Larger than Life

Sounddesign-Tutorial: Wir bauen mächtige Trailer Voices

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Dieser Moment, wenn in einem Film- oder Gametrailer plötzlich diese riesige und mächtige Stimme einsetzt, jagt mir immer wieder wohlige Schauer über den Rücken. Sie erzeugt eine ganz eigene Atmosphäre und kann die Bilder und die Musik des Trailers perfekt unterstützen.

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Natürlich wurden diese großen Trailer immer von Profi-Sprechern in Top-Recording-Umgebungen eingesprochen, und man muss leider sagen, dass dies auch schon eine der Grundbedingungen für eine mächtige Trailer Voice ist. Aber wir lassen uns davon nicht einschüchtern und versuchen trotzdem, uns im Folgenden grob in diese Richtung zu bewegen. Also, Mikro aufgebaut und Preamps vorgeheizt – los geht’s.

Wir benötigen ein Recording-Setup in einer ruhigen, möglichst wenig räumlichen Umgebung. Dazu ein gut auflösendes Mikrofon, welches vor allem den Höhenbereich fein abbilden sollte. Wenn das Setup steht, folgt die Performance, und die hat es in sich. Profi-Sprecher könnten an dieser Stelle komplette Bücher damit füllen, wie man sich vor dem Mikrofon zu verhalten hat. Leider bin ich keiner und kann daher nur grob dazu raten, den gewünschten Text mit einer ernsten bzw. dramatischen, tiefen und gepressten Stimme vorzutragen. Hier hilft einfach nur zu experimentieren.

Noch ein kurzer Hinweis zum Aufnahmeformat: Es kann sinnvoll sein, die Aufnahme mit 48 kHz statt 44,1 kHz durchzuführen, da wir die Stimme im Anschluss pitchen wollen und so ein Quäntchen mehr Informationen an Höhensignalen haben. Mikrofone mit einem angegebenen Frequenzgang bis 20 kHz cutten nämlich nicht radikal darüber, sondern liefern auch noch in etwas höheren Frequenzen ausreichend Informationen. Noch höhere Sampleraten sind meiner Meinung nach nur dann sinnvoll, wenn auch das Mikrofon höhere Frequenzen aufnehmen kann.

Bearbeitung

Anschließend editieren wir unsere Aufnahme, senken Atmer und Schmatzgeräusche ab und denoisen das Material, falls notwendig. Außerdem kümmern wir uns um technisches EQing sowie De-Essing.

Um unserer Stimme nun mehr »Drama« zu verleihen, pitchen wir sie ein wenig nach unten. Wir sollten uns hier im Rahmen von ca. 1–2 Halbtönen bewegen, da wir ansonsten schnell in Richtung Monstersound abdriften. Außerdem macht es Sinn, verschiedene Pitching-Tools bzw. Algorithmen miteinander zu vergleichen, da hier teils sehr unterschiedliche Ergebnisse entstehen können. Ich persönlich habe mich für den Cubase-internen »MPEX Solo Musical«-Algorithmus ohne Formant-Erhaltung entschieden, da mir diese zu kratzig klang.

Mittels eines sanft eingestellten Exciters wie beispielsweise Waves Vitamin können wir außerdem die eventuell verlorenen Höhen wieder ein wenig auffrischen. Anschließend EQen wir das Signal mit einer klassischen Badewannen- bzw. Loudness-Kurve, sprich: mit einem dezenter Tiefen- und Höhen-Boost.

Der nächste Schritt ist eine sehr kräftige Kompression des Materials. Hier verteile ich die Last gerne auf mehrere Kompressoren. Zunächst fange ich mit einem FabFilter Pro-C2 alle Spitzen ab. Das Preset »Vocals / Control« macht einen sehr guten Job, und eigentlich muss dabei nur noch der Threshold an das Eingangssignal angepasst werden. Dahinter habe ich eine 1176er-Emulation (Softube FET Compressor) geschaltet, die ordentlich zupackt. Ein weiteres Softube-Tool, der kostenlose Saturation Knob, sorgt danach noch für eine leichte Sättigung ohne hörbare Verzerrung. Wir sollten jetzt eine sehr kompakte und kräftige »In your face«-Sprachaufnahme haben.

1176er Emulationen wie Softubes FET Compressor eignen sich gut zur kräftigen Vocal-Bearbeitung.
Ein solches Stereo-Delay sorgt für eine starke Stereoverbreiterung, allerdings kippt das Signal auch zu einer Seite.

Effektierung

Zum Abrunden des Ganzen effektieren wir das Signal noch ein wenig. So hilft ein leichter Chorus dabei, der Mono-Stimme eine ganz leichte Stereobreite zu verpassen. Dazu wählen wir eine eher
langsame Modulation beim Chorus und mischen den Effektanteil zu ca. 15 % zum Signal hinzu. Wer schnell eine extreme Stereobreite erzielen möchte (wodurch das Signal allerdings zu einer Seite kippt), verwendet ein Stereo-Delay, panned beide Seiten hart, stellt Feedback auf 0 % sowie die eine Seite auf minimale Delay-Zeit und die andere auf ca.20 ms.

Auch ein wenig Reverb kann unsere Sprachaufnahme aufpeppen. Da die Trailer Voice von der Direktheit lebt, passen mittelgroße Räume gut, die dezent hinzugemischt sind – es sei denn, das Material benötigt einen epischen Hall.

Ein abschließender Limiter schließt die Bearbeitung ab und bringt unsere Trailer Voice auf die benötigte Lautheit.

Viel Spaß beim Experimentieren!

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