Lauschangriff - Neumann KM184

6 Mikrofonpositionen am Ride-Becken im Klangvergleich

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(Bild: Stephan Lembke)

Eines der unpopulärsten Stützmikrofone des Schlagzeugs ist wohl das Mikrofon am Ride-Becken. Dennoch widmen wir uns in diesem Lauschangriff genau diesem. Die Klangbeispiele für den Vergleich haben wir an sechs verschiedenen Positionen aufgenommen, die sich im Winkel zum Becken und der Ausrichtung über demselben unterscheiden.

Der Klang des Ride-Beckens birgt eine breite Palette, die stark vom Musikstil und der Spielweise des Schlagzeugers abhängt. Natürlich beeinflusst auch das Becken-Modell den Klang maßgeblich. In einigen Stilen wird das Ride-Becken eher als Crash-Ride gespielt und stark mit der Seite des Sticks zum durchgehenden Schwingen angeregt. Dafür kommt meist ein eher dünnes Becken zum Einsatz, das schnell einschwingt und damit den „crashenden“ Klang erzeugt. Jedoch ergibt die Einzelmikrofonierung eines solchen Beckens nur bedingt Sinn und es klingt eher auf den Overhead-Mikrofonen mit. Ein anderer Einsatz wäre das Spielen eines schwereren Beckens, das mit dem Tip (der Spitze) des Sticks angeschlagen wird und somit einen klaren Attack erzeugt. Des Weiteren kann die Kuppe des Beckens (auch „Glocke“ oder „Bell“) für einen noch höheren und durchsetzungsfähigeren Klang gespielt werden. Bei solch einer Verwendung ist das Ride-Becken als Taktgeber zu sehen, weshalb die klare Lokalisierbarkeit (ähnlich wie beim HiHat) oft wünschenswert ist. Hier kommt die Einzelmikrofonierung ins Spiel, die das Becken im Mix eindeutig positionierbar macht.

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Um den Klang des Beckens mit vielen hohen Frequenzen über das Mikrofon einzufangen, wurde für unsere Aufnahme eine kleine Kette über das Ride-Becken gehängt. So vibriert diese nach jedem Anschlag ein wenig auf dem Becken und lässt mehr Obertöne entstehen.

Für die Erstellung der Klangbeispiele wurde der Mikrofon-Klassiker KM184 der Firma Neumann gewählt. Dieses Kleinmembran-Kondensatormikrofon ist für seinen offenen Klangcharakter bekannt und macht an vielen akustischen Instrumenten eine gute Figur. Da bei diesem Modell leider kein Pad-Schalter mehr wie beim Vorgänger KM84 vorhanden ist, kann es bei der Schlagzeug-Mikrofonierung nicht an allen Positionen eingesetzt werden. Der Schalldruck ist am Ride-Becken jedoch nicht so hoch, dass es zur Übersteuerung kommen würde. Als Mikrofonvorverstärker kam wieder der Millennia HV-3R zum Einsatz, der bei unseren Lauschangriff-Sessions als Referenz verwendet wird.

Im Lauschangriff-Artikel zu unserer Drumsession in der Ausgabe 07/2016 von Sound & Recording, findet ihr weitaus mehr als nur die Mikrofonierung des Ride-Beckens. Die Hintergründe der Session werden beschrieben und einzige interessante Mikrofone herausgestellt, die jeder einmal gehört haben sollte. Weitere Klangbeispiele unterschiedlicher Mikrofonierungen und natürlich auch die gesamten Mikrofonvergleiche findet ihr zudem hier online.

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(Bild: Stephan Lembke)

Die Mikrofon-Position am Ride-Becken

Durch das senkrechte Ausrichten des Mikrofons zum Becken, wird der Klang direkter. Die einzelnen Schläge sind detaillierter wahrzunehmen und zudem wird auch das Übersprechen der anderen Instrumente etwas reduziert. Allerdings ist teilweise auch das Schwingen des Beckens deutlich hörbar, was wiederum beim 45 Grad Winkel nicht präsent ist. Je näher das Mikrofon in die Mitte des Beckens zeigt, desto mehr Grundton ist im Klang vorhanden, die Schläge auf die Kuppe wirken allerdings im Verhältnis zu den anderen Anschlägen etwas zu laut und direkt. Dabei ist die durchgehende Vibration des Beckens deutlich im Klang vorhanden, was bei den Positionen in der Mitte und am Rand des Beckens reduziert wird.

Klangbeispiele

Die vorgestellten Klangbeispiele weisen zum Teil recht deutliche Unterschiede auf. Allerdings hören wir uns in diesem Fall nur ein einzelnes Mikrofon am Ride-Becken an, was in der Realität einer Musikproduktion in dieser Form nicht vorkommt. Interessant wird es, die verschiedenen Positionierungen bei einer Mischung des gesamten Schlagzeugs auszuprobieren. Auch ist die Wahl eines passenden Mikrofons von Bedeutung, die natürlich von der Spielweise und dem Grundklang des Beckens beeinflusst wird. Bewegt sich das Becken beim Spiel sehr viel auf dem Stativ, so sollten Mikrofone mit einer starken Klangfärbung außerhalb der 0 Grad Einsprechrichtung gemieden werden, da diese die Bewegung deutlicher erkennen lassen. Aber wie zu Beginn des Artikels gesagt – wir sprechen hier über eines der unpopulärsten Stützmikrofone. Es darf also auch einmal mehr experimentiert werden!

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