USB-Interface

Akai EIE Pro im Test

Den Herstellernamen »Akai Professional« verbindet man primär mit Samplern der MPC-Serie oder diversen MIDI-Controllern, die sich dieser Klassiker annehmen. Doch nun versucht Akai, sich in einem neuen Marktsegment zu etablieren − mit zwei USB-Interfaces.

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(Bild: Dieter Stork)

In letzter Zeit lagen vermehrt Desktop-Interfaces mit DSP-Support auf unserem Testprüfstand. Akai Professional geht dieses breite Marktsegment etwas traditioneller an und debütiert mit der EIE-Serie ohne zusätzliche Routing-Software oder individuell konfigurierbare Multifunktionsknöpfe. Zurück zu den Wurzeln, scheint das Motto zu sein, und das Ganze bitteschön stilecht im Design eines Cockpit-Armaturenbretts.

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Hardware

Das Gehäuse ist ordentlich verschraubt und verzichtet − mit Ausnahme der Drehregler − vollständig auf Plastikteile. Dementsprechend bringt das Gerät auch ein nicht zu vernachlässigendes Gewicht auf die Waage, was keinesfalls als negativ zu bewerten ist.

Beginnen wir mit der Rückseite des EIE Pro. Als Schnittstelle zum Rechner dient eine USB−2.0-Verbindung, die Stromversorgung allerdings erfolgt über ein separates 6V-Netzteil. Daneben wurden dem Gerät noch MIDI- Ein- und Ausgang sowie ein dreifacher USB-Hub spendiert, der anstandslos Speichermedien oder sonstige USB-Geräte erkennt − bei einem Desktopgerät eigentlich ziemlich praktisch.

Flexibel zeigt sich das EIE mit vier Klinkenausgängen. Eine Besonderheit sind die vier Insert-Buchsen, über welche man externe Effekte direkt am Interface einschleifen kann − super. Die Integration etwaiger Peripherie erfolgt hier nach der Eingangsverstärkung des verwendeten Kanals, um beispielsweise Kompressoren, Limiter oder Verzerrer gleich mit aufzunehmen.

Im Übrigen steht die Abkürzung »EIE« zwar für »Electromusic Interface Expander«, was aber nicht heißen soll, dass der Einsatz von traditionellen Saiteninstrumenten tabu wäre. Spätestens beim Betrachten der Frontseite, welche von vier XLR/Klinke-Kombibuchen geziert wird, leuchtet dies ein. Die Impedanz jeder dieser Buchsen lässt sich mit einem dedizierten Kippschalter entweder für Mic/Line-Signale oder eben für hochohmige Instrumentensignale anpassen. Paarweise, also für Kanal 1 und 2 sowie für Kanal 3 und 4, kann man den Anschlüssen ebenfalls per Kippschalter eine Phantomspannung von 48 Volt zuführen.

Zu jedem Eingang gehört ein Gain-Poti mit einer Verstärkung von 36 dB. Zum Ablesen der aktuellen Pegel dienen die beiden VU-Meter, die wahlweise sowohl die Eingänge als auch die Ausgänge 1-2 bzw. 3-4 darstellen. Sehr schön umgesetzt ist die optische Übersteuerungswarnung, welche die Hintergrundbeleuchtung der beiden Meter bei einem überfahrenen Signal zu einem grellen Rot umschaltet. Bei der Aufnahme ist lediglich darauf zu achten, diese Zeigerinstrumente bei »In« und nicht bei »Out« abgreifen zu lassen, denn die einzelnen Kanäle selbst verfügen über keine weiteren Clipping-LEDs.

Der Drehregler »Master Level« steuert ausschließlich die Ausgänge 1-2, während die Ausgänge 3-4 stets den maximalen Pegel von sich geben. Ohne zusätzlichen Monitor-Controller ist das Ansteuern eines zweiten Lautsprecherpaars also nicht sehr effektiv umzusetzen. Dafür würde sich Ausgang 3-4 beispielsweise sehr gut für den Anschluss eines externen Kopfhörerverstärkers eignen. Immerhin lässt sich die Mischung über die Hauptabhöre und den Kopfhörer mit einem dedizierten Schalter auf Monokompatibilität prüfen.

Der Kopfhörerausgang stattdessen ist sehr wohl in der Lage, nur eines der beiden Ausgangspaare wiederzugeben − und sogar beide gleichzeitig. Des Weiteren ist diese Sektion mit einem »Direct Monitoring«-Drehregler ausgestattet, welcher stufenlos zwischen dem Eingangssignal und dem DAW-Signal überblenden kann.

Alle Drehregler, Kippschalter sind hervorragend verarbeitet, und trotz der vielen Elemente hat alles seinen Platz auf dem Bedienfeld. Nur eine Anzeige der MIDI-Aktivität wird vermisst.

»In the box«

Neben den Treibern für Windows (32/64 Bit) und OS X liegen »Steinberg Cubase 5 LE« und »Ableton Live Lite« auf den mitgelieferten DVDs bei. Ansonsten halten sich die Konfigurationsmöglichkeiten auf Seiten der Software selbst bedeckt. Ein simples Bedienfeld zeigt zumindest den Verbindungsstatus, die aktuelle Abtastrate sowie Wortbreite an und ermöglicht das Wechseln der Puffergrößen.

Das Akai EIE Pro erlaubt Pufferwerte zwischen 49 und 1.024 Samples. Als gängigen Vergleichswert setzen wir den Puffer auf 128 und erhalten bei 44,1 kHz eine Ausgangslatenz von 15,6 ms. Bei 1.024 Samples schießt dieser Wert auf sagenhafte 46,4 ms in die Höhe. Das RME Fireface spuckt auf dem gleichen System Latenzen zwischen 5,0 und 25,5 ms aus. Und auch im Vergleich mit dem USB-Interface »Avid C 400«, das bei 1.024 Samples mit 25,5 ms arbeitet, kann die Leistung des Electromusic Interface Expanders leider nicht wirklich überzeugen.

Bezüglich des Treibers, der aktuell in Version 2.9.30 vorliegt, herrscht beim EIE also noch etwas Nachholbedarf. Konkret soll das aber nicht heißen, das Interface wäre unbrauchbar. Nein, denn wählt man einen der drei niedrigsten Puffer, fällt der Zeitversatz nicht ins Gewicht. Außerdem ist etwa beim reinen Abmischen eine komfortabel niedrige Latenz nicht zwingend nötig, sodass man die freigewordene CPU-Power anders nutzen kann.

Das schwarz-silberne EIE Pro arbeitet mit einer maximalen Wortbreite von 24 Bit und unterstützt die gängigen Abtastraten bis zu 96 kHz. Warum Akai das »kleinere« EIE mit roter Frontplatte nicht etwa bei der Anzahl der Ein- und Ausgänge abgespeckt hat, sondern stattdessen die maximale Wortbreite auf 16 Bit, die Abtastrate auf 48 kHz und die USB-Schnittstelle zu Version 1.1 reduziert, ist etwas fragwürdig.

Diese Einsparungen machen sich zwar durch eine Preissenkung von etwa 40 Euro bemerkbar, sind bei heutigem Standard aber nicht unbedingt zu empfehlen.

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(Bild: Dieter Stork)

Fazit

Akai hat mit dem EIE Pro einen guten Einstieg in das Marktsegment der USB-Interfaces geschafft. Erstklassige Verarbeitung sowie eine angenehme Haptik aller Bedienelemente gehen Hand in Hand mit dem stilvollen Desktopdesign.

Mit vier Ein- und Ausgängen sollte das Homestudio oder kleine Projektstudio bestens ausgestattet sein. Durch die vier physikalischen Insert-Buchsen − einer wirklichen Überraschung in dieser Preisklasse − ist das Einschleifen von externen Effektgeräten absolut unkompliziert und ohne zusätzliche Konfiguration in der DAW umzusetzen. Das VU-Metering mit der nutzerfreundlichen Übersteuerungsanzeige sowie Anschlussmöglichkeiten für weitere MIDI- und USB-Geräte runden das Paket ab.

Hersteller/Vertrieb:

Akai / Alesis Studiosound GmbH

UvP/Straßenpreis EIE Pro:

289,99 Euro / ca. 240,− Euro (EIE: 239,− Euro / ca. 200,− Euro)

+++ sehr robustes Gehäuse

+++ gute Verarbeitung

++ Hardware-Inserts

− erhöhte Ausgangslatenz bei großem Puffer

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