Die Gesten

Gesang aufnehmen: Timing und Intonation durch Bewegungen verbessern

(Bild: Hannes Bieger)

Wenn zu wenig Energie im Spiel ist, kann man Timing und Intonation deutlich durch Bewegungen verbessern. Durch Bewegungen werden die Gefühle deutlicher im Körper ausgelebt, unterstützt und so fühlbar. Sie unterstreichen die Performance auf sehr natürliche Art und Weise. Wenn ein Sänger oder eine Sängerin den Körper beim Singen bewusst ausklammert, hat er damit Stress und Erwartungsdruck erzeugt.

Im normalen Leben gehören Gesten, Körperhaltungen und Körperspannung einfach dazu, wenn man sich mitteilt, diskutiert oder z. B. streitet. Warum nicht auch beim Singen? Der ganze Mensch teilt sich mit und teilt auch mit dem Zuhörer seine Stimmung und das, was er zu sagen hat. Wichtig ist, dass der Sänger die Verantwortung nicht ausschließlich in seine Stimme legt. Er soll seinen Körper am Ausdruck teilhaben, ihn mitsingen lassen.

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Aufgabe:

Mit Gesten und Bewegungen mit den Händen, die zu der Situation, die besungen wird, passen, legt der Sänger seine Aufmerksamkeit und Spannung ausschließlich auf die Hände, sie sind sein Ausdruck, dabei singst er.

Beobachtungen: Oft halten Sänger ihre Hände fest, stecken sie in die Tasche etc. Sie geben ihnen vermeintlich eine Aufgabe, nämlich nichts zu tun, weil sie nicht wissen, wohin damit. Diese vermeintlich „bequeme“ Haltung ist eine Verkrampfung und blockiert den Sänger extrem, ohne dass er es direkt erkennen kann. Es ist eben eine ihm vertraute Haltung.

Die so zurückgehaltene Energie kann man effektiver ins Singen investieren, wenn man sich eingesteht, dass die Hände nichts machen müssen. Sie dürfen aber mitreden und mitsingen, wenn sie wollen – ohne Zwang. Es erfordert anfänglich evtl. eine Überwindung, macht dann aber alles einfacher, fließender und bewusster.

Oft sieht man wie Sänger die Hände am Kopfhörer halten. Auch diese „coole Geste“ ist eigentlich eine Verkrampfung und suggeriert dir nur: „So genau zwischen meinen Händen liegt die Stimme, jetzt streng dich an!“

Ergebnis:

Es fühlt sich viel freier und natürlicher an so zu singen. Timing und Intonation sind deutlich sicherer. Der Gesang klingt akzentuierter, viel energetischer aber auch unkontrollierter. Eine aktive und starke Kontrolle der Töne beim Singen ist nie gut, das geht auf Kosten des Ausdrucks. Wenn die Melodie zu abgehackt wird, muss man noch etwas korrigieren, also das Ganze etwas „gebundener“ ausführen, hauptsächlich gedanklich, mental, dann bleibt die Energie, und die Töne wirken etwas homogener. Kommt aber natürlich auf die Situation und den Sänger an. Emotional gewinnt der Gesang ebenfalls stark. Die Töne werden durch die Bewegung auf Gefühlsebenen gebracht, im Sinne von Töne fühlen, raus aus dem Gedankenbereich. Emotionen sind im Körper schneller unterwegs als Gedanken.

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