Musikmemo und Co.

Songwriting mit iOS-Musik Apps

Songs schreiben auf Knopfdruck — das könnte wohl jeder Songwriter gerne. Durch die Musik Apps fürs iPhone wie Musikmemo, Figure, Electrified oder auch Mogees ist das schon fast Realität geworden. Ich hab diese und weitere Musik Apps mal in meinen meinen Songwriting-Prozess eingebunden, um zu sehen, wie hilfreich sie wirklich sind und ob sie mein Songwriting tatsächlich weiterbringen.

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(Bild: Marc Bohn)

Ich selbst mache schon sehr lange Musik und schreibe Songs. Den ersten habe ich in den 90ern geschrieben, als ich 10 war. Damals hab ich noch ganz unkonventionell auf Papier getextet. Später hab ich meine Notizen dann auf einem Kassettenrekorder aufgenommen, ehe ich zum Rechner gewechselt bin, um zu produzieren. Doch dann kam das Smartphone und die Musik Apps für das iPhone. Mittlerweile ist es so, dass ich mir Phrasen, die mir im Alltag begegnen oder mir in irgendeinem Zusammenhang einfallen, direkt in mein iPhone tippe. Irgendwann hab ich dann eine ellenlange Notiz, in der ganz unterschiedliche Sätze und viel wirres Zeug drin stehen. Oder 1.000 verschiedene Notizen, in denen ich dann später auf die Suche nach brauchbarem Material gehen muss. Ihr kennt das bestimmt! Ab und zu singe ich auch einfach etwas als Sprachnotiz ein. In den meisten Fällen starte ich meinen Song dann mit dieser einen Phrase aus den Notizen, die mir, trotzdem inzwischen einige Zeit vergangen ist, immer noch im Kopf rumschwirrt, weil sich mich aus irgendeinem Grund emotional berührt. Die Phrase, die mich gerade beschäftigt, lautet: »Ich sehe, dass deine Lippen sich bewegen, aber ich verstehe nicht, was du sagst.« Mittlerweile gibt es zahlreiche Apps zum Musik machen, die diesen Workflow unterstützen.

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Bestimmt haben einige von euch jetzt eine Situation im Kopf, die ihr mit diesem Satz verbindet. Und genau diese Situation gilt es jetzt, weiter zu beschreiben und sie zu Papier zu bringen bzw. sie in Worte zu fassen !Viele von euch haben jetzt sicher eine Situation mit ihrem Partner im Kopf. Es könnte aber genauso gut eine Begegnung mit jemandem sein, der nicht die eigene Sprache spricht, oder ein Moment auf einer Party mit einem Freund, wo man sich auf Grund der lauten Musik schlecht unterhalten kann. Aber ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel vorgeben … Der Clou dabei ist nämlich, dass jeder diese Worte anders interpretiert und sie auf eine andere Art und Weise mit sich selbst verknüpft. Das ist das Schöne am Songwriting: Man kann seine eigenen Geschichten erzählen, die unsere Mitmenschen beim Hören auf sich projizieren und sich mit der Story identifizieren und in sie hineinversetzen können.

iOS-Apps als Musik Apps zweckentfremdet

Zuerst zum Instrument und dann zu den Smartphone Apps

Mittlerweile ist mir das Angebot an Software-Instrumenten auf meinem MacBook viel zu groß geworden, um meine Musik zu produzieren. Ich sitze vor Logic Pro X und Komplete 10 Ultimate, starre auf das Arrangement-Fenster und weiß vor lauter Möglichkeiten irgendwie nicht so recht, wo ich mit meiner Musik anfangen soll. Deshalb hab ich mich vor Kurzem da – zu entschlossen, meine Songs wieder am Klavier oder der Gitarre zu starten, zu arrangieren und auch dort auszuarbeiten. Denn ein Song, der auf diesen Instrumenten schon rund ist, kann sehr leicht in der DAW ausproduziert werden. Ich setze mich also mit dieser einen Phrase im Kopf an mein Klavier, spiele eine Akkordfolge, singe die erste Zeile, schnappe die Wortfetzen auf, die dabei aus mir herauskommen und baue weiter am Text und der Musik. Dazu nehme ich Apps wie »Woxikon«, die mir deutsche Synonyme liefert, und »Reime finden« zuhilfe, mit der ich Wörter finden kann, die sich auf meine Texte reimen. Oft verlasse ich Reimstrukturen, aber um wirkliche Ohrwürmer und Hits für Rock und Pop zu produzieren, kommt man an Reimschemen eigentlich nicht vorbei.  Die App Woxikon für das iPhone ist wirklich uralt, sie wurde ursprünglich für das iPhone 4 entwickelt, und seitdem gab es auch kein Update mehr. Ich nutze sie zur Inspiration für die weiteren Lyrics, denn nach einer gewissen Zeit hat man seinen eigenen Sprachschatz aufgebaut und verwendet viele Wörter immer wieder. Woxikon hilft dabei, sich anders auszudrücken, als man das sonst tun würde. Die Vorschläge der App bringen einen im Songwriting aber oft auch auf einen anderen Weg, an den man vorher vielleicht nicht gedacht hätte. So wird die Kreativität angeschubst, und die Songs und die Musik entwickeln sich Stück für Stück. Aber ganz wichtig ist natürlich, dass man eine Botschaft und eine Emotion im Bauch hat, die man zum Ausdruck bringen möchte. Diesen sollte man während des Songwritings auch treu bleiben.

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Das CME XKey Air gibt es mit 15 und 37 Tasten. Es kann per »MIDI over Bluetooth« mit Mac, iPad und iPhone verbunden werden. Für das Songwriting unterwegs empfehle ich die Variante mit 15 Tasten.

Musik App – Musikmemo

Mit Musikmemo hat Apple eine kostenlose Musik App für iPhone und iPad auf den Markt geworfen, die genau in meine Arbeitsweise passt. Ich kann Songs bzw. die Musik mit einem einfachen Knopfdruck aufnehmen, Akkorde und Tempo werden automatisch erkannt. Ich kann meine Texte zur aufgenommenen Idee schreiben und sogar einfache Drum- und Bass-Spuren zur Musik in der App einbauen. So simpel wie möglich und ohne irgendwelche Special Features, die schon in Richtung »fertige Produktion« gehen. Sich einfach auf das eigene Songwriting fokussieren, dahin wollte ich zurück. Meine aufgenommenen Ideen kann ich sogar bewerten und sie mit »Verse«, »Chorus« oder »C-Part« taggen. Das liefert in einem immer größer werdenden Archiv eine gute Übersicht und Struktur. Natürlich können die Takes auch benannt werden. Die aufgenommenen Ideen lassen sich danach in GarageBand oder Logic importieren, um den Song dort zu finalisieren. Das Ganze geht natürlich auch über die iCloud, auf die ich von überall zugreifen kann. Ganz so, wie Apple das natürlich möchte. Ich bin langjähriger Mac-User und habe seit der Version 3 ein iPhone, ich finde deren Produkte großartig,  aber diese ganzen Möglichkeiten machen mich beim Musik machen gerade irgendwie kirre in der Birne − klasse Reim übrigens.

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Mit Firo können insgesamt fünf Instrumentenspuren eingespielt und zu einem Loop zusammengefügt werden. Einen Weg, die Spuren zu quantisieren, habe ich leider nicht gefunden.

Arrangements auf Tablets

Firo ist eine sehr umfangreiche Musik App, in der Songs komplett mit Drums, Bass, Gitarren, Keys, Brass, Synth-Sounds und weiteren Instrumenten arrangiert werden können. Es können sowohl akustische als auch elektronische Drum-Elemente verwendet werden. Songtexte lassen sich darin allerdings nicht schreiben. Die Bedienung setzt ein gewisses musikalisches Grundwissen voraus, da vieles über eine Notendarstellung erfolgt.

Inspiration durch Musik Apps für die eigene Kreativität am Smartphone

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Die fertigen Songs können in Figure gespeichert und in einer eigenen Community geteilt werden.

Wenn ich mal nicht weiterweiß, lasse ich etwas Zeit vergehen, und setze mich später wieder an eine Idee, um sie zu einem fertigen Song zu bauen. Um in der Zwischenzeit meiner Kreativität einen kleinen Schubs zu geben, nutze ich Instrumente und Musik Apps wie Mogees, Figure oder Electrified. Figure ist für mich die einfachste Art der Welt, um Musik zu machen. Selbst jemand, der noch nie in ihrem Leben einen Track gebaut hat, kann damit schnell und einfach einen coolen Loop basteln. Ich stelle dann einfach die Tonart und das Tempo meiner Idee ein, an der ich gerade arbeite, füge eine Bassline und einen Rhythmus hinzu und fange an, mit der Gitarre dazu zu jammen. Was dabei rauskommt, sind oft Sachen, an die ich vorher nie gedacht hätte, weil ich immer wieder in gleiche Schemen falle. Solche Methoden helfen mir, mich von meiner Gewohnheit zu lösen. Ich gehe also ganz bewusst andere Wege, z.B. über Apps, denn nur so schafft man es auch, sich weiterzuentwickeln. Dann versuche ich, die neuen Parts auf die bestehende Idee zu adaptieren. Oft muss man die neuen Arrangements erst einmal strukturieren und aussortieren. Mein Motto ist dabei: Weniger ist mehr. Zugegeben, oft entstehen dabei auch neue Ideen, die zu ganzen Songs werden.

 

 

 

electrified
Yellowfire Electrified ist ein tolles Kreativ-Tool, das Alltagsgeräusche zu einem elementaren Part eures Beats werden lässt.

Elektrifiziere deine Welt mit dem Smartphone

Mit Apps wie Yellowfire Electrified kannst du mit deinem Smartphone Sounds aufnehmen, sampeln und direkt in ein Pattern einbinden. Du kannst also Vocals aufnehmen, sie so schneiden, wie du sie brauchst, und unter einen Beat mischen, der aus den zur Verfügung stehenden Sounds gebastelt wurde. Diese Musik App macht einfach nur Spaß. Nach unserem Field-Recording-Special in der SOUND & RECORDING 12.2015 wurde ich zum absoluten Field-Recording-Fan. Ich finde es einfach spannend, Sounds aus der Umgebung aufzunehmen und sie − egal ob entfremdet oder original − als rhythmisches Element in einen Musiktrack zu integrieren. Bitte die App unbedingt ausprobieren!

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Mit der App Musikmemo können Texte leider nur zu einer bestehenden Audiospur geschrieben werden. Eine Möglichkeit, Reime und Synonyme zu finden, fehlt.

Mogees

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Bei Mogees stehen neben 808-Sounds auch Blue Steel, Bells und verschiedene Wellenarten als Klangerzeuger parat. Die Wiedergabe über einen Bluetooth-Lautsprecher funktioniert leider noch nicht.

»Best Innovative Product 2017«? Ich werde Mogees nominieren! Ungesehen und ungetestet hab ich mir diesen Sensor-Pickup bestellt, die App auf mein iPhone geladen und es nicht bereut. Im Vergleich zu den früheren Versionen fühlen sich die neuen Mogees wesentlich wertiger und robuster an. Der Mantel des Verbindungskabels zwischen Mogee und iPhone ist relativ steif, was Kabelsalat vermeidet. Das austauschbare Klebe-Pad sorgt für einen sicheren Halt auf dem ausgewählten »Instrument«. So viel zum Kurztest. Ich nutze gerade also so ziemlich alles, um im Songwriting meiner Gewohnheit zu entkommen. Da kommt mir so ein ein Tool wie Mogees, mit dem, wie der Hersteller verspricht, alles zum Instrument wird, gerade recht. Denn welcher Musiker trommelt nicht zwischendurch mal auf irgendwelchen Gegenständen herum, um sich die Zeit zu vertreiben? Aber wer wandelt diese Beats denn später auch in MIDI um und produziert sie am Rechner aus? Das wollte ich mit Mogees unbedingt mal ausprobieren.

Es gibt einen bestimmten Rhythmus, den ich auf der Arbeit mit den Füßen auf dem Boden oder mit den Händen auf meinem Schreibtisch trommle. Diesen habe ich dann auf einer Tupperdose mit angeschlossenem Mogees nachgespielt, die Regionen, auf die ich schlage, bestimmten Klängen zugewiesen und das Ganze per MIDI an meinem MacBook aufgenommen. Zugegeben, manchmal hakt das Erkennen der Schläge durch den Sensor etwas, aber das verzeihe ich dem kreativsten Tool, was ich seit Langem verwendet habe. Für mich ein absoluter Tipp, um im Songwriting vor der Gewohnheit beim Beat-Programming zu fliehen.

 

 

 


Traut euch, Musik Apps für Smartphones, Tablets, das iPhone und sonstige Geräte zu verwenden und auszuprobieren. Es auch viele Anwendungen für Windows Geräte. Eine kleine Auswahl daraus findet ihr hier. Geht mit euren Smartphones raus auf die Straße, in den Wald, schnappt euch mobile Geräte zum Aufnehmen und nimmt eure Musik überall auf. Auch Tablets liefern mittlerweile eine sehr gute Aufnahmequalität. “Keep on makin´music”.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Hallo Marc,
    klasse Artikel.
    Du sprichst mir so aus der Seele.
    Auch ich sitze nun seit 2 Monaten nur am Klavier und notiere Akkorde in mein I Pad.
    FÜhlt sich einfach ganz anders an, als immer am Rechner zu hockn. (ich auch Logic Pro X)
    Noch dazu habe ich jede Note in meinen Mac eingegeben (nicht eingespielt!), weil ich gar kein Klavier spielen kann. Das bringe ich mir grad selbst bei und es fühlt sich sooooo gut an, wirkliche Klaviertasten unter den Fingern zu haben, anstatt nur der Mac-Tastatur.
    Aber eine Frage hab ich: Ich dachte, man könne nicht in Garageband importieren, zumindest hab ich’s noch nicht rausgefunden. was ich sehr ärgerlich finde, weil – wenn ich’s erstmal in Logib bearbeitet und dann unterwegs weiter bearbeiten will – Pustekuchen.
    Oder wie geht das?
    Herzliche Grüße,
    Kathrin
    PS: Noch ne Frage: Wenn ich meinen SOng bzw. Akkordabfolge noch nicht kann, muss ich am I Pad immer zwischendurch weiter scrollen, was beim Klavier spielen nervig ist. Da wäre eine App hilfreich, die Text und Akkorde in eingestelltem Tempo ablaufen lässt und sich bei Bedarf anhalten lässt. Gibt’s sowas schon?

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    1. Ja, versuche mal die App OnSong da funktioniert alles so wie du das willst. Hab ich selbst seit 1 Jahr und ist echt gut.

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