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Soundtrack von Game of Thrones am Rechner nachproduziert!

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In drei Schritten zum Hit! In dieser Workshop-Reihe zeigen wir, wie und mit welchen Tools sich aktuelle Charthits und klassische Stilrichtungen zu Hause am eigenen Rechner (nach-)produzieren lassen. Diesmal wagen wir uns mit dem populären Titelthema der TV-Serie Game of Thrones ins Filmmusik-Genre vor. 

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Gab es in früheren Jahren noch einen spürbaren qualitativen Unterschied zwischen Fernseh- und Kino-Produktionen, so hat sich dies heute vor allem durch geändertes Konsumverhalten und die Erwartungen des Publikums stark verändert. Fernsehserien werden inzwischen mit einem vergleichbaren Budget und Aufwand gedreht und stehen teuren Kinoproduktionen in keinster Weise nach.

Dies gilt auch für die Musik, wie im hier vorliegenden Fall. Sie ist sehr orchestral angelegt, vorwiegend instrumental und auf die unterschiedlichen Charaktere der Serie ausgerichtet. Das Orchester wurde in Prag aufgenommen, die Aufnahmen übers Internet von Komponist Djawadi überwacht und geleitet. Der prominenteste Part ist die gesamte Serie überspannende Titelsequenz, kurz »Main Title«, an der wir uns orientieren.

Für die Umsetzung im Rechner kommen verschiedene Kontakt-Libraries von 8Dio und Native Instruments zum Einsatz. Das dem Thema zugrundeliegende MIDI-File stammt von Geerdes Media.

Leitmotiv & Instrumentierung

Nach einem kurzen Intro folgt das von einem Solo-Cello gespielte Leitmotiv. Komponist Djawadi hat das Cello zum Hauptinstrument gekürt, da es mit seinem dunkleren Sound besser zur düsteren Atmosphäre der Serie passt und sich die Produzenten einen eigenständigen Sound abseits der in diesem Genre häufig verwendeten Flöten und Violinen wünschten.

Während sich ganze Ensemble-Gruppen gut mit Samples darstellen lassen, ist dies bei Soloinstrumenten äußerst schwer, da viele Details für einen authentischen Sound berücksichtigt werden müssen. Einfache Samples klingen zu starr und leblos. 8Dio ist das mit den »Adagio Solo«-Instrumenten gut gelungen. Dynamische Klangverläufe sind entweder schon innerhalb der Samples vorhanden oder lassen sich per Modulationsrad überblenden. Außerdem können verschiedene Spielweisen auf der Tastatur per Keyswitch angewählt werden.


Diese Instrumente und Plug-ins halten den »Game of Thrones«-Soundtrack zusammen.


Die Komposition ist nach dem Frage-Antwort-Prinzip aufgebaut: Das Cello gibt das Leitmotiv vor, die übrigen Streicher »antworten«. Im weiteren Verlauf wird das Cello zunächst von einer Viola gedoppelt, bevor sich das Thema im nächsten Part weiter steigert, indem nun alle Streicher das Leitmotiv übernehmen und die Antworten für noch mehr Dramatik zusätzlich oktaviert werden. Auch die Sounds für die Violin- und Viola Ensemble stammen aus der »8Dio Adagio«- Library bzw. werden noch um einen Layer aus dem Majestica Orchester ergänzt.

Im nachfolgenden Teil wird eine Variation der Melodie vorgestellt, die schließlich im großen Finale mit Chor mündet (8Dio Lacrimosa Sustains). Über den gesamten Verlauf spielt ein Drone-artiges Brass-Pad tiefe langgezogene Grundtöne, die langsam anschwellen und die bedrohliche Grundstimmung untermalen. Die stetig präsente unterschwellige Percussion unterstützt dieses Gefühl ebenso mit großen düsteren Sounds, einem vorwärtstreibenden Basis-Groove und vielen Rolls aus der 8Dio Majestica Percussion, den Native Instruments Action Strikes sowie einigen gesetzten Einzelsamples.

Zusammengenommen fängt das Main-Theme das Gefühl der gesamten Serie ein. Ein klassischer Kniff der Komposition ist der kontinuierliche Wechsel zwischen Moll und Dur, was verschiedene Stimmungen auslöst und die ständigen Aufs und Abs und Wendungen der Serie widerspiegelt.

>>Hier findest du alle Spuren im Download.<<

Arrangement & Master

Arrangement: Der kontinuierliche Aufbau hin zum Klimax ist im vorangegangenen Abschnitt beschrieben. Insgesamt lässt sich aber noch festhalten, dass das »Game of Thrones«-Thema mit ca. 2 Minuten für eine TV-Titelmusik außergewöhnlich lang ist. Gleichzeitig ist es dadurch aber so modular und flexibel aufgebaut, dass es auch innerhalb der Serie immer wieder in Abwandlungen oder in Kombination mit anderen Musiken auftaucht und so für einen durchgängigen Soundtrack sorgt, der die einzelnen Szenen und übergreifend sogar die Staffeln als Ganzes zusammenhält.

Master: Die Summe wird in diesem Fall anders behandelt als in Pop-Produktionen, denn klassisch geprägte Musik hat einen viel höheren Dynamikumfang als Popmusik. Daher verdichtet der Slate Digital FG-Grey Summenkompressor nur unmerklich mit maximal 1 dB Gain-Reduction, gefolgt von einem UAD Pultec EQ, der sowohl Bässe als auch Höhen anhebt (+ ca. 2 dB bei 100 Hz und 10 kHz). Um den natürlichen Raumklang eines zusammenspielenden Orchesters zu emulieren, durchläuft die gesamte Summe einen Hall, der die einzelnen Spuren zu einem Gesamtklang »verwischt«.

Der Imager aus iZotopes Ozone 8 arbeitet frequenzabhängig und verbreitert das Stereobild ein wenig mit den Mittenbändern. Ein FabFilter Pro-L-Limiter rundet die Kette für einzelne Peaks ab.

Viel Spaß beim Experimentieren!


Game of Thrones / Ramin Djawadi

Game of Thrones ist eine aufwendig produzierte US-amerikanische Fernsehserie, die auch hierzulande überaus erfolgreich ist. Hinter dem Score steckt der gebürtige Duisburger Ramin Djawadi, der am renommierten Berklee College studiert hat und anschließend zunächst in Hans Zimmers Remote Control Studios bei Filmen wie Batman Begins oder Fluch der Karibik assistierte. Parallel erarbeitete er sich zunehmend einen Namen mit Filmmusiken und Scores für TV-Serien wie Prison Break, Person of Interest oder eben Game of Thrones.

Für den Score von Prison Break wurde Djawadi für einen Emmy in der Kategorie »Herausragende Titelmusik« nominiert. Seit 2017 ist Djawadi mitsamt Orchester auf der »Game of Thrones Live Concert Experience«-Tour.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. So richtig gut klingen die 8dio Streicher aber nicht.

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  2. 🙂 Sehr lieblos gemacht und die Midi Spuren kaum an die Librarys angepasst. Lediglich die Zebra Spuren und Teile der Percussion sind wirklich gut umgesetzt. Die 8Dio´s gefielen mir noch nie …. Spitfire oder Orchestral Tools zeigen da schoen eher wie es geht. Ein First Chair Cello ist mit Samples sehr schwer und nur mit sehr viel Bastelarbeit zu realisieren. Da reicht es einfach nicht aus eine Library mit Roh Midi Daten zu befeuern 🙂
    Der Hall ist auch furchtbar …. Impulse Response Bricasti M7 wäre für Orchestrale Sachen die bessere Wahl. Die kostenlose Version von Samplicity kann man mit Revelation wunderbar benutzen.
    Ein netter Versuch um Newbies zu zeugen was so geht, aber ich bin der Meinung .. mit euren Möglichkeiten geht es echt um Längen besser.

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