Software rockt!

UAD Marshall Plexi Super Lead 1959 & IK Multimedia Amplitube 4

Wie realistisch Gitarren-Plug-ins klingen können, hat bereits unsere Übersicht vor gut einem Jahr gezeigt. Selbst wer nicht schon mit Scuffham, Guitar Rig, Amplitube & Co. bestens versorgt ist, wird sich fragen, was eine neue Simulation denn noch bringen soll. Mit Universal Audio kommt jetzt aber ein Kandidat ins Rennen, der für seine akkurate Nachbildungen berühmter und legendärer Studiogeräte berüchtigt ist. Ebenfalls brand – aktuell macht auch die neue Amplitube-Version sehr neugierig …

032010

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UAD Marshall Plexi Super Lead 1959

Das neue Plug-in von Universal Audio bekommt in gleich mehrfacher Hinsicht Gewicht: Zum einen kommt mit Softube ein Herstellername ins Spiel, dem man höchsten Klangrealismus zuschreibt − die Schweden sind für ihre Emulationen legendärer Studiogeräte berüchtigt und zeichnen auch für die Nachbildung dieses Geräts verantwortlich. Und dann der Name des Plug-ins: Marshall Plexi Super Lead 1959 − eine Ikone des Verstärkerkults. Das hat unsere Kollegen aus der GITARRE&BASS-Redaktion auf den Plan gerufen, die in Sachen Software-Emulation als sehr, sehr skeptisch gelten. Obwohl … eigentlich konnten wir feststellen, dass die abwinkende Geste bei diesem Thema in letzter Zeit immer seltener wurde.

Sei’s drum − die Kollegen sind das Thema mit der gewohnten Akribie angegangen und haben in der aktuellen Ausgabe G&B 10.2015 einen ausführlichen Test des UAD Marshall Plexi Super Lead 1959 veröffentlicht. G&B-Autor Thomas Berg macht dabei auf den grundsätzlichen Unterschied der Wahrnehmung aufmerksam: Einmal gibt es das Spielgefühl, wenn man über einen echten Amp spielt und diesen direkt hört − und vor allem auch spürt. Das Plug-in allerdings kann nur den Sound des mit Mikrofonen abgenommenen Amps darstellen.

Nichtsdestotrotz ist Berg umso mehr vom UAD-Plug-in überzeugt, „… welches mit rohem, unverblümtem Sound es dennoch schafft, echtes Amp-Feeling aufkommen zu lassen.“ Und noch ein weiterer Unterschied wird in dem lesenswerten Testbericht dargestellt: Denn für Thomas Berg „… klingt und reagiert dieser Plexi wirklich so, wie man es sich von einem Marshall-Klassiker wünscht − und falls die Mittel und das Know-how für eine 1A-Mikrofonierung fehlen, sogar noch um einiges besser!“

Die Spezialisten von Softube haben für die Emulation auch sehr großen Aufwand betrieben und sind allein für die Güte des Raummikrofonsignals in ein ausländisches Studio gegangen. Für die Mikrofonierung wurde außerdem die Recording-Legende Tony Pratt (u. a. AC/DC Back In Black) involviert.

IK Multimedia AmpliTube  4

Vermutungen, dass sich hinter dem Labeling der gemodelten Amp-Varianten von AmpliTube mit bedeutungsschweren Emblemen großer Marken wie etwa Fender oder Orange nur ein kluger Marketing-Schachzug verbirgt, sind im Selbstversuch meist innerhalb weniger Saitenanschläge zerstreut. IK Multimedia gehört nämlich zu den wenigen in der Branche, die sich ihre digitalen Nachbauten von den Originalherstellern klanglich abnehmen lassen, was durch Hingabe und Passion zu sichtbarem Erfolg führt. Auch ohne Original-Schriftzug auf der Grill-Cloth-Bespannung (Achtung: Ausnahme!) lassen sich die Paten für die fünf neuen Verstärkermodelle britischer Herkunft recht gut erahnen.

IK Multimedia erweitert seine Angebots-Palette um die Modelle Brit 8000 (Marshall JCM800), Brit 9000 (JCM900), Red Pig (Marshall Major), Brit Silver (Silver Jubilee) und den Brit Valve Pre (JMP-1). Jedes einzelne Modell bringt passend zum typischen Design ein perfekt abgestimmtes Kabinett mit, welches sich natürlich in AmpliTube-Manier auch nach Belieben auswechseln lässt. Aber nicht nur Kabinette lassen sich innerhalb von AmpliTube 4 hin und her schieben, ab sofort ist auch die Bestückung mit individuell zusammengestellten LautsprecherModellen möglich. Fehlt es dem „Bulldog-Sound“ ein wenig an „Greenback“ oder „Vintage 30“? − in AmpliTubes virtuellem „Cab Room“ kommt nun jeder schraubendreherfrei im Handumdrehen zu einem einzigartigen Traum-Sound.

032011
IK Multimedia Ampli – tube 4: Mit der neuen 3D-Animation der Lautsprecherkabinette lässt sich nun eine deutlich flexiblere Mikrofonpositionierung und ein kreatives Spiel mit der virtuellen Raumakustik realisieren.

Überhaupt rückt der Abnahmeraum als klangbestimmendes Medium deutlich weiter ins konzeptionelle Zentrum der Software. Mit der neuen 3D-Animation der Lautsprecherkabinette lässt sich nun eine deutlich flexiblere Mikrofon-Positionierung und ein kreatives Spiel mit der virtuellen Raumakustik realisieren. Wie in einem physischen Aufnahmeraum kann man auf diese Weise durch Aufstellung und Mikrofonauswahl einen richtungsweisenden „Vorabmix“ erzielen, welcher im spä- teren Mix vielleicht nur noch eine leichte Soundanpassung benötigt.

Die insgesamt sechs verschiedenen Aufnahmelokalitäten von der Metal-Druckkammer über die sprichwörtliche Garage bis hin zum perfekt abgestimmten Studioraum runden die mögliche Klanggestaltung zusätzlich perfekt ab. Unter dem Gesichtspunkt, dass mittlerweile auch live immer häufiger Topteil und 4×4-Schrank durch eine deutlich schlankere Laptop/Audio-Interface-Kombination abgelöst werden, ist auch die aktuelle Integration eines 4-Track-Loopers in AmpliTube 4 als konsequenter und logischer Schritt anzusehen.

IK Multimedia ist mit AmpliTube 4 ein mehr als würdiges Upgrade gelungen, welches den Fokus noch einmal mehr in Richtung einer individuellen und auf der anderen Seite auch intuitiven Klanggestaltung verschiebt. Wir freuen uns schon jetzt auf einen ausführlicheren Test in einer der nächsten SOUND & RECORDING-Ausgaben. Stay Tuned!

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