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Arturia V Collection 9 – Software-Synthesizer im Test

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Wenn es um die Nachbildung von analogen Synthesizern geht, spielt der Name Arturia schon seit vielen Jahren ganz vorne mit. Das Entwickler-Team aus Frankreich schläft mnicht und liefert mit V Collection 9 neues Futter für die Ohren.

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Der Download und die Verwaltung aller Softwarepakete findet wie gehabt im Arturia Software Center statt. Nach der Eingabe der Seriennummer und des Unlock Code stehen insgesamt 33 Produkte zur Verfügung, die man als Komplettpaket oder einzeln auf die Festplatte laden kann. Schön, dass Arturia bis zu fünf Aktivierungen auf verschiedenen Systemen erlaubt.

Werfen wir zuerst einen Blick in das »Analog Lab V«. Hier wird die gesamte Kollektion nach verschiedenen Kategorien sortiert dargestellt. Zum einen sind hier alle Klangerzeuger von Jup-8V und Buchla Easel V über Mini V bis hin zu CS-80 V und DX7 V mitsamt Symbolbild zu finden. Zum anderen kann man auch übergreifend nach Instrumententyp wie Sub Bass, Dirty Lead oder Synth Organ suchen; alle Presets kann man sogar nach den beauftragten Sounddesignern filtern. Schön, dass wir dort auch unsere geschätzten Kollegen Klaus Baetz und Ulf Kaiser in der Liste antreffen! Wem das immer noch nicht reicht, kann sich dank Stichwortsuche und Tag-System weiter durch die Klanglandschaften schlagen.

Overview ARTURIA V COLLECTION 9
Um sich einen Überblick zu verschaffen, eignet sich die Standalone-Version von »Analog
Lab V« bestens.

Sehr praktisch ist, dass alle Klangerzeuger auch in Einzelinstanzen als Plug-in vorliegen. Nach einem Klick auf das kleine Zahnrad-Symbol rechts oben, werden nicht nur Tabs wie Settings, MIDI und Macro angezeigt, sondern auch integrierte Tutorials. Beispielsweise kann man bei einem Analognachbau verschiedene Kapitel auswählen, welche dann Filter, VCA & Co. intuitiv und auch für Einsteiger gut verständlich erklären. Handbuch lesen passé!

Die beiden Klangerzeuger der »Augmented Series« ...
... sind vermutlich das Highlight der neuen V Collection.

Korg MS-20 V

Trotz des sehr großen bestehenden Arsenals sind in V Collection 9 weitere Synthesizer hinzugekommen. Den Anfang macht der MS-20 V. Die linke Seite ist ganz klassisch mit zwei Oszillatoren sowie Modulations-, Amplifier- und Hüllkurven-Sektion ausgestattet, während die rechte Seite das altehrwürdige Patch-Feld visualisiert. Dieser halb-modulare Ansatz ermöglicht eine sehr hohe Klangvielfalt. Insbesondere Hoch- und Tiefpassfilter sind sehr überzeugend umgesetzt und bringen ein authentisches Spielgefühl mit sich.

Trotz starker Originaltreue, hat Arturia noch zwei weitere Tabs beigepackt. Unter »Sequencer« versteckt sich ein dem SQ10 nachempfundener Lauflicht-Sequencer. Hier stehen drei Reihen, also Channels A/B/C, mit je 12 Steps zur Verfügung. Diese lassen sich per virtuellem Patch-Kabel abzapfen und an beliebiger Stelle im Synthesizer integrieren. Großartig!

MS-20 ARTURIA V COLLECTION 9
Der MS-20 V ist ein echtes Flaggschiff – wenn es der Prozessor zulässt, sogar polyfon.

Der MS-20 kam damals ohne interne Effekte, allerdings wird die zuschaltbare Sektion »Effects« wohl kaum jemand ein Dorn im Auge sein. Bis zu vier Effekt-Prozessoren lassen sich hier entweder in Reihe oder parallel kombinieren.

Dass der MS-20 V softwareseitig nun plötzlich nicht mehr monofon, sondern bis zu 6-fach polyfon ist, mag vielen Produzenten gelegen kommen. Allerdings erscheint beim Aktivieren dieser Funktion eine Warnung, dass ab sofort deutlich mehr CPU-Leistung gefordert wird. Um genauer zu sein, ein Wechsel von »monophonic« zu fünffacher Polyphonie resultierte in einer Verdreifachung der Prozessorauslastung – ziemlich stattlich! Geschuldet ist dies dem MKI Filter, also einer nichtlinearen Modellierung des Korg-35-Chips. Vielleicht sollte man hier erstmal die Demo-Version auf dem eigenen System testen.

Sequencer ARTURIA V COLLECTION 9
Ein Sequencer wurde gleich mit in den MS-20 V integriert. Er innert deutlich an den SQ-10, den Korg seinerzeit zeitgleich mit MS-10 und MS-20 vorstellte.

SQ 80 V

Der nächste Retro-Bolide stammt aus dem Hause Ensoniq. Mit dem SQ 80 V hat Arturia nun auch diesen sogenannten »Cross Wave Synthesizer« ins Repertoire aufgenommen. Die ursprünglich etwas komplizierte Bedienoberfläche wurde dabei wunderbar vereinfacht. Sehr übersichtlich hat man direkten Zugriff auf drei Oszillatoren und einen Filter. Für eine authentische Klangreproduktion ist auch der Unison-Knopf mit zugehörigem Detune an Bord.

SQ Hardware ARTURIA V COLLECTION 9
Der SQ 80 V ist ein mächtiges Tool mit drei flexiblen Oszillatoren.

Wer noch tiefer in die Klangmaterie einsteigen möchte, kann dies über das Tab »Synthesis« erledigen. Der Synth besaß eigentlich nur 75 Wellenformen, allerdings konnten findige Tüftler früher per Hardware-Hack noch weitere Wellenformen dem Gerät entlocken. Diese »Hidden Waveforms«, nicht nur vom SQ 80, sondern auch vom ESQ1, sind im Drop-Down-Menü in jedem der drei Oszillatoren zu finden. Sehr cool! Falls eine Einstellung besonders gut gefällt, lässt sich diese auf einen der beiden anderen Oszillatoren kopieren und bei Bedarf dort variieren.

Die Envelope-Sektion besitzt drei sehr interessante Modi. Neben der originalen Hüllkurve des SQ 80 gibt es den Modus MSEG, sprich Multi Segment. Dieser erlaubt es, beliebig viele Knotenpunkte auf dem Kurvenverlauf einzufügen und somit komplexe Verläufe zu erzeugen. Der letzte Modus nennt sich DADSR. Diese Hüllkurve greift auf die traditionellen Parameter Attack, Decay, Sustain und Release zurück. Zusätzlich ist diesem System ein Delay vorgeschaltet. So kann man den Startpunkt des Envelopes zeitlich verzögern.

SQ Synthesis ARTURIA V COLLECTION 9
Im Tab »Synthesis« findet man außerdem leistungsstarke Envelopes.

Prophet-5 V

Eine weitere Nachbildung erfolgte anhand des »Sequential Circuits Prophet 5 Rev 2«. Der Polysynth tritt in herkömmlicher Manier mit zwei Oszillatoren, einem LFO und ausgiebiger Filter-Sektion auf. Natürlich hat man auch den Arpeggiator, den Unison-Mode und die Chord-Funktion inklusive Hold-Taste nicht vergessen. Ein paar Schmankerl verbergen sich allerdings im Advanced-Tab. In der Ansicht »Modulations« hat man die Möglichkeit, mit einem zweiten LFO bis zu zwei Zielparameter zu modulieren. Im Tab »Keyboard« lässt sich noch weiter in das Klanggeschehen eingreifen. Vier Hüllkurven, genauer für Veloctiy, Aftertouch, Modulation Wheel und Keyboard Tracking, lassen sich nicht nur in Start- und Endpunkt ändern, sondern auch in der Steigung variieren. Für jede der Hüllkurven kann man bis zu drei Zielparameter angeben. So ließe sich beispielsweise die Pulsbreite und der Rauschanteil mit dem Mod-Wheel steuern, oder die Arp-Rate und Delay-Zeit anhand der Anschlagsdynamik. Zeit für Experimente!

Der Prophet-5 V kommt mit einem vollständig überarbeiteten Gesicht.
Besonders interessant beim Prophet-5 V ist das Tab »Modulation«, wo sich ein zweiter LFO versteckt.

Augmented Series

Während Arturia primär für die hochwertigen Nachbildungen von digitalen und analogen Synthesizern sowie elektrischen und akustischen Pianos bekannt ist, wird in »V Collection 9« sozusagen eine neue Kategorie geschaffen, in die zwei neue Klangerzeuger fallen: »Augmented Strings« und »Augmented Voices«.

Die GUIs beider Plug-ins erscheinen schlicht und modern mit nur acht Drehreglern. Das Herzstück bildet der großzügig dimensionierte Regler namens »Morph«. Nach links gedreht erklingt beispielsweise ein simples String-Layer, das legato vor sich hinarbeitet. Dreht man den Regler nach rechts, kann sich der Sound in teilweise rhythmische, komplexere Layer verwandeln. Dies geschieht jedoch nicht im Stile eines herkömmlichen Mix-Reglers, denn hier werden die Parameter unter der Haube an vielen Stellen angepasst bzw. »gemorpht«. »Color«, »Time« und »Motion« haben dabei große Auswirkung auf die Struktur und ermöglichen eine Vielfalt von Variationen, ohne sich in komplizierten Modulation-Matrizen zu verlieren. Wer allerdings diese vier Hauptregler genauer unter die Lupe nehmen möchte, kann dies unter »Macro« erledigen. Jegliche Parameter lassen sich hier zuweisen und kombinieren.

Die simple Bedienoberfläche und die zahlreichen Presets eignen sich hervorragend für spannungsvolles Film-Scoring oder um schnell wirkungsvolle Atmos in einen Song zu packen. Mit den weitreichenden Editing-Möglichkeiten im Tab »Advanced« werden aber auch Sounddesigner große Freude haben. Während Augmented Strings eher im Bereich »Streicher« zuhause ist, kümmert sich Augmented Voices um Chöre und Synths. Doch nicht nur Flächen beherrschen die Plugins, denn einige Staccato- und Bass-Sounds sind ebenfalls mit an Bord.

Fazit

Die neue Kollektion ist extrem umfangreich und deckt jede erdenkliche Klangfarbe bereits »Out-Of-The-Box« ab. Dank der erstklassigen Browser-Struktur findet man sehr schnell die passenden Synths und Presets. Die zahlreichen neu integrierten Modulationsmöglichkeiten der Analog-Emulationen können auch die Sounds aus den 80ern nochmal auf ein ganz neues Level heben – und das bei einem wunderbar inspirierenden und organischen Klangcharakter.

Hersteller: Arturia

Download-Preis: 599,– Euro

Internet: arturia.com

Unsere Meinung
+++ Augmented Series
+++ neue Analog-Emulationen
+++ Klangqualität
+++ riesige Sound-Auswahl
+ integrierte Tutorials

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