Basiswissen Audiotechnik

Mixing Tutorial – Gerade und ungerade Harmonische

Nur ein Grund, warum sich manch analoges Outboard hoher Beliebtheit erfreut, ist die automatische Klangfärbung, die neben dem eigentlichen Bearbeitungsprozess entsteht. In der analogen Domäne sind es häufig die Übertrager oder Röhren, welche den »Sound machen«. Diese fügen dem Signal mehr oder weniger subtile Verzerrungen hinzu, die in zusätzlichen Obertönen resultieren. Man spricht auch von »Harmonischen«, die entweder gerade oder ungerade Vielfache des Grundtons sind.

Der britische Hersteller SSL verbaut in einigen seiner Produkte, wie beispielsweise in der Konsole Duality, Drehregler namens »Odd/Even Harmonics«, die das Mischungsverhältnis von harmonischer und nicht-harmonischer Verzerrung stufenlos einstellen kann. Auch Emulationen einiger Klassiker wie Pultec-EQ, LA-2A oder Distressor bringen diese Färbung mit sich.

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Besonders deutlich wird die Vielfalt beim »Culture Vulture« oder seiner UAD-Emulation. Über einen Kippschalter lässt sich zwischen einer Pentode und zwei Trioden wählen, die das Signal je nach Eingangspegel mit Obertönen anreichern. So kann man diversen Elementen zu mehr Durchsetzungskraft im Mix verhelfen, ohne den eigentlichen Pegel übertrieben zu erhöhen, die Gewichtung von tiefen Basslines etwas in die oberen Frequenzbereiche verschieben oder ein Signal komplett zerstören.

Auch viele digitale Nachbauten von analogen Studioklassikern können gezielt die gewünschten Obertöne hinzufügen. Hier: Culture Vulture im Modus »Triode« (oben) und »Pentode 2« (unten).

Ob ein Plugin Harmonische hinzufügt und wenn ja, welche, lässt sich sehr einfach mit jedem beliebigen Analyzer herausfinden. Schickt man hier einen Sinuston mit einer konstanten Frequenz von 1 kHz durch, erscheinen die Harmonischen entsprechend bei 2, 3, 4, 5 kHz usw.

Ein schon älteres, aber immer noch kostenloses Plugin von Christian Budde namens »Christortion« bietet sehr interessante Features, um mit verschiedenen Obertonstrukturen zu experimentieren. Jede Harmonische von 1 bis 7 wird hier durch einen eigenen Lautstärke-Fader repräsentiert. Der Clou: In diesem Plugin lässt sich das Originalsignal mit dem ersten Fader (»Fundamental Gain«) auch komplett absenken, um nur den Harmonischen zu lauschen. Außerdem ist jeder Schieberegler mit einem dedizierten Schalter zur Phasenumkehr versehen. Zum Emulieren etablierter Studiogeräte eignet sich diese Freeware natürlich weniger, und gelegentlich treten seltsame Artefakte auf, aber nichtsdestotrotz lassen sich interessante Effekte erzielen.

Altehrwürdige Freeware zum Experimentieren: »Christortion« (www.savioursofsoul.de/Christian/vst-plugins)

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Hervorragend – Komponieren kann ich schon Tontechnnik…Danke http://www.o-f-d.de

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