verschiedener Versionen der aktuellen Session in der Cloud.

Die Anderen

Avid hat für Pro Tools mit der Version 12.5 den Cloud-Workflow auf Basis von Avid Everywhere integriert. 500 MB und bis zu drei Projekte sind hier kostenfrei, danach staffeln sich die Preise je nach Nutzung bis ca. 23 Euro pro Monat. Bei Steinberg heißt das ganze »VST Transit« (s. ab Seite 32) und bietet vergleichbare Flexibilität und Bezahlmodelle. Beide Lösungen bieten die Möglichkeit zur Selbstvermarktung und Kontaktaufnahme zu anderen Produzenten oder Musikern für gemeinsame Projekte.

Um einen vergleichbaren Umfang zu haben, sollten Logic-User einen Apple-Connect-Account anlegen, über welchen die eigene Vermarktung als Artist erfolgen kann. Für User von Ableton und Studio One bietet ebenfalls Gobbler die Möglichkeit zum Cloud- Service, allerdings noch nicht über eine direkte Integration in die Software wie in Logic 10.2.

Fazit

Die grenzübergreifende Zusammenarbeit an musikalischen Projekten hat durch ein immer schneller werdendes Internet Fahrt aufgenommen. Die Einschränkungen der bisher recht umständlichen Wege, Kollaborationen umzusetzen, werden zunehmend durch neue Lösungen im Markt überholt. Mit der Integration von Gobbler 2.0 hat Apple zu Herstellern wie Avid und Steinberg nachgezogen und einen top Partner für Cloud-Services in seine Software integriert.

Die auffälligen Parallelen zu einigen der Cloud-Features in der aktuellen Pro-Tools-Version sind historisch bedingt − die Version 11.X war die erste DAW mit Gobbler-Integration. Allerdings hat sich Avid im weiteren Verlauf auf die Entwicklung eines eigenen Cloud-Services konzentriert.

Im direkten Vergleich zu dieser wohl derzeit umfangreichsten Cloud-Integration fehlt bei Logic 10.2 die Möglichkeit, an einem gemeinsamen Session File, welches in der Cloud liegt, gleichzeitig zu arbeiten.

Zusammengefasst sind uneingeschränkter Speicherplatz und Datenverkehr ein dickes Plus und bieten Logic-Usern eine tolle Gelegenheit, die Kollaboration übers Netz zu erforschen. Durch eine direkte Integration in das Logic-File-Menu wird das Handling vereinfacht.

Es stellt sich natürlich die Frage, wie lange dieser Service kostenlos bleibt, denn das Mieten einer Server-Farm ist auch für eine Firma wie Gobbler nicht umsonst.


+++ unbegrenzter Speicherplatz und Datenverkehr bei Gobbler

+++ (noch) kostenloser Service

++ Integration im Logic-File-Menu mit Darstellung der Versionen

− fehlende Möglichkeit zur direkten Kommunikation innerhalb der App

− Funktionen aus dem Web- Interface sind in der GobblerApp nur teilweise integriert

 

Hersteller/Vertrieb: Apple

Preis UvP: 199,99 Euro

www.apple.com

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