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Live-Recording mit Steinberg Cubase

Steinberg Cubase – Live-Recording

Wie einige andere Hersteller entwickelte auch Steinberg bereits eine maßgeschneiderte Speziallösung für rechnergestütztes LiveRecording: “Nuendo Live”. Selbstverständlich lassen sich grundsätzlich auch mit Cubase Konzerte Konzerte mitschneiden. Hier ein paar Tipps dazu …

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Systembezogene Massnahmen

Besonders in einem Live-Szenario gilt es, die Systemstabilität auf ein Maximum zu erhöhen. Insofern macht es Sinn, Prozesse, die nichts mit der Session am Hut haben, aus dem System zu verbannen. Hintergrunddienste, wie Skype, Dropbox, Antivirenprogramme oder gar der Bildschirmschoner, haben in solchen Situationen nichts verloren, und häufig entlarvt auch ein Blick in den Task-Manager unnötige Prozesse.

Praktischer Web-Service: Auf der Homepage von Sounddevices kann man die tech nischen Anforderungen eines Live-Recordings kalkulieren lassen.

Im Gegensatz zu einer Studio-Aufnahme werden sich die Musiker auf der Bühne nicht nach einem Playback − zumindest nicht vom Aufnahmesystem stammend − richten. Somit spielt auch das Thema “Latenz” keine Rolle. Im Audio-Treiber kann man die Puffergröße getrost auf den maximal möglichen Wert setzen, beispielsweise auf 1.024 oder 2.048 Samples. Beim Live-Mitschnitt mit vielen Signalquellen schießt der benötigte Speicher – platz rapide in die Höhe. Ein Konzert mit 24 Spuren bringt es bei einer Abtastrate von 48 kHz und 24 Bit Wortbreite auf stattliche 12 GB − pro Stunde!

Praktischer Web-Service: Auf<br /><br /> der Homepage von Sounddevices<br /><br /> kann man die tech nischen Anforderungen<br /><br /> eines Live-Recordings<br /><br /> kalkulieren lassen.

Auf der Web-Seite eines amerikanischen Herstellers von Field-Recordern (www.sounddevices.com/calculator) steht eine hübsche Oberfläche bereit, mit der man das Datenvolumen unter Beachtung aller Variablen berechnen kann . Anhand der Datenrate, gemessen in “kB/Sekunde”, lässt sich bestimmen, welcher Datendurchsatz der Festplatte erforderlich ist. Ähnliches gilt auch für das AudioInterface bzw. den Bus, über den es an den Computer angeschlossen ist. Dieses Thema wäre an sich schon einen eigenen Artikel wert − letztendlich kommt man aber mit der USB3.0-Schnittstelle schon extrem weit, da deren Übertragungsgeschwindigkeit den Flaschenhals einer FireWire-Schnittstelle, die vor wenigen Jahren noch als Standard bei computergestütztem Recording galt, bei Weitem übertrifft.

Schon beim Start von Cu -<br /><br /> base lässt sich der Pfad des<br /><br /> Aufnahmeordners definieren.
Schon beim Start von Cu – base lässt sich der Pfad des Aufnahmeordners definieren.

Projekteinstellungen in Cubase

Beim Start von Cubase sollte man einen Aufnahmeordner, am besten nicht auf der Systemplatte, definieren.

Im neuen Projekt gelangt man durch [Shift]+[S] in die »Projekteinstellungen«. Dort ist es empfehlenswert, das Projekt mit einer ausreichenden “Länge”, z. B. “2:00:00:00”, zu versehen.

Auch das unter “Typ” angewählte Dateiformat ist sehr wichtig. “AIFF” beispielsweise unterstützt eine maximale Dateigröße von nur 2 GB, das “WAV”- Format immerhin schon 4 GB. Eine Weiterentwicklung von WAV wäre hingegen das sogenannte “Broadcast Wave Format”, kurz “BWF”. Dieses kann zusätzlich Metadaten wie Timecode-Position, Toningenieur oder Interpret speichern.

In den Projekteinstellungen<br /><br /> findet man wichtige Parameter<br /><br /> wie Samplerate oder Dateiformat.
In den Projekteinstellungen findet man wichtige Parameter wie Samplerate oder Dateiformat.

Zuletzt sollte man die Abtastrate überprüfen, mit der die Dateien geschrieben werden sollen. Dieser Wert hängt stark davon ab, ob man die Einzelsignale von einem analogen Mischpult erhält und somit freie Wahl über die SamplingFrequenz hat. Ist das Audio-Interface direkt (oder über MADI bzw. ADAT) mit einem Digitalpult, welche häufig 48 kHz und 24 Bit ausgeben, verbunden, ließe sich somit eine sofortige Abtastratenkonvertierung umgehen bzw. etwaige Probleme hinsichtlich WordClock-Synchronisation reduzieren.

I/O-Setup und Routing mit Cubase

Nachdem der gewünschte Treiber für das Audio-Interface in Cubase ausgewählt ist, kann man im Dialog “VST-Verbindungen” die entsprechenden Ein- und Ausgänge anlegen. Es ist meist sinnvoll, zuerst alle bestehenden Verbindungen, etwa “Stereo Bus 1”, zu löschen und danach in einem Aufwasch die gewünschte Zahl der Ein- und Ausgänge anzulegen. Die Schaltfläche “Bus hinzufügen” öffnet ein Fenster, das die Anzahl der Kanäle, deren Konfiguration (in diesem Fall “Mono”) und die Benennung verwaltet. Gibt man im ersten Feld die Kanalanzahl, beispielsweise “56” und im letzten “Mono In” ein, ist die Sache blitzschnell erledigt.

In den »VST-Verbindungen« lassen<br /><br /> sich alle physikalischen Ein- und Ausgänge<br /><br /> des Audio-Interfaces auf Mono-Busse<br /><br /> legen.
In den »VST-Verbindungen« lassen sich alle physikalischen Ein- und Ausgänge des Audio-Interfaces auf Mono-Busse legen.

Möchte man die Einzelspuren nach der Aufnahme auf den gleichen Kanälen ausgeben, etwa für einen virtuellen Soundcheck, kann man diesen Prozess im Tab “Ausgänge” wiederholen.

Je höher die Kanalanzahl, desto zeitaufwendiger ist auch das Routing. Doch ein kleiner Trick schafft Abhilfe. Im Arrangement genügt ein Rechtsklick auf den Spur-Header, um den Befehl “Audio-Spur hinzufügen” auszuführen. Im Dialog wird wieder die gleiche Kanalanzahl und Konfiguration (“Mono”) ausgewählt. Klickt man nun auf die erste und letzte der frisch erzeugten Spuren mit gehaltener [Shift]-Taste, sind alle selektiert. Ebenfalls mit gehaltener [Shift]-Taste wählt man nun im Eingang-Routing der ersten Spur “Mono In 1” aus. Das Routing-Panel findet man entweder im Mixer oder im Inspector. Automatisch nimmt Cubase die Zuweisung für die restlichen Spuren vor − mit aufsteigender Kanalnummer! Das funktioniert ebenso beim Ausgangs-Routing.

Das Eingangs- und Ausgangs-Routing<br /><br /> kann man sowohl in der MixConsole als<br /><br /> auch im Inspector anpassen.
Das Eingangs- und Ausgangs-Routing kann man sowohl in der MixConsole als auch im Inspector anpassen.

GUI anpassen in Cubase

Für eine bessere Übersicht lässt sich die Timeline im Arrangement per Rechts klick von “Takte+Zählzeiten” auf “Sekunden” oder “Timecode” umschalten. Über das Menü “Geräte” blendet die Funktion »Zeitanzeige« sogar ein separates Fenster ein, welches auch aus größerer Entfernung leicht abzulesen ist. Im gleichen Menü findet sich ebenfalls die Funktion “max. Aufnahmedauer”, die ein ähnliches Fenster für diesen wichtigen Parameter öffnet.

Eine Ordner-Spur hilft<br /><br /> bei der besseren Handhabung<br /><br /> von vielen Eingangskanälen.<br /><br /> Separate Fenster<br /><br /> zeigen Timecode und<br /><br /> max. Aufnahmedauer an.
Eine Ordner-Spur hilft bei der besseren Handhabung von vielen Eingangskanälen. Separate Fenster zeigen Timecode und max. Aufnahmedauer an.

Sehr praktisch ist es, wenn man alle Spuren per Drag&Drop in eine neu angelegte Ordner-Spur verschiebt. Dadurch lässt sich die Aufnahmebereitschaft oder das Input-Monitoring bequem mit den entsprechenden Schaltern der OrdnerSpur aktivieren und deaktivieren. Auch eine Marker-Spur erleichtert die spätere Navigation im Projekt. Schon während der Aufnahme könnte man vor jedem Song einen Marker mit den Tas – taturbefehlen [Strg]+[1] bis [Strg]+[9] »on-the-fly« einfügen. Abgerufen werden die Marker hingegen mit [Shift] und der entsprechenden Nummer.

Cubase 7 besitzt mit seiner Mix – Console die Möglichkeit, alle Insert-Slots, Effekt-Sends usw. mithilfe des Drop-Down-Menüs »Racks« auszublenden. So kann man sich eine Mixer-Ansicht erstellen, die nur die Eingangskanäle zeigt und mit größer skalierten Kanal-Fadern eine sehr gute Übersicht der Pegel und evtl. Peaks liefert.

Alle unnötigen Racks<br /><br /> der MixConsole wurden<br /><br /> hier ausgeblendet. Nur<br /><br /> die großen Bargraphen<br /><br /> neben den Fadern visualisieren<br /><br /> den Eingangspegel.
Alle unnötigen Racks der MixConsole wurden hier ausgeblendet. Nur die großen Bargraphen neben den Fadern visualisieren den Eingangspegel.
Die roten Eingangs-Fader regeln zwar den Pegel zur Audio-Spur, allerdings schützt dies nicht vor Übersteuerungen. Deshalb sollte man mit einem Rechtsklick die “Position der Pegelanzeige” von “Post-Panner” sicherheitshalber auf “Eingang” verschieben.

Programmeinstellungen

Im Menü “Datei / Programmeinstellungen” unter “Aufnahme / Audio” verbergen sich noch mehr praktische Befehle. Der erste heißt “Audio Pre-Record”. Hier ist ein Wert von maximal 60 Sekunden möglich. Ist diese Funktion aktiv, legt Cubase das Audiomaterial stets im Zwischenspeicher ab. Wird die Aufnahme versehentlich mal zu spät gestartet, lassen sich die AudioEvents nachträglich nach “links auf – ziehen”, und die verpasste Performance kommt zum Vorschein.

»Pre-Recording« und »Audio-Images<br /><br /> erzeugen«: wichtige Aspekte während<br /><br /> eines Live-Einsatzes
“Pre-Recording” und “Audio-Images erzeugen”: wichtige Aspekte während eines Live-Einsatzes

Allerdings sollte man nicht unbedingt den Maximalwert verwenden, da die wiederum die Rechenleistung in die Höhe treibt. Cubase speichert die Aufnahme im RF64-Format, “wenn aufgenommene Wave-Dateien 4 GB überschreiten”. Da dieses Format allerdings Kompatibilitäts – einschränkungen mit sich bringen kann, sollte man bei extrem langen Mitschnitten selbst entscheiden, ob man nicht die andere Option, “Dateien teilen”, anwählt. “Während der Aufnahme AudioImages erzeugen” ist eine weitere leistungsbezogene Funktion, denn Cubase berechnet während der Aufnahme gleich die Wellenform der Audio-Events, was eine gute optische Kontrolle erlaubt. Nur wenn das die CPU-Power des Systems nicht mitmacht, sollte man dieses Häkchen entfernen.

Nicht umsonst besitzt der Spezialist “Nuendo Live” wichtige Schutzfunktionen, um versehentliches Betätigen bzw. Ausrutscher an der Computertastatur zu ignorieren. Auch in Cubase kann man sich um diese gefährlichen Bedienelemente kümmern. Zum einen ist das die [Leer]-Taste, welche selbstverständlich neben dem Start auch den Stop-Befehl durchführt, zum anderen die [*]-Taste im Nummernblock, welche die Aufnahme startet und beendet. Des Weiteren bedarf die [R]-Taste besonderer Beachtung, denn sie kümmert sich um die Aktivierung und Deaktivierung der Aufnahme – bereitschaft selektierter Spuren − auch im laufenden Betrieb!

Wer seine Funktastatur also während der Session nicht ausschalten möchte, sollte im Menü “Datei / Tastaturbefehle” die entsprechenden Shortcuts ausfindig machen und (nach dem Sichern dieser Einstellungen als z. B. “Studio”-Preset) für ein ruhiges Gewissen komplett löschen (siehe Abb. 09). Für Studio- und Live-Recording empfiehlt sich also, jeweils ein eigenes Preset anzulegen.

Das Löschen einiger Tastaturbefehle<br /><br /> dient als Sicherheitsmaßnahme bei LiveAufnahmen.
Das Löschen einiger Tastaturbefehle dient als Sicherheitsmaßnahme bei Live-Aufnahmen.

Mehr Tipps zum Einsatz von Cubase auf der Bühne findest du in diesem Video:

 

 

 

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