Hardware, Plugins und FreeVSTs im Hörvergleich

5 Kompressoren, die den Bass im Mix an die richtige Stelle rücken

5 Kompressoren Aufmacher

Hardware vs. Plugin, analog vs. digital, Nachbau vs. Original. Das Fazit solcher Testformate ist meist schon vor dem Lesen bekannt. So heißt es, die Hardware biete einfach durch ihre “analoge Wärme” einen druckvolleren und runderen Klang als ein Plugin. Und der Nachbau, den es für beispielsweise erschwingliche 700€ zu kaufen gibt, kommt klanglich nicht an sein Original, das für 5000€ im Fachhandel zu haben ist, heran. 

Im Folgenden möchte ich euch fünf Hardware- und Plugin-Kompressoren in ihrer Funktion am Bass vorstellen und darauf eingehen, worauf es es wirklich ankommt, nämlich den Klang. Anhand von Klangbeispielen die im Beitrag eingebettet sind, lassen sich Klangfärbungen und Klangeigenschaften der einzelnen Units Schritt für Schritt analysieren. Um den Test vergleichbar zu machen habe ich bei den einzelnen Kompressor das gleiche Basssignal und ähnliche Settings verwendet. Diese könnt ihr anhand des jeweiligen Screenshots nachvollziehen.

Herangehensweise und Ausgangspunkt

Als Ausgangspunkt hab ich mir den WA76 aus dem Hause Warm Audio herausgepickt, den Hardware-Clone des 1176LN von Universal Audio. Den Testberichte dazu findet ihr hier:

>> Warm Audio WA76 Tone Beast – Der legendäre 1176 als preiswerter Hardware-Clone <<

Den WA76 stelle ich der UAD-Version des 1176LN, dem ProTools Plugin BF76, dem FET Compressor von Softube und dem FreeVST DC1A2 von Klanghelm gegenüber.

Zuerst habe ich die Bassspur durch den WA76 gejagt und den für mich perfekten Klang an der Hardware eingestellt, bevor ich im nächsten Schritt die Einstellungen auf die Plugins übertragen, und mich Stück für Stück an den Hardware-Sound herangetastet habe. Bei allen Signalen wurde darauf geachtet, dass sie gleich laut empfunden werden, damit man nicht durch unterschiedliche Lautstärke das Gefühl hat, ein Signal würde besser klingen. Loudness War lässt grüßen.

Hier hört ihr das rohe Basssignal:

Warm Audio – WA76 – Limiting Amplifier

Bass-Settings-WA76

Wie ihr auf dem Bild sehen könnt, steht der Input ebenso wie der Output auf 39. Diese Settings ergaben eine Gain Reduction von 3-5 dB. Attack und Release stehen auf ca. 5ms, das Kompressionsverhältnis auf 8:1.

Hier hört ihr den Bass über den WA76:

Wenn ihr zwischen den Soundfiles der Rough-Spur und dem WA76 hin und her switcht, könnt ihr feststellen, dass das Signal über den WA76 mehr und Punsh hat und der Kompressor dem Audiosignal auch etwas Brillanz und Höhen verleiht. Es scheint so, als würde er auch die Mitten irgendwo zwischen 600 und 1500Hz anheben, da der Sound im Vergleich zum folgenden UAD 1176LN etwas nasaler klingt.

Der WA76 macht sich auf Grund seiner Brillanz und den Höhen, die er etwas stärker betont, auf Vocals, Streicher oder Akustik-Gitarren sehr gut. Denn dort möchte man einen klaren und deutlichen Ausdruck erzielen. Solche Signale nach rechts und links gepannt machen den Mix schön breit. Natürlich kann man auch dort mit dem EQ nachhelfen, aber warum noch weitere Effekte in seine Signalkette packen wenn es auch mit spartanischem Einsatz von Hard- oder Software funktioniert?

UAD – 1176 LN

Settings Bass 1176LN

Das 1176LN Legacy Classic Limiting Amplifier Plug-In, wie es offiziell heißt, ist allerdings nur im Hardware-Bundle zu haben. Im Paket mit dem Universal Audio Apollo Twin Solo bekommt man es auf der Straße für ca. 700€ inklusive des Basis-Softwarepakets, zu dem beispielsweise auch der Softube Amp Room und die Pultec Equalizer zählen.

Hier habe ich zuerst die Settings des WA76 auf den 1176LN übertragen, Resultat war allerdings eine zu geringe Gain Reduction. Um an die 3-5 dB des Hardware-Kompressors heranzukommen, musste ich In- und Output des UAD-Plugins auf jeweils 24 stellen. Der WA76 ist also was die Ein- und Ausgangssignale anbelangt etwas empfindlicher. Das liegt aber auch an der feineren Skalierung des Hardware Clones.

Um den Klang vergleichen zu können, hab ich auch hier einen kurzen Attack und einen schnellen Release eingestellt, bei einer Ratio von 8:1.

Basssignal über den 1176LN von Universal Audio:

Ich war vom klang des UAD-Plugins sehr überrascht. Es klingt wirklich warm und voll, lediglich in den Höhen fehlt dem 1176LN etwas Brillanz im Vergleich zum WA76. Deshalb eignet er sich gut für Gitarren und Bass. Wenn die Tele mal wieder etwas sägt und schneidet, dann tut der 1176LN das nötige um das Signal zu entschärfen. Wenn ihr zwischen den drei Soundfiles hin und her switcht, ist dieser Unterschied am besten über Kopfhörer zu hören.

BF76 – Der 1176 in Pro Tools

Bass Settings BF76

Auch in der DAW von Avid ist ein 1176er integriert. Der BF76 erinnert zumindest durch seine Optik an den Klassiker. Was der Sound hergibt hört ihr hier:

Basssignal über den BF76

Dem BF76 fehlt lediglich etwas Wärme und Druck im Vergleich zum UAD-1176LN, aber von der Klangfärbung ist das schon nah dran an der “originalen” Simulation. Aber im Druckbereich kann auch der BF76 nicht mit dem WA76 mithalten.

Softube FET Compressor

Bass Softube FET

Der FET Compressor von Softube ist zwar kein 1176-Clone, gehört aber wie die Legende von Universal Audio zu den FET-Kompressoren. Seine umfangreichen Funktionen machen ihn zu einem wertvollen Tool, das ich euch an dieser Stelle als Bass-Kompressor demonstrieren möchte. Auch hier hab ich die Settings des WA76 übertragen und nur noch etwas nachjustiert. Funktionen wie Parallel Inject, bei dem man eine Balance zwischen komprimiertem und unkomprimiertem Signalanteil einstellen kann, Low und High Cut sowie Look Ahead und External Side Chain habe ich mal aussen vor gelassen.

Den FET Compressor von Softube gibt es zum Straßenpreis von 90€ und ist eine absolute Empfehlung der Redaktion!

So klingt das Basssignal über den FET Compressor von Softube:

Der Softube FET ist der “softe” unter den Plugins, was vielleicht auch am Namen des Herstellers liegt. Über ihn wirkt das Signal sehr rund und weich, ideal um den Bass in einem Pop Rock Song einzubetten. Im Vergleich zu den anderen Plugins fügt er die größte Klangfärbung hinzu. BF76 und UAD 1176LN arbeiten da etwas dezenter. Diese Klangcharakteristik richtig eingesetzt, kann durchaus das Entscheidende an einem Mix sein. Einfach mal ausprobieren.

FreeVST – DC1A2 von Klanghelm

DC1A2

Der DC1A2 wird in Foren und auch von vielen Engineers sehr gehypt. Ich bin ehrlich, ich nutze nicht viele FreeVSTs, halte meine Ohren aber ständig offen nach neuen kostenlosen Plugins. Darunter gibt es gute Sättigungstools, wie beispielsweise IVGI Saturation & Distortion, das ebenfalls aus der Plugin-Schmiede von Klanghelm stammt, oder den TAL-ChorusLX, der meiner Meinung nach FreeVST des Jahres werden müsste. Unter den FreeVSTs gibt es auch viele Analyzer, aber einen Kompressor? Den gibts ja sowieso in jeder DAW mit dazu, also warum noch einen herunterladen? Dazu sag ich nur Plugin-Overkill.

Neben den High-End Units, und dem mit einem Preis von 90€ zwar kostengünstigen aber eben nicht kostenlosen Softube FET Compressor, wollte ich auch etwas “für lau” in den Vergleich mit einbinden.

Hier das Klangergebnis des DC1A:

Das Ergebnis kann sich hören lassen. Druckvoll, weich und trotzdem sehr brillant, für ein FreeVST mehr als nur akzeptabel. Beim genauen hinhören ist aber dennoch ein leicht plastischer oder auch pappiger Sound rauszuhören.  Für ein Lead-Instrument oder auf alleinstehenden Audiospuren würde ich den Klanghelm Kompressor nicht einsetzen, aber auf Backing-Vocals und dem Bass macht sich der DC1A sehr gut.

Ich hoffe es ist mir gelungen, euch die Klangcharakteristiken und Merkmale der einzelnen Units zu vermitteln. Was ist euer Fazit aus diesem Hörvergleich? Habt ihr einen Favoriten? 

3 Kommentare zu “5 Kompressoren, die den Bass im Mix an die richtige Stelle rücken”
  1. funk3r

    Schöner Vergleich, Danke dafür – mich hätte Dein Eindruck zur WAVES Variante CLA-76 noch interessiert.

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  2. Enrico

    Diese Vergleiche hinken doch. Isoliert man den Bass – wie hier dargestellt – sind allenfalls winzige Nuancen erkennbar. Im Gesamtmix gehen auch diese Feinheiten unter. Unter dem Aspekt, für diese “Klangoptimierer” zwischen 700 und 5000 Euronen hinlegen zu sollen, frage ich nach dem Gegenwert. Irgendwie erinnert mich das an die Testreihen von HiFi Zeitschriften, die mir weismachen wollen, das ein 220 V Netzkabel für 150 Euro meiner Stereoanlage die Krone aufsetzt. Die armen Leute, die für diesen Schwachsinn soviel Geld ausgeben (arm im Kopf, wohlgemerkt!)…

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