Cubase Workshop aus dem Archiv Teil 2

Das erste Projekt in Cubase: Recording – Achtung, Aufnahme!

Kombibuchse

Im letzten Recording-Workshop („Wir richten uns ein“) haben wir das Audiointerface installiert und Cubase eingerichtet. Dann nehmen wir doch mal was auf …

Vergleichen wir mal kurz unsere Notizen: Wir brauchen in unserem Homestudio ein musikertaugliches Audiointerface, im Beispielfall ist das ein todschickes Lexicon I-Onix U42S. Das hängt an einem Rechner – ob Windows oder Mac, ist relativ wurscht – mit Steinberg Cubase LE4 drauf, das netterweise vielen Audiointerfaces kostenlos beiliegt. Ansonsten gibt’s von Steinberg für relativ kleines Geld Cubase Essential, das noch einige Funktionen mehr zu bieten hat. In der letzten Folge habe ich euch auch schon die ersten Handgriffe gezeigt, wie ihr Cubase richtig einrichtet.

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>>  Hier geht es zum ersten Teil des Workshops <<

Recording: Das erste Projekt

Der erste Schritt, wenn man Musik aufnehmen will, ist, ein Projekt anzulegen. Klickt dazu im Dateimenü auf den entsprechenden Eintrag. Es erscheint nun ein Fenster, in dem ihr verschiedene Vorlagen anwählen könnt: „16 MIDI Tracks“, „4 Stereo 8 Mono Audio Track Recorder“ usw. Wir wählen erst mal „Leer“. Daraufhin fragt Cubase nach dem Projektordner. Ja, was ist das denn? Ganz einfach: Damit ihr den Überblick nicht verliert, ist es sinnvoll, dass alle Dateien, die zu einem Song gehören, gemeinsam im selben Ordner abgelegt werden. Wenn ihr aufnehmt, entstehen zum einen die Projektdateien, in denen sämtliche Einstellungen gespeichert werden, und zum anderen Audiodateien. Diese werden automatisch im Projektordner in einem Unterordner „Audio“ abgelegt.

Um Ordnung zu wahren, solltet ihr für jeden Song einen neuen Projektordner anlegen und diesen Ordner nach dem Song benennen. So habt ihr alle Dateien beisammen, und wenn ihr Cubase-Projekte untereinander austauschen wollt, braucht ihr nur diesen Ordner zu kopieren. Das Gleiche gilt für Sicherungskopien: Einfach den kompletten Ordner auf eine Daten-DVD brutzeln, fertig. Ich persönlich halte es so, dass ich auf der Festplatte einen Ordner „Cubase LE Projekte“ habe. In diesem Ordner sind dann die einzelnen Projekte in Unterordnern, die nach dem jeweiligen Song benannt sind, sagen wir: „Mutti, ich bin von Dämonen besessen“.

Ist der Projektordner ausgewählt, öffnet sich in Cubase das Projektfenster. Damit wir das später nicht vergessen, speichern wir das neue Projekt gleich mit einem aussagekräftigen Namen ab, und damit wir später das Fortschreiten unseres Opus’ nachvollziehen können, setzen wir eine Zahl dahinter. Meinen Song speichere ich jetzt also als „Mutti, ich bin von Dämonen besessen 01“ ab. Gewöhnt euch an, nach jeder größeren Veränderung, das Projekt erneut abzuspeichern und dabei die Versionsnummer um eins zu erhöhen. In der Praxis erspart ihr euch damit einigen Ärger: Falls sich beispielsweise eine Projektdatei infolge eines Absturzes o. Ä. nicht mehr öffnen lässt, bleibt euch immer noch die vorangegangene Version. Oder wenn ihr euch an irgendeinem Punkt total verzettelt habt, könnt ihr auf eine frühere Version zurückgehen und von dort aus wieder weitermachen. Übrigens beansprucht das Abspeichern der Projektdatei kaum Festplattenplatz, denn es ist ja nur eine Beschreibungsdatei mit den Einstellungen und der Anordnung der Audioschnipsel. Die speicherfressenden Aufnahmen selbst befinden sich, wie gesagt, im Unterordner „Audio“, wo alle zugehörigen Projektdateien auf sie zugreifen können.

Bevor wir nun die ersten Aufnahmen machen, schaut mal im Menü „Projekt“ unter „Projekteinstellungen“ nach, ob die Samplerate und das Aufnahmeformat korrekt gewählt sind. Das heute (auch im Profibereich) übliche Format ist 44.1 kHz Samplerate bei 24 Bit Auflösung. Weniger ist nicht sinnvoll, mehr bringt nicht viel.

Projekteinstellungen

Achtet darauf, dass das Aufnahmeformat korrekt eingestellt ist. Üblich sind 44.1 kHz Samplerate und 24 Bit Auflösung.

Spuren anlegen

So. Kommen wir wieder zum Projektfenster. Was uns hier fehlt, sind Spuren, um überhaupt etwas aufnehmen zu können. Geht dazu auf Projekt -> Spur hinzufügen -> Audio. Jetzt erscheint ein kleines Fenster. Hier könnt ihr wählen, wie viele Spuren ihr anlegen möchtet und ob das Mono- oder Stereospuren sein sollen. Keine Panik, ihr müsst euch nur für den momentanen Bedarf entscheiden; ihr könnt später jederzeit weitere Spuren hinzufügen, wenn ihr mehr benötigt. Mit Cubase LE4 könnt ihr bis zu 48 Mono- oder Stereospuren anlegen, mit der Vollversion sogar unbegrenzt viele.

Eingangswahl

Achtet immer darauf, dass für jede Aufnahmespur der richtige Eingang eures Audiointerfaces ausgewählt ist.

Stereospuren solltet ihr nur für richtige Stereoaufnahmen anlegen. Wenn ihr zwei verschiedene Sachen gleichzeitig aufnehmt, dann nehmt dafür zwei separate Monospuren. Sagen wir mal, wir wollen fürs Erste nur mal eine Akustikgitarre und Gesang mit jeweils einem Mikrofon aufnehmen. Legen wir also zwei Monospuren an. Links neben der Spurenliste ist ein Bereich, der in Cubase „Inspector“ genannt wird. Hier werden Einstellungen für die in der Spurenliste jeweils selektierte Spur getätigt. Ganz wichtig ist hier die Zuordnung des richtigen Eingangs des Audiointerfaces. Wenn wir die Akustikgitarre und den Gesang gleichzeitig aufnehmen wollen, sollen beide Signale ja auf separate Spuren. Per Default ist für Monospuren der linke Kanal angewählt. Für die zweite Spur müssen wir das ändern und den rechten Kanal anwählen. ’Ne gute Idee ist auch immer, die Spuren aussagekräftig zu benennen. Wenn’s bei zwei Spuren bleibt, ist das nicht so wichtig, aber je mehr Spuren im Spiel sind, desto schwieriger wird es, den Überblick zu behalten.

Kombibuchse

Viele Audiointerfaces verwenden Kombibuchsen für Klinken- und XLR-Stecker. Wichtig: Nur ein XLR-Stecker führt zum Mikrofoneingang, Klinkenstecker gehen in den Line-Input.

 

Von Buchsen und Kabeln

Jetzt geht’s an die Hardware: Die beiden Mikros schließen wir mit XLR-Mikrofonkabeln ans Audiointerface an. Das Beispiel-Interface hat wie viele aktuelle Geräte Kombibuchsen, die mit Klinken- oder XLR-Steckern belegt werden können. Wichtig: Mikrofone müsst ihr unbedingt mit einem XLR-Stecker anschließen. Wenn euer Händler euch ein Mikrofonkabel mit einem Klinkenstecker am anderen Ende verkauft hat, tauscht es augenblicklich um. Es muss ein XLR-auf-XLR-Kabel sein, sonst landet ihr im Line-Eingang, und der ist für Mikros ungeeignet. Wenn ihr Kondensatormikros benutzt, müsst ihr, nachdem sie verkabelt sind, die Phantomspeisung aktivieren, damit die Mikros mit Strom versorgt werden. Oft sind die Schalter für die Phantomspeisung mit „+48V“ beschriftet.

Einpegeln

Um den Eingangspegel am Audiointerface richtig einzustellen, solltet ihr euch an der Pegelanzeige im Cubase-Mixer orientieren

 

Richtig einpegeln

Nun müsst ihr die Signale richtig einpegeln. Dazu braucht ihr natürlich eine Pegelanzeige. Viele Audiointerfaces haben so etwas eingebaut, aber am sichersten ist es, sich an der Pegelanzeige in Cubase zu orientieren. Die höheren Cubase-Versionen haben im Mixer Eingangskanäle, in denen der Eingangspegel ständig angezeigt wird. In Cubase LE4 ist das etwas komplizierter: Ihr müsst zunächst den Mixer aufrufen; am schnellsten geht das durch Drücken der Funktionstaste F3. Der Eingangspegel wird dort nur angezeigt, wenn ihr das kleine Lautsprechersymbol (= Mithören) anklickt. Damit es nicht zu Rückkopplungen kommt, solltet ihr vorher die Abhörlautsprecher stumm schalten und während der Aufnahmephase mit Kopfhörern arbeiten.

Gain-Regler

Den Eingangspegel müsst ihr am Audiointerface oder Mikrofonvorverstärker regulieren, nicht in Cubase.

Dreht das Gain-Poti am Audiointerface bzw. Mikrofonvorverstärker soweit auf, bis die Pegelanzeige in Cubase bei lauten Signalen nicht weiter als etwa –6 bis –10 dB ausschlägt. Zurückregeln am Cubase-Fader neben der Pegelanzeige schützt dagegen nicht vor Übersteuerungen, denn da wird der Pegel hinter dem Analog-Digital-Wandler reduziert. Lasst den Fader also auf 0.00 dB. Ihr braucht die Cubase-Pegelanzeige nicht die ganze Zeit über anzustarren: Direkt unterhalb der Pegelanzeige wird im schwarz hinterlegten Feld der Spitzenwert angezeigt.

Wenn ihr den Pegel richtig eingestellt habt, geht’s an die Aufnahme. Klickt wieder auf die kleinen Lautsprechersymbole, um die Mithörfunktion auszuschalten. Vor der Aufnahme müsst ihr die betreffenden Spuren „scharfschalten“, d.h. in Aufnahmebereitschaft versetzen. Dazu klickt ihr in den entsprechenden Spuren auf den roten Aufnahme-Button. Bereit?

Scharf + Transport

Jetzt kann’s losgehen: Schaltet die Spuren mit dem roten Knopf scharf, und drückt die Aufnahmetaste im Transportfeld.

 

Auf die Plätze, fertig, los!

So, nun kann’s losgehen: Drückt den Aufnahmeknopf im Transportfeld (oder die Sterntaste im Nummernfeld, das geht flotter) und los geht’s. Seid nicht frustriert, wenn’s am Anfang noch nicht so klingt, wie’s soll. Das ist ganz normal, weil ihr euch ja erst mal auf eine neue Situation einschießen müsst, und erst wenn ihr die Technik sicher beherrscht, habt ihr den Kopf frei fürs Kreative. Also übt fleißig!

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Hallo,

    danke für das TUTORIAL, ich habe nur ein Problem.

    Wenn ich bei cubase aufnahme drücke wir immer wieder eine leere tonspur aufgenommen obwohl der sound laut mixer ankommt und er durch drücken von monitor auch über die Boxen zu hören ist.

    Habe ich irgendetwas nicht richtig eingestellt ?

    Danke

    mit freundlichen Grüßen.

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  1. Wir richten uns ein Studio ein – Erste Schritte mit Cubase › SOUND & RECORDING

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