Der falsche Raum

Mixing Tutorial – Künstliche Raummikrofonie nachträglich erzeugen

Fette Kicks und knallige Snares mögen noch so schön sein, aber ohne räumlichen Eindruck klingen viele Schlagzeugaufnahmen leblos, wenn die Raummikrofonie unbrauchbar ist oder gar fehlt. Hier ein Notfall-Trick, mit dem sich eine künstliche »Raummikrofonie« nachträglich in der DAW erzeugen lässt. Über Aux-Sends kann man die entsprechenden Einzelspuren oder gleich die gesamte Schlagzeug-Subgruppe auf einen Effekt-Return schicken. In diesem Beispiel tummeln sich dort drei Plugins.

Vor dem True-Stereo-Reverb simuliert ein Stereo-Delay mit unterschiedlichen Verzögerungszeiten den Abstand zweier Raummikrofone zum Schlagzeug. (Bild: Axel Latta)

Als Erstes wird ein Stereo-Delay eingefügt, welches das Eingangssignal zwischen 20 bis 30 Millisekunden auf der einen und 30 bis 40 Millisekunden auf der anderen Seite verzögert. »Mix« befindet sich auf »100%«, und das Feedback ist komplett heruntergedreht. Letztendlich soll dieses Setup die Entfernung der Raummikrofone zum Schlagzeug nachahmen. Durch die unterschiedliche Verzögerungszeit links und rechts erscheinen auch eingehende Mono-Signale plötzlich sehr breit.

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Als zweites Plugin folgt ein Reverb, der mit sehr kurzer Nachhallzeit zum einen die soeben erzeugten »Reflexionen« verwaschen und zum anderen den Aufnahmeraum simulieren soll. Der Parameter »Pre-Delay« ist auf »0« gesetzt, damit der Hall direkt an die Reflexion anschließt und nicht ein weiteres Echo erzeugt. Der Reverb sollte »True Stereo« unterstützen, damit der Raumanteil für das linke und rechte »Mikrofon« auch tatsächlich separat berechnet wird. Im Anschluss kann man mit diversen Plugins experimentieren, etwa Filter, Bandsättigung oder ein Kompressor, um den künstlichen Raum zu verdichten.

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