Sounddesign Tutorial: Flötensound mit Sampling & Synthese erstellen

So mancher Software-Synthesizer wie beispielsweise Arturias Pigments – oder hardwareseitig der Waldorf Quantum (neben den Workstations von Roland, Yamaha oder Korg) – bietet neben umfangreichen Synthesefunktionen auch Funktionen zur Wiedergabe von Samples. Dadurch werden die Möglichkeiten der Klangerzeuger um ein Vielfaches gesteigert, und interessante Klänge sind möglich. Wir wollen uns dieses Prinzip mit einem ganz einfachen Beispiel mal genauer anschauen.

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Das Schöne ist, dass wir zur Verwendung des grundlegenden Prinzips überhaupt keinen dieser speziellen Klangerzeuger benötigen, denn wir kombinieren einfach die Möglichkeiten eines x-beliebigen Synthesizers mit denen eines Samplers und triggern beide mit demselben MIDI-Input an. Den Output der beiden Instrumente routen wir anschließend auf eine gemeinsame Gruppe, und schon haben wir uns einen ähnlichen Grundaufbau geschaffen. Lediglich Modulationen, die sich die beiden Klangerzeuger teilen sollen, sind deutlich schwerer umzusetzen, und natürlich ist das Ganze nicht ganz so bequem und übersichtlich, als wenn sich die gesamte Kontrolle innerhalb eines Plug-in-Fensters bewegen würde.

Als Beispiel wollen wir einen Flötensound erstellen und den Noise-Anteil, den wir ansonsten üblicherweise über einen Rauschgenerator im Synthesizer erstellen würden, mit einer echten Aufnahme ersetzen.

Für das Sampling bauen wir also schnell ein Mikro auf, machen die DAW aufnahmebereit und versuchen, die Luftstromgeräusche einer Flöte zu imitieren. Ein Anfang wäre beispielsweise das Pusten über einen Flaschenhals – hier läuft man allerdings schnell Gefahr, zu viel Ton zu erzeugen, außerdem kann der Luftsound auch schnell zu dumpf wirken. Besser funktioniert da ein kleines Röhrchen – beispielsweise das leere Plastikgehäuse eines Kugelschreibers oder Filzstifts. Hier ist einfach ein wenig Experimentieren gefragt, bis der passende Grundsound gefunden ist.

Neben einem langen und gleichmäßigen Pusten nehmen wir zusätzlich noch ein zweites, perkussiveres Anblasgeräusch auf. Hierzu reicht ein kurzes, kräftiges Pusten, eventuell mit einem P- oder T-Laut dabei.

Die jeweils besten Aufnahmen suchen wir uns nun aus den beiden Recordings heraus, schneiden sie und laden sie in den Sampler unserer Wahl. Sound Nr. 1, also das lange Pusten, braucht einen sauberen Loop – außerdem sollten beide Samples ohne Tonhöhenänderung abgespielt werden und in der Lautstärke durch die Velocity moduliert werden. Die Velocity sollte außerdem die Cutoff-Frequenz eines sanften und leicht geschlossenen Lowpass-Filters so modulieren, dass sich das Filter bei mittleren bis hohen Velocities komplett öffnet.

Für den Flötensound benötigen wir nur einen Oszillator mit einer einfachen Dreieckswellenform. Wir stimmen den Oszillator eine Oktave nach oben und modulieren dann die Tonhöhe fast unhörbar mit einem recht langsamen LFO, sodass wir ein kaum wahrnehmbares Vibrato erhalten.

 

In der Filtersektion verwenden wir ein Lowpass-Filter mit einer geringen Flankensteilheit und drehen den Cutoff so weit herunter, bis eine leichte Abschwächung der Höhen zu hören ist. Anschließend modulieren wir den Cutoff via Velocity so, dass sich das Filter bei starken Tastenanschlägen komplett öffnet. Wir sollten außerdem dafür sorgen, dass auch das Gesamtvolume von der Velocity moduliert wird.

Dann fügen wir dem Sound, entweder im Synth selber oder per externem Effekt, einen dezenten Chorus hinzu, um eine leichte Schwebung zu erzeugen. Via Low-Cut räumen wir außerdem den Bassbereich großzügig auf.

In der Finalisierung müssen wir die drei Sounds nun nur noch lautstärkemäßig aneinander angleichen. Dabei achten wir darauf, dass die beiden Samples den Synth nur dezent untermalen und nicht im Vordergrund stehen.

Abschließend mischen wir diesem Summensignal noch einen Reverb hinzu, um den Sound abzurunden und ihm ein wenig mehr Atmosphäre zu verleihen.

Viel Spaß beim Experimentieren!

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