Der Weiss-Faktor!

Mastering-Tutorial – So schafft ihr Transparenz und »Mix Glue«

Bams! Davon, dass Daniel Weiss seinen 10.000 Euro schweren Dynamikboliden Codezeile für Codezeile an Softtube lizenziert, haben einige Pro-Audio-Heads vielleicht geträumt, aber absolut niemand hat damit gerechnet. Als Plug-in stieg das DS1-MK3 im März dieses Jahres vom Elfenbeinturm der High-End-Mastering-Szene herunter und wird für Projektstudios und Bedroom-Producer erschwinglich. Wir zeigen euch, wie man damit arbeitet.

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Mastering-Tutorial

Der von Daniel Weiss bereits 1998 vorgestellte DS1 gehört jener Gattung von Masteringtauglichen Dynamikprozessoren an, deren Effektivität an der Qualität gemessen wird, wie sauber und artefaktfrei die Verdichtung eines Audiosignals durch die Kompression geregelt wird. Als ultra transparent und äußerst »musikalisch« ging er daher in die Studiogeschichte ein. Manche feiern ihn als den besten Mastering-Kompressor schlechthin. Die Wenigen, die die Originalhardware irgendwann bewusst hören durften, lieben und schätzen seinen Sound. Und sicher ist: Die meisten neuen (und jungen) Plug-in-User werden womöglich schockiert sein, wie aufgeräumt ein selbst wilder Mixdown nach nur 1−2 dB Gain- Reduction mit dem DS1 klingen kann.

In diesem Feld, das man mit dem Ettikett »Production Ready« betiteln könnte, schlägt er auch einen SSL-Buskompressor mit Sidechain-Filter um zwei Qualitätsklassen, da Letzterer eben immer nur »knackig-weich« kann. Mir ist übrigens nur ein weiterer softwarebasierter Mastering-Kompressor bekannt, der ähnlich neutral und transparent verdichtet, nämlich der mit 1.250 Euro um einiges teurere Algorithmix SplitComp, auf dessen Entwicklung der DS1 sicherlich Einfluss hatte.

Um hier mal Emotionen zu bemühen: Richtig eingestellt, klingt ein Track nach der Bearbeitung durch den DS1-MK3 präziser, tighter, klarer, punchy, aufgeräumter und im Idealfall »edel« und »teuer«. Dafür bedarf es einer ganz bestimmten Methodik, die ich hier im Folgenden zeigen möchte.

So bekommst du den Glue im Mastering

Für den Praxisteil braucht ihr einen halbwegs gut gemischten, aber ungemasterten Song. Dieser sollte, wenn möglich, bei Vollaussteuerung von 0 dBFS Peak unter einem RMS-Wert von −15 dB bleiben. Ideal ist ein Track mit einer möglichst dicht gemischten und nicht zu langsamen Produktion aus den Genres Pop, Dance oder Rock, egal welchen Härtegrades. Gerne mit Drums, Bass, Synths, Gitarren und oder Gesang. Ein zwanzigtägiges Demo des Weiss DS1-MK3 ist auf der Softube-Seite zu ergattern, es kann also gleich losgehen.

Um die folgenden Ausführungen auch nachvollziehen zu können, öffnet ihr das Plug-in und stellt bitte nach und nach folgen- de Parameter wie unten gelistet ein. Beim Nachbauen hilft euch auch ein Blick auf den Screenshot 1. Wieso ich mich für die einzelnen Parameter entschieden habe, erkläre ich dann weiter unten im Text. Ratio: 1:1.5, Attack: 160 ms, Release Delay: 0.80, Frequency (Sidechain): 250 Hz (HochPass-Filter EIN), Release Fast: 80 ms, Release Average auf ca. Mittenposition, Release Slow: 500−1.000 ms, Ganged: EIN, Soft- knee: 0 (AUS), Out Gain = Maximale GR

Nun könnt ihr mit einem beherzten Griff den Threshold langsam so weit herunter ziehen, bis die Gain-Reduction-Anzeige (GR) − also der eigentliche Kompressionsgrad ange- zeigt in dB − möglichst dynamisch zwischen −1 und −3 dB zappelt. »Zappeln« meine ich wirklich wörtlich. Wenn sich die Gain-Reduction nämlich nicht mehr bewegt, läuft euer Mix irgendwo gegen eine Wand, und sehr wahrscheinlich haben die Attacks, und damit auch der Punch, bereits gelitten. Hier ist es überaus wichtig zu wissen, dass man im Mastering-Bereich normalerweise maximal 1−2 dB Gain-Reduction einstellt, sofern man nicht mit einer Parallelkompression (aka »New York-Compression) arbeitet (zu Parallelkompression gibt es im zweiten Teil dieser Serie ausführliche Info). Fühlt man sich also genötigt, mehr dB zu komprimieren, wird bei den meisten Kompressoren die sogenannte Mikro- wie auch Makrodynamik leiden! Den Gain-Makeup-Regler bitte um die maximal angezeigte Gain-Reduction (GR) angeben. Bei −1 bis −3 dB GR also bitte +3 dB drauflegen, um die Pegelreduktion durch die Kompression auszugleichen.

Smack, Punch und Mikrodynamik

Wenn euer Song halbwegs ordentlich gemischt war, müsste jetzt bereits die Sonne aufgehen und der DS1-MK3 den Track auf transparente Weise »eingepackt« haben. Das »Mehr« an Kohärenz und subjektiver Stimmigkeit in der sogenannten Mikrodynamik, die er nun ver- sprüht, nennt man »Glue«. »Mikrodynamik« ist ein Begriff, der spätestens durch Bob Katz etabliert wurde. Genauer gesagt, geht es um die (rhythmische) Charakteristik und das Klangverhalten von Attacks und Releases innerhalb eines komplexen Tonsignals wie der eines Musikstücks.

Weiterhin ist transparente Dynamikbearbeitung eine bekannte Spezialität digitaler Prozessoren. So kann der DS1-MK3 zwar artgerecht per »look ahead« (vorausschauend) arbeiten und somit ungestüme Attack-Gewitter präzise abfangen, ohne allzu viele Artefakte zu erzeugen, aber der gewiefte Mastering-Engineer geht es dann doch einen ganzen Tick schlauer an: Er zieht die Attacks nämlich so weit hoch, dass der Kompressor gar nicht erst von den lautesten Transienten angetriggert wird. Er tut das, damit die komplette, im Mixdown vorhandene Attack-Signatur nicht unnötig verändert bzw. komprimiert wird. Schließlich hat sich der Producer ja was dabei gedacht, wenn die Snare durch einen 1176 peitscht oder die Kickdrum den gepflegten »Aus-dem-Weg-da-Smack!« eines dbx 160- Kompressors durchdrücken möchte. Außerdem »opfert« man bei heutigen Zielpegeln oberhalb von −10 dB RMS spätestens im fina- len Limiter sowieso noch genug Attack-Spitzen dem Loudness-Blödsinn. Kurzum: Diese Herangehensweise lässt sich auch auf den DS1 übertragen, wobei ich hier einen Wert von 160 ms für Attack wähle.

Merke: Nur extrem »ungemixte«, fast schon amateurhafte Downmixe brauchen kurze Attack-Signaturen. Nämlich dann, wenn der Producer so gut wie keine Kompressoren benutzt hat und der Mix in den Attacks derart scharf geworden ist, dass man diese nun  unbedingt abmildern − komprimieren − und in eine angenehmere Richtung − kürzere Attacks! − schieben möchte. Dies ist übrigens die Domäne, in der sich analoge Mastering- Kompressoren naturgemäß wohler fühlen, denn ihr Transienten-Regelverhalten wurde dafür optimiert. Da wir aber hier über »Transparentes Mastering« reden, lassen wir also die Attacks von 0 bis 160 ms ungestraft passieren.

Im Übrigen klingen im Mastering-Bereich jene Einstellungen meistens besser, in denen sehr wenig, aber sehr gezielt und begründbar parametrisiert wurde. Eine Ratio von 1:1.2 bei nur −1 bis −2 dB Gain-Reduction ist ein oft benutzter Wert unter Profis! Nur sehr transparente und schnelle Kompressoren wie der DS1-MK3 erlauben Ratios, die bis 1:1.5 gehen; aber weniger ist hier definitiv mehr.

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Release the Phatness

Manch einer mag sich über die Tatsache wundern, dass das Hochpass-Filter der Sidechain in unseren hier gezeigten Einstellungen auf 250 Hz steht. Auch hier lässt sich sagen, dass Mastering oft bedeutet, einem Paradigmenwechsel zu folgen. Während im Mixdown fast alles erlaubt ist, hält man beim Mastern fast schon wertkonservativ jene Dinge aus der Bearbeitung weg, die erhalten bleiben sollen. Z. B. den Bass und den Subbass: Mit dem DS1-MK3 ist es möglich, im Monitormodus des Sidechain-Filters (Monitor) mit dem Frequency-Regler solange hochzufahren, bis die Kickdrum aus einem Mix nicht mehr zu hören ist. Dies ist im DS1-MK3 meistens bei 250 Hz der Fall (Ausschalten des Monitorsschalter am Ende nicht vergessen!). Das Resultat: Subbass und Kickdrum bleiben stark und stramm stehen und regen den Kompressor nicht zur Regelung an! Lediglich der Frequenzbereich oberhalb von 250 Hz wird verdichtet, also Mitten, Präsenz und Höhen. Vor allem auf diese Weise kommt man mit Single-Band-Kompressoren per Sidechain-Filterung zu druckvollen Masters mit gesunden und drückenden Bässen.

Release the Release Contour

Ein absolutes Highlight im DS1-MK3 sind die komplexen Regelmöglichkeiten für die Release-Parameter. Mit »Release Delay« wird z. B. der Ersteinsatz der Release-Regelung künstlich verzögert. Mit diesem Regler lassen sich also im Einzelfalle Pump-Effekte vermeiden. Danach folgen satte drei Potis für das Einstellen des eigentlichen Release-Verhaltens. Um haarklein zu verstehen, was hier in dieser Sektion mit der Release-Countour geschieht, rate ich dringend zu der Lektüre des Softube-Manuals auf Seite 401. Es folgt hier stattdessen also ein Shortcut, wie man schnell und intuitiv damit arbeitet:

Für »Release Fast« sollte man kurze Attack-Werte nehmen, für »Release Slow« lange. Gute Werte aus der Realität sind bei »fast« 40 bis 100 ms und bei »slow« 500 bis 1.000 ms. Eine Sekunde ist übrigens eine typische Nachregelzeit für Musik oder Vocals. Dabei hat es sich beim DS1-MK3 bewährt, stets auf die beiden gelben LEDs links und rechts neben »Average« zu achten. Dreht man Average in die eine oder andere Richtung, fangen die etwaigen LEDs an zu blinken. Wenn also beide jeweils im Sweetspot ihrer Regelzeiten ihre Aktivität »durchblinken«, stellt sich oft der beste Sound in der Summe ein. Make it blink! Hier hilft experimentieren.

Zur Abteilung Softknee versus Hardknee gibt es im Bereich Pop, Rock bis Dance nicht viel zu sagen: Softknee empfiehlt sich in diesen Genres nicht, bitte nehmt Hardknee für die Einstellung der Kennlinie des Kompressors bei allen Musikrichtungen, die viel Rhythmus und dynamische Dichte oder viel Energie haben. Für Unplugged-Konzerte mit Akustikgitarre und einem Sänger darf man dann ruhig mal Softknee ausprobieren.

Viel Spaß beim »gluen« und aufpumpen eurer Mixdowns.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Resultat: Subbass und Kickdrum bleiben stark und stramm stehen und regen den “Kompressor nicht zur Regelung an! Lediglich der Frequenzbereich oberhalb von 250 Hz wird verdichtet”

    Hab ds1-mk3 zwar noch nicht getestet aber normalerweise ist ein SIDECHAIN filter dafür da das die frequenzen <250hz den Kompressor (wie im ersten Satz richtig gesagt) anregt. Dennoch wird das gesamte Material verdichtet. Und nicht nur das Material oberhalb von 250Hz. ?!
    Oder bin ich auf dem falschen Dampfer?

    Auf diesen Kommentar antworten
    1. Das war auch mein erster Gedanke.

      Definitiv falsch formuliert von Seiten des Autors…

      Auf diesen Kommentar antworten
  2. Hi Daniel!

    Hier der Autor 🙂

    Klar, technisch gesehen hast Du recht. Auch die Frequenzen unterhalb von 250 Hz würden theoretisch die Kompression erfahren. Tun sie aber nicht, da wir die ja durch das Filter der Sidechain aus der Triggerung des Compressors rausgenommen haben.

    Außerdem liegen in den tiefen Bereichen bei Kick und Bass bis Subbass deutlich mehr Amplitudenenergie, so daß der Bass wirklich kaum komprimmiert wird (Weil der Kompressor nicht von ihm angeregt wird). Im Idealfall läuft der höchstens am Ende der Kette gegen einen hoffentlich subtil eingestellten Limiter der bis maximal -3dB GR anzeigt.

    Rein effektiv klingt der so komprimmierte Track exakt so wie ich beschrieben habe: Kick und Bass bleiben stehen.

    Probiers doch mal aus. /.-)

    Im Prinzip klingt es final nach einer solhen Behandlung so wie ich versucht habe zu beschreiben.

    Liebe Grüße!

    Auf diesen Kommentar antworten
    1. Sorry, das ist noch immer nicht korrekt. Bei einem Breitband-Kompressor erfahren alle Frequenzen dieselbe Pegelreduktion. Wenn Du 2-3 dB komplrimierst, dann wird der Bass wie alles andere genau um diese 2-3 dB komprimiert. Es ist irrelevant, ob diese Kompression von Frequenzen über 250 Hz getriggert werden, oder vom gesamten Spektrum des Signals.
      Was Du beschreibst passt auf einen Zweiband-Kompressor.
      Der Klangeindruck kann dann natürlich durchaus so sein, “als ob der Bass nicht komprimiert würde”. Deine Formulierungen bringen aber Klangeindruck und technischen Fakten in ungünstiger Weise durcheinander.
      Richtig ist, dass bei einem solchen Side chain je nach Arrangement die Hüllkurve der Bass-Instrumente weniger stark die Hüllkurve des Kompressors steuert. Das kann musikalisch klingen, oder auch nicht. Es kann sein, dass die von der Dynamik des Contents über 250 Hz generierte Kompressions-Hüllkurve nicht zur Hüllkurve des Contents unter 250 Hz passt.

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  3. Hi Rumi!

    Erstmal hierzu:

    RUMI: “Richtig ist, dass bei einem solchen Side chain je nach Arrangement die Hüllkurve der Bass-Instrumente weniger stark die Hüllkurve des Kompressors steuert.”

    Richtig.

    Die Hüllkurve packt die Mitten und Höhen ein. Und bei >250Hz auch die Tiefmitten = Glue.

    RUMI: “Das kann musikalisch klingen, oder auch nicht. Es kann sein, dass die von der Dynamik des Contents über 250 Hz generierte Kompressions-Hüllkurve nicht zur Hüllkurve des Contents unter 250 Hz passt.”

    Falsch.

    Es klingt bei der Musik die ich im Workshop als vorrangig passend für meine Anleitung angegeben habe – nämlich Musik mit viel Rhythmus und Bassfreude – FAST IMMER (95% der Fälle) besser als eine Kompression OHNE Sidechainfilterung bei 250-300 Hz. Da lasse ich mich gerne auf extensive Shoot-outs ein. Für Balladen ohne Bass gilt das nicht.

    Apropos BASS-Kultur. In fast allen aktuell populären musikalischen Richtungen hat sich die Tendenz eingeschlichen, den Bass äußerst prominent zu halten. Selbst im bisher eher wertkonservativen Klassikbereich nimmt aktuell das Bedürfnis zu “unten rum” genug “Oomph” zu haben. Man entfernt sich vom Realismus der Philharmonie. Generationen von Batman / Superhelden-Soundtracks und Hans Zimmer Breitbandorchestrierungen haben da ihre Spur hinterlassen. Sogar Schlager pumpen mit 909-Gewalt, Clubmusik ist Heute im Vergleich zu den 80ern sehr viel basslastiger.

    Daher behaupte ich, was Du gerne anders sehen darfst, dass es für Dance, Pop und Rock sehr viel Sinn macht, den Bereich unterhalb von 250Hz nicht so stark zu verdichten, was definitiv meine Einstellung tut. Genau für solche Fälle empfehle ich dringend den Singleband-Kompressor so einzustellen, dass das Filter der Sidechain den Bereich von 0 bis 250 (Manchmal gehe ich auch bis 300 hoch) aus der Triggerung raus nimmt. Nur so entsteht das Verdichtungsartefakt das ich bevorzuge: Intakte Kickdrum, intakter Subbass und schön verdichtete Mitten bis Höhen. Kleines Detail am Rande: Bei meiner Einstellung sind die Kickimpulse final das was beim Mastering-Limiter noch anklopft, selten andere Instrumentenanteile!

    /.-)

    Auf diesen Kommentar antworten
  4. Jungs. /.-)

    Ok, ich versuch mal zu erklären worauf ich hinaus will. Bitte lest um die folgenden Zeilen zu verstehen auch nochmal das erste Viertel meines Artikels oben!

    Und um HIMMELSWILLEN probiert meine Einstellungen, die ich oben erkläre, mal aus. Sonst verliere ich total die Lust hier weiter hinein zu kommentieren. Ich komme nicht klar mit einem Diskussionseinstand à la “Hab ds1-mk3 zwar noch nicht getestet aber normalerweise… ”

    Folgender Absatz hat Euch nicht erreicht, ich gebe zu dass er ungenau geschrieben ist und wir werden das daher auch im Sinne der Verständlichkeit im Text nachbessern:

    ORIGINAL:
    “Resultat: Subbass und Kickdrum bleiben stark und stramm stehen und regen den “Kompressor nicht zur Regelung an! Lediglich der Frequenzbereich oberhalb von 250 Hz wird verdichtet””

    Zugegeben, salopp formuliert.

    BESSER:
    “Resultat: Subbass und Kickdrum bleiben stark und stramm stehen und regen den “Kompressor nicht über die Maßen zur Regelung an! Lediglich der Frequenzbereich oberhalb von 250 Hz wird musikalisch verdichtet. Oder anders: Durch das Heraushalten der hohen Peaks der Kickdrum oder slammender Bassnoten aus der Triggerung des Kompressors, wird dieser vorrangig nur dann herunter regeln, sobald Tiefmitten, Mitten- oder Höhenimpulse den eingestellten Threshold erreichen.”

    Beweisen dass das funktioniert, lässt sich das übrigens über die Anzeige der Gain Reduction. Nimmt man das Filter wieder zurück oder dreht es auf 0 Hz, wird die GR stärker ausschlagen! Ich favorisiere eine durchschnittliche GR von -1 bis -2 und es macht Sinn dass der VU-Zeiger schön nervös “zappelt”. Wenn er bei -3dB klebt, klingt das Master nicht besonders luftig.

    Noch ein bisschen Zusatzinfo aus der Praxis:

    – Ein Singleband-Compressor mit Sidechainfilter ist das meist genutzte Dynamiktool im Masteringbereich. Punkt, Basta. Isso. Dualband-Kompressoren sind ein anderer Schuh und prinzipbedingt der “Multiband”-Gattung zugehörig. Darüber spreche ich oben nicht. Multibandkompressoren haben im Masterinbereich außerdem den Ruf etwas zu aseptisch zu klingen und bringen dem Mixdown selten einen so runden und “musikalisch” klingen Glue, wie Singlebandkompressoren mit einstellbarem Sidechainfilter.

    – Absolut üblich sind im Masteringbereich weiterhin Ratios von lediglich 1:1.2 bis 1:1.5 bei einer GR von -1 bis maximal -2! – Man verdichtet MITNICHTEN stark während einer Stereobuskompression, denn Kompression ist ein künstliches Artefakt, welches man nur zulässt, wenn es der Signalverständlichkeit HILFT!

    Ich habe noch nie eine Kompressoreinstellung (Außer bei Parallel-Compression) gehört, die während des Masterings bei 1:5 besser geklungen hätte, als die gleiche Einstellung bei 1:1.2.
    Hier gilt: WENIGER ist mehr. So gut wie immer. Vor allem während einer Masteringaufgabe und mit Zuhilfenahme eines Mastering-Kompressors wie Algorithmix SplitComp, PSP MasterComp (Checkt hier mal das Preset “Gentle Master” und stellt den Threshold mal auf -1 bis -2dB GR) oder dem hier vorgestellten Weiss DS1! Wie Daniel Weiss es geschafft hat, dass ich mich mit dem DS1 dazu verführt sehe eine GR von -1 bis maximal -3dB zu fahren, kann ich nicht beantworten. Es klingt einfach fresh, wo normalerweise -2dB GR das Limit darstellt!

    DISCLAIMER:
    Wie gesagt: Ich rede im Text von einer maximalen GR von -3dB. Üblich sind eher 1-2 dB GR im Masteringbereich. Diese GR-Zahl bedeutet NICHT dass jedes Signal das durch den Kompressor läuft, dessen Hüllkurve auslöst, sondern eben nur manche. Das Anheben des Outputlevels um die “gefühlte” Lautheitsabsenkung, erzeugt final dann die Illusion eines bassfreundlich verdichteten Musikstücks. DAS ist dann auch u.a. der GLUE-Effekt! Meine Aussage wird also nur verständlich, wenn ihr das als Dynamikprozess versteht, denn die GR ist nun mal dynamisch und soll MITNICHTEN ständig bei -3dB peaken. Mein Ziel im Artikel ist es Euch anzustiften eine Masteringeinstellung auszuprobieren (Hat das eigentlich auch nur Einer von Euch drei Kommentatoren gemacht?) die folgendes mit einem Stereomix anrichtet:

    – Minimale GR von -1dB
    – Durschnittliche GR von -1 bis selten -2 (Hinhören!)
    – Maximale GR von -3dB für die drei, vier all zu kecken Peaks in einem Mix (Beckenschlag auf der 1, whathaveyou)

    Um dieses Ziel zu erreichen habe ich so formuliert:

    “Nun könnt ihr mit einem beherzten Griff den Threshold langsam so weit herunter ziehen, bis die Gain-Reduction-Anzeige (GR) − also der eigentliche Kompressionsgrad angezeigt in dB − möglichst dynamisch zwischen −1 und −3 dB zappelt. »Zappeln« meine ich wirklich wörtlich. Wenn sich die Gain-Reduction nämlich nicht mehr bewegt, läuft euer Mix irgendwo gegen eine Wand, und sehr wahrscheinlich haben die Attacks, und damit auch der Punch, bereits gelitten. ”

    Kurzum: Es soll im VU-Meter zappeln, nicht kleben… 😉

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