Sound Design

Wie ein vernünftiges Datenmanagement Kreativität und Workflow verbessert

In dieser Folge möchte ich mich mal nicht mit der Gestaltung neuer Sounds beschäftigen, sondern mit einigen notwendigen und oftmals lästigen Arbeitsschritten, die ebenfalls dazugehören und die von vielen Leuten (mir leider eingeschlossen) immer mal wieder vernachlässigt werden. Ich spreche von Dingen wie einem vernünftigen Datei-Management, von Backups, von Preset-Verwaltung etc.

Aufmacher Sound Design - saknakorn2
(Bild: Sakna Korn)

Diese Tätigkeiten gehören auf den ersten Blick nicht unbedingt zum kreativen Sounddesign und können, wenn man sich jedes Mal erneut und bewusst mit dem Thema auseinandersetzen muss, den Arbeitsfluss sogar hemmen. Umgekehrt ist es allerdings auch so, dass, wenn diese oftmals immer gleichen Arbeitsabläufe Teil des normalen Workflows werden, man sie gar nicht mehr als störend wahrnimmt und einfach macht.

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Und wenn man am Ende des Tages Dateien schneller findet, weil man sie sauber abgelegt hat bzw. einem ein rechtzeitig angelegtes Backup die Arbeit von Tagen rettet, dann ist das jede Mühe wert. Denn dann spart man Zeit, Ärger und kann sich wieder auf das Kreative konzentrieren.

Dateimanagement – Die Benennung

Die Field-Recording-Session wurde erfolgreich beendet, man hat die Aufnahmen vom Speichermedium des Recorders auf den Rechner überspielt, und nun steht man vor einem Haufen Dateien von xyz_001.wav bis xyz_387.wav. Viele kennen vermutlich das Problem der kryptischen Dateinamen, die so mancher Recorder gerne erstellt. Falls euer Aufnahmegerät die Möglichkeit bietet, einen generellen Namen für die Session anzugeben: Macht das! „Metallgeräusche in Lagerhalle 20160723_123.wav“ ist zumindest schon mal deutlich aussagekräftiger als der Herstellername des Recorders, der sich teilweise im Dateinamen wiederfindet.

Wer noch weiter ins Detail gehen möchte: Macht euch eine kurze Notiz darüber, was die Aufnahme enthalten wird, bevor ihr auf Record drückt und die nächste Aufnahme startet. Das geht mit Stift und Papier oder auch auf dem Handy. So lässt sich nach der Aufnahme auch direkt eine qualitative Voreinschätzung in die Notiz eintragen. Durch diese detaillierten Informationen kann man, wenn man denn mag, die Files noch genauer benennen. Wer seine Notizen digital führt, könnte diese auch alternativ in eine Textdatei namens „Info.txt“ zusammen mit den jeweiligen Dateinamen kopieren und diese im Ordner mit den Aufnahmen platzieren – so geht keine Information verloren, und die Suchfunktionen moderner Betriebssystem sind inzwischen auch in der Lage, Textdateien bei einer systemweiten Suche zu durchsuchen und euch so beim Finden von bestimmen Files zu helfen.

Ein sehr schönes Tool für Notizen aller Art ist Microsofts OneNote. Die Software gibt es als kostenlose App für diverse Plattformen; eine mächtigere Version mit deutlich mehr Möglichkeiten ist Teil des Microsoft Office-Paketes.

Selbstverständlich gelten die oben genannten Tipps auch für Dateien, die innerhalb des Rechners erzeugt wurden. Wenn man also gerade eine Sounddesign-Session mit dem Lieblings-Synth durchführt und, sagen wir mal, 20 verschiedene Laser-Sounds designt und exportiert, so sollte man diese auch direkt korrekt benennen und einsortieren.

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Dateimanagement – Das Backup

Nachdem die Dateien nun aussagekräftig benannt sind, erstellen wir, bevor wir überhaupt mit irgendeiner anderen Arbeit beginnen, ein Backup der Files. Denn auch wenn die Wahrscheinlichkeit relativ gering ist: Wer garantiert uns, dass nicht innerhalb der nächsten paar Minuten durch den nächsten Arbeitsschritt etwas Unvorhergesehenes passiert, was unsere Aufnahmen unbrauchbar macht? Daher machen wir genau jetzt das Backup, und nein, ein ordentliches Backup ist keine Kopie der Daten in einen anderen Ordner auf derselben Festplatte – die Daten gehören auf ein zweites Medium. Das kann eine Zweitfestplatte im Rechner oder ein externes Laufwerk sein, welches sich vielleicht sogar physikalisch vom Rechner trennen lässt und so beispielsweise bei einer Überspannung im Netz nicht unbedingt betroffen ist. Auch FTP-Server oder Cloud-Dienste kann man gerne als Backup-Medium verwenden, wenn einem die Datenschutzrichtlinien des entsprechenden Anbieters zusagen oder man eventuell gar keinen so großen Wert darauf legt. Und ja, wer besonders paranoid ist, der legt das Backup direkt zusammen mit dem Kopieren der Daten auf den Rechner an.

Wenn wir schon beim Thema Backups sind: Nicht nur unsere ganzen Audiodateien sollten wir regelmäßig sichern, sondern auch unsere Programmeinstellungen wie beispielsweise Presets. Gerade im Bereich des Sounddesigns sammeln sich ganz schnell sehr viele eigene Presets an. Macht euch deshalb schlau, wo Plug-in oder Tool XYZ die Presets abspeichert, und fertigt regelmäßig aktualisierte Backups von diesen Ordnern an. Meist lässt sich dieser Speicherort leicht herausfinden, indem man im entsprechenden Plug-in kurz ein entsprechend benanntes Dummy-Preset anlegt, z. B. „NI Massive WoSindMeinePresets“. Danach einfach eine systemweite Suche nach diesem Namen durchführen, und der Ordner sollte schnell gefunden sein.

Und wenn wir schon dabei sind: Diverse DAWs, stellvertretend seien hier mal Steinberg Cubase und Nuendo genannt, machen einem das Sichern der Programmeinstellungen besonders einfach, denn die Einstellungen laden in diversen Dateien in einem bestimmten Ordner, und man muss dann nur noch diesen Ordner sichern und kann ihn natürlich bei Bedarf auch einfach wieder zurückkopieren. So erspart man sich eine lästige Neueinrichtung der kompletten Software, falls der Rechner mal neu aufgesetzt werden muss.

Backups kann man wunderbar von Hand anlegen, wenn man diszipliniert ist und die nötige Zeit dazu hat. Es gibt allerdings heute eine Fülle guter und günstiger Backup-Software, die diese Arbeit auch perfekt automatisch erledigen kann. Hier sollte man nicht sparen, denn auch wenn jahrelang alles gutgegangen ist, irgendwann wird es einen erwischen. Mein Backup-Tool der Wahl ist übrigens Syncovery.

Dateimanagement – Die Kopien

In der heutigen Zeit, in der eine Festplatte bzw. Speicherplatz lächerlich billig geworden ist, ist es kein Problem mehr, mehrere Kopien bzw. Versionen einer Datei zu speichern, und davon sollte man auch Gebrauch machen. Daher ist es eine gute Sache, wenn man, bevor man überhaupt mit der eigentlichen Bearbeitung beginnt, eine Kopie der Daten anlegt und mit dieser arbeitet. Die Originale können dann in eine Ordnerstruktur namens „Rohdaten“ eingearbeitet werden und werden nicht mehr angetastet. So hat man jederzeit die Möglichkeit, Änderungen zu revidieren, ohne sich auf die Undo-Funktionalität einer Software verlassen zu müssen.

Der gleiche Schritt empfiehlt sich auch vor jedem destruktiven Editing-Schritt: Einfach eine Kopie des Ordners mit dem Material anlegen und entsprechend benennen. Wenn das Material also bereits geschnitten wurde und im nächsten Schritt denoised werden soll, dann könnte der Ordner beispielsweise „Grillenzirpen See – edited“ heißen. Die nächste Kopie nach dem Denoising hieße dann „Grillenzirpen See – edited – denoised“. Gerne kann sich hier auch jeder aussagekräftige Kürzel oder vielleicht auch einfach nur Zahlencodes ausdenken, die den Arbeitsschritt beschreiben. Der Vorteil dieser Arbeitsweise ist dann am Ende der, dass man jede Änderung nachvollziehen und im Nachhinein nochmal rückgängig machen kann.

Eine kleine Notiz am Rande: iZotope hat in den aktuellen Versionen des RX Audio Editors ein eigenes Dateiformat namens „RX Document“ eingeführt, welches sämtliche Arbeitsschritte protokolliert, sichert und somit auch Undos von destruktiven Arbeitsschritten im Nachhinein noch erlaubt. Diese Funktion sollte man nutzen und somit eine zusätzliche Sicherungsebene aufbauen – diese gilt aber natürlich nur für die Arbeit in RX.

Ausblick

In einer der kommenden Sounddesign-Folgen werden wir uns nochmal intensiver mit dem Thema Ordnung und Datenmanagement auseinandersetzen und darin Punkte wie beispielsweise Preset-Verwaltung von Plug-ins, Tagging und Tools zur Sound-Verwaltung behandeln. Bis dahin hat jeder schon einmal etwas Zeit, seine Festplatten und sonstigen Datenträger zu entrümpeln, zu sortieren und zu sichern. Viel Spaß dabei!

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