Moog-Filter Emulation für UAD DSP-Karten

UAD Moog Multimode Filter im Test

Die stetig wachsende Auswahl hochwertiger Plug-ins, mit denen Universal-Audio bereits viele Musiker überzeugte, wurde um ein weiteres Highlight bereichert. Das legendäre Moog-Filter, wie es im Minimoog oder auch dem Moogerfooger zu finden ist, fühlt sich nun auch im Silizium der UAD-Karten zu Hause.

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Die Domäne der digitalen Abteilung von Universal-Audio ist eigentlich die Nachbildung hochwertiger und klangprägender Klassiker der Tonstudio-Technik. Neben historischer Hardware wie z. B. dem LA2A-Kompressor oder verschiedener Neve-Module findet man vorwiegend alle wichtigen Handwerkszeuge des Toningenieurs, also EQs, Kompressoren und Effekte wie Hall und Chorus, im Programm. Hin und wieder widmen sich die DSP-Experten von UAD aber auch den etwas spezielleren Studioklassikern wie etwa dem Roland Space-Echo (siehe Test S&R 05/2006). Der neueste Wurf ist nun die Nachbildung eines der beliebtesten Filtermodelle der Synthesizer-Geschichte, dem Moog Ladder-Filter.

Bedienelemente und Funktion

Die Bezeichnung „Ladder-Filter” ergibt sich aus der speziellen Schaltung von fünf Transistor-Paaren, was im Schaltbild wie eine Leiter aussieht. Dem besonderen Sättigungs- und Resonanzverhalten dieser bekanntesten Tiefpass-Filtervariante, die Robert Moog uns hinterlassen hat, widmet sich UAD mit der Detailtreue, die man auch von anderen Universal-Audio-Produkten kennt.

Rein äußerlich sieht das Plug-in wie eine kompakte Version des Minimoog Voyager mit seiner dezenten blauen Beleuchtung aus. Die Bedienelemente des Filters scheinen allerdings direkt dem Moogerfooger MF-101 Lowpass entnommen.Wie bei diesem Bodeneffektgerät finden sich Regler für EnvelopeAmount, Drive, Filter-Cutoff und Resonanz sowie ein 12/24-dB-Umschalter für die Flankensteilheit. Ein weiterer Schalter bestimmt die Geschwindigkeit der Envelope-Ansprache, mittels des Step/Track-Schalters lassen sich Modulationsvorgänge des LFOs oder der Automation glätten. Schließlich lässt sich noch die Filter-Betriebsart umschalten.

Der letzte spezielle Regler dieser Bedienelementgruppe mit der Bezeichnung „Spacing” ist wieder dem Voyager entliehen und weist auf eine Eigenschaft hin, die so nicht direkt offensichtlich ist. Das UAD-Moogfilter ist nämlich tatsächlich ein echtes Stereo-Filter, und besagter Spacing-Knopf regelt, von der Mittelstellung ausgehend, einen Offset der Cutoff-Frequenz der beiden Filter. Dreht man nach rechts, erhöht sich die Frequenz des rechten Filters, während sich die des Linken verringert. Dreht man nach links, sind die Verhältnisse umgekehrt.

In der Mitte des Bedienpanels findet sich ein Boost-Schalter, der den Eingangspegel um 20 dB erhöht, während der Ausgangspegel um den gleichen Betrag abgesenkt wird.

Der Effekt/Bypass-Schalter nimmt das Filter aus dem Signalweg, während Drive/Gain und Output aktiv bleiben. So lässt sich das Plug-in auch als Verzerrer und Kompressor mit speziellem und ansprechendem Klangverhalten einsetzen. „On/Off” schaltet das gesamte Plug-in und damit auch die DSP-Last ab, wobei sich sogar die virtuelle Hintergrundbeleuchtung ausschaltet.

Für Drive, Envelope, LFO und Output ist je eine LED-Anzeige zuständig, und deren Färbung von Grün über Orange nach Rot bei Drive und Output erlaubt ein Einschätzen der Pegelverhältnisse. Ein Klick auf die LFO-LED resettet den LFO, was sich praktischerweise auch über die Automation steuern lässt.

Die rechte Reglergruppe wird vom LFO dominiert. Dessen Geschwindigkeit reicht im „Free”-Modus von 0,03 bis 25 Hz. Im Sync-Betrieb lässt sich die Geschwindigkeit von 1 Schwingung in 16 Takten bis hinauf zu einer 1/64tel-Note einstellen. An Wellenformen stehen neben Sinus und Dreieck auch auf- und absteigender Sägezahn, Rechteck und eine zufällige Verlaufsform bereit, die sich für die typischen Sample&Hold-Klänge eignet. Außerdem gibt es einen Offset-Regler, der die Polarität des LFO-Signals für die beiden Filter um bis zu ±180 Grad ändert.

Die Output-Sektion bietet neben Ausgangspegel- und Mix-Reglern einige interessante Klangvariationen mittels des Mono/StereoSchalters. Während im Stereo-Modus die hart rechts und links platzierten Filter bei Einsatz von Filter-Spacing und LFO-Offset schnell zu viel Bewegung ins Stereobild bringen, belebt sich das Klangbild im Mono-Modus auf andere Weise. Da Offset und Spacing nach wie vor wirken, erhält man plötzlich ein Doppel-Filter mit unterschiedlichen Cutoffs, die auch noch gegenphasig moduliert werden – sehr schön!

Neben den typischen 24 dB Tiefpass-Klängen lässt sich dank stereofoner Auslegung, zusätzlichen Filter-Modi und der 12-dB-Option eine ganze Palette ungewöhnlicher Sounds erzeugen.

Filter-Formen und Filter-Farben

Der Name „Multimode-Filter” ist etwas irreführend. Es handelt sich nämlich nicht um die Emulation eines klassischen Multimode-Filters, wie sie etwa Oberheim einsetzte. Ein solches Filter, das Tiefpass, Hochpass, Bandpass und Bandsperre gleichzeitig liefert und ein spezielles Resonanzverhalten besitzt, wäre so gar nicht Moog-typisch. Vielmehr geht es natürlich um das bereits erwähnte und vielgeschätzte 24-dB-Ladder-Filter. Die Emulation lässt sich zudem als 2-Pol mit 12 dB Steilheit verwenden. Außerdem wurde das Resonanz- und Overdrive-Verhalten auf die beiden anderen emulierten Filtertypen, Bandpass und Highpass, übertragen.

Die 24-dB-Version im Tiefpass-Modus ist zunächst natürlich das Maß der Dinge. Angeregt durch zwei Sägezahn-OSCs, die eine Lautstärke-Hüllkurve durchlaufen, zeigt das Plug-in seinen Bizeps – und da steht fett MOOG drauftätowiert. Mächtig Schub im Bass, dezentes bis deutliches Overdrive-Grollen und schmatzende Filtersweeps durch den Envelope-Follower lassen Freude aufkommen. Der Hüllkurvenfolger reagiert allerdings mit 40 ms Release im Fast-Mode bereits etwas nervös auf sehr tieffrequente Sägezähne und folgt selbst dem Lautstärkeverlauf der Wellenformen – zugegeben nicht gerade eine typische Anwendung des Plug-ins.

Die Resonanz lässt sich fein abstufen und erreicht ab der 9-Uhr-Stellung des Reglers langsam die Selbstoszillation, die sich bei ganz aufgedrehtem Regler voll entfaltet. Die Bandpass-Betriebsart zeigt dasselbe angenehme Drive- und Resonanz-Verhalten. Hier sollte man im Mono-Mode mit Envelope, Spacing und Offset experimentieren. In den oberen Bereichen des Cutoff-Reglers bei kräftiger Resonanz lassen sich so vokalartige Filterwirkungen erzielen.

Die Highpass-Betriebsart wird wohl seltener gefragt sein, aber auch hier wirken sich Drive und Resonanz auf individuelle Weise klangcharakterbildend aus.

Zuweilen sind 24 dB Flankensteilheit bereits zu viel des Guten. In dichten Mischungen bleiben zu wenig Obertöne erhalten, der Sound verliert an Kontur. Hier hilft die 12-dB-Einstellung. Während die restlichen Soundparameter erhalten bleiben, gewinnt man so wieder etwas „Luft” in den höheren Frequenzbereichen, ohne groß an Punch zu verlieren.

Die SE-Version schont die CPU, bietet allerdings keine Drive-Emulation.

Lastverhalten und Lustgewinn

Das Manual erwähnt bereits den Leistungshunger des Drive-Parameters. Dem Besitzer einer UAD-1-Karte wird beim Blick auf das DSP-Meter trotzdem kurz der Atem stocken Auf unserem Testrechner mit zwei UAD-1- Karten beanspruchte eine Plug-in-Instanz bereits 39 % der gesamten DSP-Leistung! Auf einer UAD-2-Solo dürfte der Moog-Clone immer noch mit ca. 30 % zu Buche schlagen. Wer gerade in ein UAD-2-System investiert hat, muss sich allerdings noch in Geduld üben: Zurzeit ist das Moog-Filter-Plug-in nur für die UAD-1 verfügbar. Eine UAD-2-Version soll allerdings noch in diesem Jahr mit Softwareversion 5.2 folgen.

Damit auch andere Plug-ins zum Zuge kommen dürfen, liefert Universal Audio eine SE-Version des Plug-ins gleich mit. Diese begnügt sich auf unserem Test-Rechner mit gerade mal 8 % der DSP-Ressourcen. Allerdings muss man hier auf die „Drive”-Emulation verzichten, die natürlich einen guten Teil der Klangcharakteristik ausmacht. Schon bei der leistungshungrigen Variante des Filters ist das Verhalten des Envelope-Followers von der Einstellung des Drive-Reglers abhängig. Bei der Slim-Line-Version reagiert der Hüllkurvenfolger daher völlig anders. Insgesamt kann das Klangverhalten der SE-Version der vollfetten Emulation in manchen Einstellungen recht nahe kommen, jedoch braucht der Moog-SE im Vergleich deutlich mehr Eingangspegel und eine weit zurückgenommene Cutoff-Einstellung, um ähnliche Moogtypische Hüllkurvenschmatzer zu erzeugen. Selbst dann klingt alles ein bisschen „enger” und weniger elastisch. Allerdings erzeugt auch der Moog-SE im Tiefmittenbereich ordentlich Druck, was in mancher Mischung bereits bestens zur Geltung kommt.

Die CPU-lastige Version überzeugt dann allerdings mit sahnigem, fein dosierbarem Overdrive-Verhalten, das sich mit dem +20- dB-Schalter nochmals kräftig anheben lässt, ohne dabei jemals harsch oder unangenehm zu werden. Gibt man am Filtereingang kräftig Gas, verflacht sich allerdings die Wirkung des Envelope-Followers immer mehr, bis der Envelope-Regler wie eine weitere Cutoff-Regelung wirkt.

Sämtliche Parameter lassen sich, wie bei allen UAD-Plug-ins üblich, über die Hostautomation steuern und somit auch über DAW-Controller wie z. B. die CM-Motormix kontrollieren. Die Steuerung über normale MIDI-Controller ist nach wie vor nur über eine umständliche Anpassung der DAW-Software möglich.

Fazit

Mit dem Moog Multimode Filter bewegt sich Universal Audio einmal mehr vom angestammten Terrain der Emulation hochwertiger Studiotools und Outboard-Gear-Klassiker hin in die Gefilde stilbildender Effekte. Wie bereits beim Roland Space-Echo wurden nützliche und zeitgemäße Erweiterungen implementiert, die jedoch nie den ursprünglichen Möglichkeiten des Originals im Wege stehen.

Das Moog Multimode Filter überzeugt klanglich auf ganzer Linie. Dank der durchdachten stereofonen Auslegung und der Bandpass- und Hochpass-Option bieten sich neben dem breiten Spektrum an typischen Tiefpassfilter-Sounds eine ganze Reihe weiterer originärer Klangmöglichkeiten an.

Besitzer einer UAD-1-Karte sollten unbedingt die 14-tägige Demo-Option nutzen; UAD-2-Anwender müssen sich noch bis zum nächsten Update gedulden, für welches der Hersteller das Plug-in dann auch für die neue Generation der DSP-Karten angekündigt hat.


Konzept: Moog-Filter-Emulation für UAD DSP-Karten

Systemvoraussetzungen: Mac oder PC mit UAD-1-Karte, UAD Softwareversion 5.1 (UAD-2-Unterstützung mit dem nächsten Softwareupdate)

Hersteller / Vertrieb: Universal-Audio

Internet: www.uaudio.com

UvP / Straßenpreis: $ 199,– / ca. € 150,–

+ hervorragende Klangeigenschaften
+ authentische Reproduktion des berühmten Moog Ladder-Filters
+ druckvolle Saturation-Effekte
+ sinnvolle Erweiterung der Funktionalität
+ intuitive Handhabung

– keine direkte MIDI-Controller-Belegung
möglich

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