Delaywolken aus dem Sampler

Sounddesign: Delay-Multiinstrument mit ein wenig Kontakt Scripting bauen

Delay-Cluster sind schon ein toller Sound – überall flirrt es, es klingt geheimnisvoll, nach Unendlichkeit und Unerforschtem. Komplexe Delay-Cluster benötigen allerdings auch komplexe Delays und was ist, wenn gerade keines zur Hand ist? Dann bauen wir uns einfach etwas in Ähnliches in Kontakt mit dem Vorteil, dass wir noch viel freier in der Gestaltung des Sounds sind.

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Vorbereitungen

Selbst wenn die Delaysounds nicht aus dem Sampler kommen sollen, brauchen als erstes zunächst einmal einen Sound, den wir durch unsere Effektmaschinerie jagen wollen. Bei Delay-Clustern sind kurve, perkussive Sounds immer gern gesehen, da dadurch die einzelnen Wiederholungen stärker in den Vordergrund treten.

Ohne großartige Vorbereitung habe ich mir einfach einen kleinen Nagel genommen und mehrfach auf einen Tisch fallen lassen. Dieser Sound wurde dann mittels eines Rode NT-3 direkt über ein RME Fireface UFX in Cubase aufgenommen. Anschließend habe ich die diversen Ping- und Klappergeräusche kurz gesichtet und mir eines herausgesucht, welches relativ hell und metallisch klingt. Flugs den Sound freigestellt und fertig ist unser Testsample – natürlich kann aber auch gerne jeder andere perkussive (oder vielleicht sogar nicht-perkussive) Sound verwendet werden.

Anschließend habe ich eine neue Version von NI Kontakt geöffnet und das vorher exportierte Sample in das leere Multirack gezogen. Dadurch erzeugt Kontakt ein neues Instrument und mappt das Sample direkt über die komplette Keyboardbreite wobei der Root Key auf C3 liegt – ein sehr gutes Standard-Setup.

Ein Blick auf Kontakts Effektstruktur

Ein Kontakt Instrument besitzt vier verschiedene Positionen mit jeweils acht Slots, in denen Effekte eingefügt werden können, nämlich die Group Insert Effects, die Bus Insert Effects, die Instrument Insert FX und die Instrument Send FX. Das Delay lässt sich in jeden dieser Slots außer den Group Insert FX einfügen. Warum das für unser Vorhaben etwas problematisch ist, dazu später mehr. Für den Moment laden wir nun einfach ein Delay in den ersten Slot der Instrument Insert FX, stellen Pan auf 100%, Feedback auf 99%, Damping auf 0% und Dry auf 0%. Im gerade erschienenen Kontakt 6 ist übrigens ein neues, erweitertes Delay hinzugekommen aber in diesem Artikel beziehen wir uns noch auf Kontakt 5. Wer mag, kann natürlich auch das neue Delay mit kleinen Anpassungen verwenden.

Kontakt Effektstruktur
Kontakt bietet verschiedene Positionen, in denen Effektmodule eingeschliffen werden können.

Damit ist unser Grundsetup eigentlich auch schon abgeschlossen und wenn wir dieses Instrument anspielen, so sollten wir eine Folge von Delays hören. Anschließend können wir das Instrument als NKI abspeichern.

Aufbau des Multis

Ein Multi ist nichts anderes als eine Sammlung von mehreren Einzelinstrumenten innerhalb einer Kontakt-Instanz. Da wir ein Delay-Cluster erzeugen wollen, laden wir also einfach unser gerade gespeichertes Instrument noch ein paar Mal in unser Multirack hinein – sechs Instanzen sollten uns genügen. Damit unsere sechs Instrumente nun auch alle gleichzeitig auf eingehende MIDI Signale reagieren, müssen wir für alle Instrumente im Instrumentheader den gleichen MIDI Eingang wählen. Alternativ bietet sich auch die Einstellung „Omni“ an, so reagiert das Instrument auf jedes eingehende MIDI Signal.

Kontakt Instrumentheader
Im Instrumentheader lassen sich unter anderem der MIDI Eingangskanal und der Audio Output des Instruments einstellen.

Somit triggert nun ein eingehendes MIDI Signal alle sechs Instrumente, die sich momentan noch gleich anhören. Wenn wir daraufhin jedes Instrument öffnen und für jedes eine andere Delayzeit einstellen, erhalten wir direkt ein dichtes Cluster an Wiederholungen. Allerdings wäre es ja auch schön, wenn man die Delayzeit für alle Delays gleichzeitig verschieben könnte, quasi eine Art Macro-Knob, der jedoch die individuellen Positionen der Delayzeit berücksichtigt. Hier zeigt sich nun der Nachteil dessen, dass sich Delaymodule nicht als Group Insert FX einfügen lassen denn dies ist die einzige Position, in der Kontakt komplexe interne Modulationen durch LFOs, Envelopes oder eben auch externe MIDI CCs erlaubt. Dem Delaytime Poti des Delays lässt sich zwar ebenfalls ein MIDI CC zuweisen – dies dient jedoch nur der Fernsteuerung und steuert somit, im Gegensatz zu einer Modulation, das Poti direkt mit absoluten Werten. Mit anderen Worten: wir würden alle sechs Delaytime Potis via MIDI CC auf exakt denselben Wert einstellen und hätten dadurch leider nichts gewonnen. Ein Workaround wäre natürlich, sechs verschiedene MIDI CCs zu verwenden aber dann würden wir auch sechs verschiedene Controller benötigen.

KSP

Zur Lösung des Problems verwenden wir den Kontakt Script Processor (KSP) der mit Version 2 eingeführt wurde und sich inzwischen zu einem sehr mächtigen Werkzeug entwickelt hat.

Kontakt Scripteditor

In diesen Editor werden die Scripts für KSP eingetragen. Bei komplexen Scripten verwendet man in der Regel allerdings einen externen Texteditor.KSP ist das Hirn hinter all den aufwändigen Kontakt Instrumenten Libraries und hilft uns auch in diesem Fall auch weiter. Wir öffnen einfach in einem der Instrumente den Scripteditor und klicken doch unten links auf den kleinen Edit-Button. Anschließend tragen wir im Textfeld darunter das folgende Script ein.

Kontakt Script
Dieses Bild bitte recht groß darstellen damit die Leser den Code darin abtippen können.

Danach sollte ein Klick auf den Apply-Button möglichst keine Fehlermeldung ausspucken und oben links ein einfacher Slider erschienen sein. Das Script können wir nun per Copy/Paste auf die anderen Instrumente übertragen. Außerdem dürfte auffallen, dass im Multirack nun in jedem Instrument der eben erwähnte Slider zu sehen ist. Ganz grob gesagt macht das Script für uns jetzt zwei einfache Dinge:

1) Der neue Slider steuert die Delayzeit, dient uns gleichzeitig aber als eine Art Offset.

2) Sobald MIDI CC 1 (Modwheel) an das Instrument gesendet wird, wird dessen Wert umgewandelt und auf die eingestellte Delayzeit draufgerechnet. Somit lassen sich mit dem Slider (bitte NICHT mehr mit dem Delaypoti im eigentlichen Effektmodul!) unterschiedliche Delayzeiten für die Instrumente einstellen und diese mittels MIDI CC 1 zusätzlich noch verlangsamen denn je größer CC 1 ist, desto länger ist die Delayzeit.

Wie das Script im einzelnen funktioniert, würde den Rahmen des Artikels sprengen – solltet ihr aber an einer Artikelreihe zum Thema Kontakt-Scripting interessiert sein, in der ich das Ganze von der Pike auf erkläre, so würde ich mich sehr über Feedback an redaktion@soundandrecording.de mit dem Betreff „Kontakt-Scripting“ freuen.

Finetuning

Dadurch, dass sich unser Cluster aus sechs individuellen Instrumenten zusammensetzt, können wir diese natürlich auch unterschiedlich bearbeiten. Es spricht also nichts dagegen, die Instrumente unterschiedlich zu pitchen, zu pannen und auch mit diversen Effektketten zu versehen. Wer einfach nur eine dichte Clusterwolke erzeugen möchte, der routet die Instrumente gemeinsam in einem großen Hallraum mit einem 50/50 Dry/Wet Anteil und komprimiert das Signal vor dem Reverb noch dezent. Durch den freien Aufbau ist der eigenen Sounddesign-Kreativität hier allerdings keine Grenze gesetzt.

Viel Spaß beim Experimentieren!

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