Wolfspelz

Songwriting-Dozent Tobias Rotsch erklärt seine Herangehensweise

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(Bild: Ulrich Zimmermann)

Tobias spielt von Kind auf Klavier. Die Gitarre hat ihn schon immer abgeschreckt und es nicht in sein Leben geschafft. “Vielleicht lag es daran, dass die Finger beim Spielen immer so schnell weh taten.” sagt der Singer/Songwriter. Tobias verdient bereits mit der Musik seinen Lebensunterhalt, was allerdings ein “50/50-Ding” ist, wie er selbst sagt. Die eine Hälfte unterrichtet er an der Musikhochschule in Münster und betreut nebenbei noch einzelne Schüler bei ihren Projekten, und die andere Hälfte ist er Musiker. Wir haben ihn getroffen und zum Thema Songwriting befragt.

 

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Wie gehst du an einen neuen Song heran? 

Bei mir gibt es immer einen inneren Antrieb durch ein Thema, mit dem ich mich beschäftige. Dann merke ich oft erst nach einigen Tagen, dass da in mir irgendwas brütet, mich nicht mehr loslässt und sich meine Gedanken immer wieder um die gleichen Fragen drehen. Dann nutze ich das Songwriting als eine Art Ventil. Wenn ich dann mit dem Schreiben beginne, geht es mir sehr darum mein eigenes Gefühl so einzufangen, dass es mich selbst berührt. Den Anfangspunkt ziehe ich immer aus dem Inhalt meines eigenen Lebens. Das ist bei mir der erste Schritt.

Widmest du dich zuerst dem Text und dann der Musik oder umgekehrt? 

Sowohl als auch! Wenn ich mit dem Text anfange, mache ich am Klavier Skizzen von der Musik und probiere verschiedene Sachen aus. Den Text nehme ich dann kurz mit dem Smartphone auf oder schreibe sie mir in meine Notizen. Im Studio nehme ich alles direkt in der DAW auf. Ans Ausproduzieren geht es dann erst im nächsten Schritt. Ich starte grundsätzlich ganz klassisch am Instrument.

Nutzt du Songwriting-Apps?

Songwriters Pad hab ich mal ausprobiert, war mir ab nicht funktional genug und hat mir zu wenig geboten. Die gleichen Funktionen stehen mir auch in der Notizapp zur Verfügung. Als Kreativ-Tool finde ich es aber dennoch sehr gut. Man kann sich schnell mal einen Thesaurus anzeigen lassen und die Notizen lassen sich nach verschiedenen Kriterien sortieren. So findet man sie später auch wieder. Aber letztlich spielen bei mir Papier und Stift ein große Rolle. Ich nehme gerne mein handschriftlichen Sachen und tippe sie danach in den Rechner und schiebe dann dort die Textpassagen herum und bastel weiter am Text.


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Sound&Recording Ausgabe 05/16

Songwriting Special inkl. Songwriting per iOS-Guide

Diese Ausgabe widmet sich dem Thema Songwriting per App! Wir stellen euch iOS-Tools vor, die eure Kreativität beim Songwriting unterstützen und zeigen euch iOS-Hardware die umfangreiche, mobile Recording-Lösungen anbieten, wie Motive von Shure, die Lurssen Mastering Console und Lightning-Interfaces und –Mikrofone sowie Software. Eine Band die weiß wie man Songs schreibt sind AnnenMayKantereit. Mit ihrem Debüt-Album „Alles nix Konkretes“, das von Moses Schneider produziert wurde, schafften die Kölner-Jungs auf Anhieb den Sprung auf die #1 der deutschen Single Charts. Den Studio-Report findet ihr im Heft. Außerdem waren wir in Chino, USA in der Edel-Maufaktur bei Manley Labs zu Gast. Den dort hergestellten Channelstrip Manley Core haben wir für euch im Test. Für die Mixpraxis spricht Illangelo Montagnese über die Produktion mit The Weeknd und in De/Constructed zerlegt Henning Verlage King Kunta von Kendrick Lamar.

Getestet haben wir das Roli Seaboard Rise 25, das „Volksbändchen“ sE Electronics X1R und in Love The Machines gibt´s den Klassiker Roland JP-8000.

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Wie förderst du deine eigene Kreativität? 

Was bei mir eine sehr große Rolle spielt sind Wege neue Wörter zu finden. Ich nutze ein Synonym-Wörterbuch aber auch ein rückläufiges Wörterbuch, versuche über Google neue Wörter zu finden. Gerade wenn ich alleine schreibe, komme ich irgendwann an den Punkt, wo ich merke, dass es nicht mehr weiter geht. Dann versuche ich mir von außen Input zu holen. Zu empfehlen sind die Websites www.lyrickecke.de ,  www.openthesaurus.de und google.de 🙂 

Wie sieht das Songwriting in der Gruppe aus?

Meistens hat einer die Anfangsidee und ich die Idee wie es weitergehen könnte. Oft machen wir dann eine Feedback-Runde, in der einer seinen halbfertigen Text einfach mal zeigt und man offen über die einzelnen Passagen spricht. Da kommt man schnell in eine Detailarbeit, bei der Wörter auch austauscht und den gesamten Text hinterfragt wird. Die Idealvorstellung, einen Text mal “eben so  herunterzuschreiben”, existiert nicht. In der Praxis braucht so ein Text viele Bearbeitungsschritte, er benötigt Zeit sich zu setzen. In solchen Feedback-Runden wird der Text mit der Zeit dann immer besser. Oft muss man sich von seinen Ideen auch trennen, die zu Beginn vielleicht noch für sehr gut befunden wurden und man dann aber merkt, dass sie gar nicht so gut funktionieren.

Heute wird alles in einer riesigen Kiste gespeichert mit super vielen Ideen drin, wenn ich dann sehe, wie wenig davon wirklich verarbeitet wird kann man schon sagen, dass 90% davon für den Mülleimer ist. Man muss aber trotzdem einfach weitermachen, es ist normal, dass viel Müll dabei anfällt. Viele fangen an und sagen: “Ach, das ist alles schlecht, was ich schreibe!” und hören wieder auf. Unser Gehirn spuckt aber die ganze Zeit irgendwelchen Blödsinn aus. Jeder muss lernen die guten Sachen davon zu bewahren und sich von den schlechten Dingen direkt trennen und weiter nach den guten Ideen suchen!

Über die Musik von Tobias Rotsch:

Wolfspelz, das ist Sing und Songwriter Tobias Rotsch, der in seinem facettenreichen Erstlingswerk dem Hörer preisgibt, welch schöne, grausame und unverfälschte Emotionen hinter dem dicken Mantel, seinem Pelz, verborgen sind. Wolfspelz kann mit seinen intimpuristischen Klavierarrangements und seiner interpretationsoffenen Poetik durchaus neue Farbtupfer und Akzente in die Liedermacherszene zwischen Hamburg und Berlin setzen. Jeder Takt, jede Zeile spiegelt die Leidenschaft des Duisburger Solokünstlers zur Musik wider: Gedanken und Wünsche, die längst vergessen scheinen, werden durch lyrische Momente und ansprechende Melodien hervorgehoben und kitzeln auch beim Zuhören Verborgenes hervor.

Wolfspelt – Haus der Liebe

Eine unaufdringlich tiefgründig berührende Sprache, die insbesondere bei seinen Live-Auftritten das Publikum in seinen Bann zieht, und wie die Erzählung eines bewegenden Kinofilms wirkt. Zwischen verbitterten Zeilen über Herzschmerz, Verachtung und Selbstironie blitzt immer wieder auch Güte, der Wunsch nach Zweisamkeit, Wärme und Liebe in seinen Songs hindurch. Ein stimmiges und vor allem sehr authentisches und minimalistisches Zusammenspiel aus Gesang und Klavier, in dem man sich verlieren kann. Wolfspelz’ Wortgewalt wirkt auf den Hörer wie der Mond auf den Werwolf, der sein reales Wesen nach außen kehrt. Auch wenn Wolfspelz nicht immer zu durchschauen ist, wer genau hinhört, weiß wovon der Wolf singt. Die EP des Duisburger Liedermachers Wolfspelz hält fünf klang- und wortgewaltige unplugged Tracks bereit. Sie entstand gemeinsam mit Henrik Böhl, der bereits mit Lena, Max Giesinger oder Stefanie Heinzmann erfolgreich zusammengearbeitet hat. Anfang 2016 erschien die EP “Wolfspelz” mit Titeln wie “Haus der Liebe” oder “Das fehlende Puzzleteil“. Das Projekt Wolfspelz ist für Tobias Rotsch Neuland. Nachdem er als Musiker viele Jahre mit anderen Künstlern gearbeitet hat, ist sein Debüt als Solokünstler mit emotionalen und persönlich inspirierten Texten ein Neustart – vor allem als Sänger hat man ihn so intensiv noch nie erlebt.

www.wolfspelz.org 
www.facebook.com/wolfspelzmusik 

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