UAD Tutorial

Mixing Tutorial: Fix my Mix – Gitarre & Gesang mischen

Waldemar Vogel Fix my Mix
Waldemar Vogel bei einem Workshop (Rock / POP&HipHop) in St. Petersburg in der New Tone Academy zum Thema »Mixing« (Bild: Archiv)

Für diese Folge haben wir einen unfertigen Mix von dem Gesangs & Gitarren Duo Starke&Gorter bekommen. Der Song heißt „Different“ und ist im Grunde eine Pop-Ballade. Weitere Instrumente oder Overdubs gibt es in dem Song nicht. Das Ganze wurde zusammen live eingespielt und gesungen. Deswegen hört man auch etwas Übersprechen auf den anderen Mikrofonen. Da das Duo normalerweise im Jazz angesiedelt ist, war es den beiden sehr wichtig, dass der Song relativ natürlich und nicht zu stark bearbeitet klingt. Außerdem waren im alten Mix beide Instrumente ungefähr gleich laut, wodurch sie sich beide gegenseitig im Weg standen. Um das Problem zu lösen, hatte man im alten Mix beide etwas aus der Mitte gepannt. Jedoch klang das sehr auffällig und unnatürlich, besonders in den Songpassagen, wenn nur die Gitarre zu hören war.

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Als aller erstes musste ich entscheiden, welcher der beiden Musiker lauter im Mix sein muss, um nicht das gleiche Problem wie im alten Mix zu bekommen. In diesem Fall muss der Gesang ganz klar vorne stehen, denn er erzählt die Geschichte. Die Idee, die Instrumente mehr zu den Seiten zu pannen war zwar ganz gut, ich finde es aber immer unnatürlich und unausgewogen, wenn der Gesang etwas mehr von einer Seite kommt. Es sei denn, man macht es ganz mutig und pannt die Instrumente ganz hart zu einer Seite. Dann klingt das ganze schon wieder von sich aus kreativ und spannend.

Nachdem das entschieden war, konnte ich mich an die Bearbeitung von dem Gesang machen. Dieser war glücklicherweise sehr gut aufgenommen und brauchte keine starken Eingriffe. Er war jedoch sehr dynamisch gesungen und einige Worte zu laut und andere wiederum etwas zu leise. Ich wusste, dass das mit der recht ausgewogen gespielten Gitarre zu einem Problem werden würde. Also musste ich das ausgleichen, und eine Automation der Lautstärke würde das Problem hier nicht lösen. Im Grunde musste ich den Gesang etwas mehr komprimieren um ihn ausgewogen zu machen. Da dies aber sehr hörbar und unnatürlich geklungen hätte, habe ich mich für eine Parallelkompression entschieden. In diesem Fall habe ich den Gesang mit dem UAD 1176 Rev E und dann dem UAD Teletronix LA2A mehr als 10 dB komprimiert und mit ca. 2/3 zum Originalsignal zugemischt.

Jetzt stand der Gesang weit genug vor der Gitarre und ich musste ihm nur noch etwas mehr Bass und untere Mitten hinzufügen, damit er wärmer und größer wirkt. Dafür hatte ich den UAD Sonnox Oxford und den UAD Harrison 32C EQ benutzt. Doch immer wenn der Gesang etwas lauter wurde gab es ein paar Störfrequenzen bzw. Resonanzen, wodurch der etwas unschön geklungen hat. Deswegen habe ich mehrfach den UAD Sonnox Oxford Dynamic EQ benutzt um diese Frequenzen zu filtern. Der Vorteil von dem dynamischen EQ ist, dass er diese Frequenzen nicht dauerhaft entfernt, sondern immer nur, wenn sie einen eingestellten Threshold überschreiten und zu laut sind. Auch die S-Laute konnte ich mit dem Plug-in gleich mitfiltern und musste nicht zusätzlich noch einen De-Esser benutzen.

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Auch die Bearbeitung der Gitarre war recht übersichtlich. Die Aufnahme klang sehr gut und es gab sogar vier Spuren zur Auswahl. Es waren drei Mikrofone und ein DI Signal dabei. Für meinen Geschmack klang die Gitarre im alten Mix nicht hell genug und so konnte man auch das Zupfen der Seiten leider nicht gut wahrnehmen. Also kombinierte ich zuerst drei von den vier Spuren zu einem ausgewogenem Gesamtsound und benutzte dabei verhältnismäßig viel von dem DI-Signal, denn auf dem war der Attack der Gitarre am deutlichsten zu hören. Danach habe ich die Gitarre mit dem UAD Tubetech CL1B und dem UAD Summit TLA-100A etwas komprimiert und zusätzlich etwas mehr Höhen mit unter anderem dem UAD SPL Vitalizer MK2-T dazugegeben. Außerdem fand ich die Idee, die Gitarre etwas mehr zu den Seiten zu pannen aus dem alten Mix ganz gut. Also habe ich sie etwas mehr nach rechts gepannt, damit sie dem Gesang nicht im Weg steht. Und um das auf der anderen Seite auszugleichen, habe ich die meisten Effekt der Gitarre etwas mehr auf die linke Seite geschickt. Somit klang die Gitarre breiter und es gab mehr Platz für den Gesang in der Mitte.

Zum Schluss habe ich beide Instrumente auf dem Master noch ein bisschen mit dem UAD SSL 4000 G Bus komprimiert, denn dieser hat seit seinem Update einen MIX-Regler. Und so konnte ich beide gemeinsam ca. 3 dB komprimieren. Aber weniger als 50% von dem bearbeiteten Signal benutzen.

Ihr wollt, dass euer Song in einem der nächsten Videos gemischt und vorgestellt wird? Dann schickt uns dazu einfach euren alten Mix an redaktion@soundandrecording.de.

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