Field-Recording

Field Recording – Praxistipps aus Film- und TV-Anwendungen

Aufnahmen vor der Studiotür werden grundsätzlich von zwei Aspekten bestimmt: Man ist erstens dem Wetter ausgeliefert, und zweitens gibt’s keine Steckdose in der Nähe. Traditionell haben hier die „Tonangler“ aus Film- und TV-Produktion einen großen Erfahrungsschatz …

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(Bild: © Florian Camerer)

Möchte man eine Allegorie bemühen und die Studioarbeit mit „schöner Wohnen” vergleichen, dann wäre Field-Recording sicherlich die Abteilung Camping. Und Camping bedeutet, sich auf die Basics zu beschränken und sich auf Umgebungsbedingungen einzustellen. Unter diesem Gesichtspunkt sollte das optimale Erfassen des originalen Tons im Mittelpunkt stehen.

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Sound&Recording 12/15 – Field Recording Special 

In unserem Field Recording Special findest du einen Guide, der dir zeigt, wie du dich auf deine Field Recordings vorbereitest, welches Equipment zu du deinen Aufnahmen brauchst und wie man mit Störgeräuschen wie beispielsweise Wind umgeht. In unserem Denoising-Tutorial zeigen wir dir, wie du mit verschiedenen Plugins Störgeräusche entfernen kannst. Die Testberichte zum Zoom F8, dem portablen Multitracker und dem Shure MV88, dem Aufsteckmikrofon für iOS-Geräte,zeigen dir, wie flexibel du heute mit den Recordings bist. In einer Story erzählen uns die beiden Sound Design Spezialisten von Tonsturm von ihren Field Recordings am Limit – Sie bringen selbst Wände zum Beben!

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Ohne Strom geht nix

Deshalb sollte zu Beginn des Ausflugs die Stromversorgung für den Aufnahmetag eingehend geplant werden. Mein Tipp: Den Angaben der Bedienungsanleitung zum Stromverbrauch sollten Sie nicht uneingeschränkt Glauben schenken. Sicherer ist es, sich eine ordentliche Portion passender Batterien einzustecken. Sie sind energie- und umweltbewusst und entscheiden sich für Akkus? Das ist löblich. Wissen sollte man dazu, dass die Stromversorgung über solche Zellen abrupter endet als bei Batterien und einem dadurch kaum Zeit bleibt, sich auf das Nachladen einzustellen.

Und hier kommt gleich der nächste Tipp: Gebrauchte und ungebrauchte Akkus immer deutlich voneinander trennen! Hilfreich kann es sein, die Batterien/Akkus in Behältnissen aufzubewahren, die entsprechend gekennzeichnet sind. Kleine digitale Spannungsmesser in der Größe eines Feuerzeugs sind überdies sehr nützlich.

DAT, CD, CF, SD …

In die gleiche Richtung sollten die Überlegungen für die Aufnahmenmedien gehen. Wird direkt auf eine Festplatte aufgezeichnet, entfällt selbstverständlich die Sorge um ausreichend Bandmaterial oder CF-Karten. Auch hier ist entscheidend, ob man nur einen kurzen Abstecher in den Stadtpark oder eine mehrtägige Expedition plant. Je nach Aufnahme- bzw. Kompressions-Format verkürzen und verlängern sich bekanntlich die Kapazitäten der Medien. Und weil Ordnung nicht das halbe, sondern das ganze Leben ist, bietet sich für die Datenträger ein ähnliches Ordnungssystem an wie beim Energiemanagement. Das erspart überflüssige Handgriffe.

Ton läuft … und Cut!

Man sollte sich der Einmaligkeit eines Geräusches oder O-Tons bewusst sein. Nichts ist da ärgerlicher als eine aufgrund technischer Probleme vermasselte Aufnahme. Ein kleiner Check, bevor man sich auf den Weg macht, sollte zur Routine werden. Besonders defekte Kabel sind unverzeihlich. Bei der Auswahl der Kabel sollte man auch darauf achten, nicht zu kurze oder zu lange Kabel einzupacken. Arbeitet man mit einem Mikrofon an einer Tonangel, sollte die Länge des Kabels die maximale Länge der Angel plus der eigenen Armlänge nicht allzu sehr überschreiten, da lange Kabelschlaufen einfach nur hinderlich und nervig sind. Vermeiden Sie es, Kabel mit Steckverbindungen zu verlängern, denn die Stecker können Störgeräusche verursachen.

Mikrofonzubehör

Das beste und teuerste Mikrofon nützt Ihnen nichts ohne das entsprechende Zubehör. Nebengeräusche, die durch Wind oder etwa das Halten des Mikrofons entstehen, sind hier die möglichen Fallen. Die im Film und Fernsehtonbereich erfolgreich eingesetzten Hilfsmittel können mitunter recht kostspielig werden. Preiswerte und durchaus für den Einstieg in die professionelle Location-Sound-Materie geeignete Produkte bietet u. a. Røde an. Bewährte professionelle Systeme der Firmen Rycote und Sennheiser oder neuere Windschutzkonzepte etwa von DPA können leicht mehrere Hundert Euro kosten.

Field Recording Nostalgie 

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Zumindest sollte man eine elastische Halterung, einen Windschaum (Windschutzfilter) und ein Mikrofonstativ (ggf. aus dem Studio) verwenden. Besser ist es, die Mikrofone durch entsprechende Halterungen (Pistolengriffe) von Körperschallstörungen und Windkörbe gegen Windeinwirkungen zu schützen. In der Filmtonpraxis hat sich die sogenannte Tonangel bewährt, eine leichte Teleskopstange, an deren Spitze sich – in einer Aufhängung meist gegen Griff- und Windgeräusche geschützt – ein Richtmikrofon befindet. Für reine Tonaufnahmen bringen Tonangeln den Vorteil, dass zum einen die Ausrichtung auf ein Geräusch schnell und flexibel vonstatten geht, zweitens die Geräusche, die man selbst durch seine Kleidung und Atmung verursacht, nicht mehr so nah an der Membran sind, und drittens der Abstand zu einem schlecht zugänglichen Schallereignis erleichtert und auch verringert werden kann.


 

Tipps & Tricks

Zum Abschluss noch in loser Auflistung einige nützliche Tipps aus der Praxis.

Hören bzw. Hinhören: Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber ich sag’s trotzdem: Damit Ihre Geräusche in gewünschter Qualität aufs Medium gelangen, ist ein Kopfhörer während der Aufnahmen Pflicht. Besondere Aufmerksamkeit gilt hier den subtilen Nebengeräuschen, die unser Gehör gerne automatisch bzw. aus Gewohnheit ausblendet wie z. B. konstantes hochfrequentes Sirren einer Maschine. Und beachten Sie bitte unbedingt folgenden Punkt. Hören Sie tatsächlich, was Sie hören möchten, bzw. wird der Zuhörer das Aufgenommene hinterher auch erkennen? Überprüfen Sie Ihre eigene Wahrnehmung, und nehmen Sie einen Regenschauer auf: Klingt es bei der Wiedergabe tatsächlich nach herabfallenden Regentropfen, oder rauscht es wie eine Friteuse? Geräusche gut aufzunehmen will geübt sein.vergleiche

Ansagen und Tonberichte: Nehmen Sie vor einer Aufnahme eine kurze Ansage vor dem eigentlichen Take auf, um das Motiv kurz beschreiben. Filmtonleute sind es gewohnt, ganze Tonberichte von ihren Aufnahmen zu machen, um die Orientierung in der Postproduktion zu erleichtern. Darin enthalten sind u. a. Angaben zur Ausrüstung, Format, Ort, Zeit und Gegenstand der Aufnahmen.

Mehr als nötig: Scheuen Sie bei seltenen oder einmaligen Aufnahmegelegenheiten keinen höheren Aufwand! Denn damit kann man durchaus mehrmals Geld verdienen. Eine gut gemachte Aufnahme etwa aus einem vollen Fußballstadion kann beispielsweise interessant für einen Fernseh- oder Radiospot sein. Allerdings sind dort in der Regel sehr hohe Aufnahmequalitäten gewünscht.

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Übersichtliche Bedienung und praxisgerechtes Design: Marantz PMD 670 (Bild: Harald Heckendorf, Dieter Stork, Archiv)

Kleidung und Klima: Nicht zu unterschätzen ist eine den Witterungsverhältnissen entsprechende Vorbereitung. Sonnencreme im Sommer oder fingerlose Handschuhe im Winter können hilfreich sein, wenn man mehrere Stunden an der frischen Luft arbeitet. An besonders kalten Tagen empfiehlt es sich, auch kleine „‚Knack-und-Back”-Akkus einzustecken, an denen man sich die Hände wärmen kann. Akkus/Batterien sollte man ebenfalls möglichst warm halten. Dabei kann es schon helfen, die Ersatzakkus in der Innentasche einer gefütterten Tasche zu tragen.

Tragekomfort: Je nach Gewicht der Ausrüstung, die man über Stunden mit sich herumträgt, kann es sinnvoll sein, einen sogenannten Kreuzgurt zu verwenden, der das Gewicht eines Recorders gleichmäßig auf die Schultern verteilt. Diese Kreuzgurte sind z. B. bei Filmausrüstern oder in Modellbaugeschäften erhältlich.

Nochmal Wind und Wetter: Manchmal will man ja Wind und Wetter auf der Tonspur erfassen, aber generell sollten Windschaum oder besser Windkorb und Fell eingesetzt werden. Allerdings sind professionelle Sets schon mal so teuer wie manches Mikrofon.

Aufmerksamkeit der Umgebung: Gelassen bleiben, auch wenn es nervt, dass man im Zentrum der Aufmerksamkeit steht und von Passanten angequatscht wird. Die eigene Immunstärke verbessern, indem man sich Wim Wenders Film „Lisbon Story” ansieht.

Mikrofone unauffällig positionieren: Das richtige Befestigungsmaterial kann helfen, ein Mikrofon unauffällig zu platzieren und so die die Aufmerksamkeit der Umgebung gar nicht erst aufkommen zu lassen, und ist zudem nützlich, um die Schallquelle optimal zu erfassen. Bewährte Helfer sind hier Krokoklemmen oder Magic-Arms (verriegelbare Gelenkarme, erhältlich z. B. im Fotohandel).

Qualität und Quantität der Aufnahmen: Je rarer die Aufnahmesituation ist, umso umfangreicher sollte das Material werden. Stichworte hier: immer verschiedene Klangperspektiven aufnehmen!

Ausrüstung mieten: Je nach Stellenwert der Aufnahmen kann man auch überlegen, eine erstklassige Ausrüstung komplett zu mieten. Ideale Werkzeuge werden in den Metropolen der Republik von Filmausrüstern als Pakete, aber auch einzeln für Tages- oder Wocheneinsätze vermietet (Versand nach Hause u. U. möglich). Professionelle Richtmikrofone gibt’s schon für unter 10 Euro pro Tag. Nicht zuletzt kann man natürlich auch eine komplette Toncrew engagieren, um die Aufnahmen von einem Spezialisten machen zu lassen. Unter crew-united.com finden Sie jede Menge Kollegen, die sich auf diese Facette des Tonhandwerkes bestens verstehen.


 

Checkliste: Der Recorder

Geeignete Recorder für Aufnahmen in freier Wildbahn gibt es derzeit für fast jeden Geldbeutel. Die Spannbreite reicht von 79,99 bis ca. 20.000 Euro. Eines der preiswertesten Mittel für portable Aufnahmen wäre ein digitaler Voice-Recorder mit Mikrofoneingang – aber ist dessen Klangqualität ausreichend? Und lässt sich das Gerät komfortabel und sicher handhaben? Zudem sollte man noch einige weitere Punkte klären, bevor man einen Field-Recorder kauft.

– Welche Spurenanzahl brauche ich für meine Vorhaben? Reichen zwei Spuren, oder möchte man vielleicht Surroundaufnahmen mit getrennten Spuren machen können?

– Hat der Recorder eine umschaltbare Eingangsstufe und eine Vordämpfung? Werde ich mit einem sehr hohen Ausgangspegel, etwa mit einem Kondensatormikrofon, arbeiten?

– Besitzt der Recorder einen zuschaltbareren Hochpassfilter (Low-Cut), damit ich Griffgeräusche oder Windgeräusche halbwegs vermeiden kann?

– Habe ich die Möglichkeit, die Aufnahme manuell auszusteuern? Ist die Pegelautomatik abschaltbar? – Kann ich mich auf eingebaute Mikrofone verlassen? Wie gut ist der Mikrofonvorverstärker für externe Mikros?

– Kann der Recorder auch Mikrofone mit der nötigen Phantomspeisung versorgen?

– Besitzt der Recorder einen Limiter, und wie (gut) arbeitet dieser?

– Welche Abhörmöglichkeiten habe ich? Muss ich einen geeigneten Kopfhörer anschaffen?

– Habe ich guten Zugriff auf die Bedien- und Anzeigeinstrumente während der Aufnahme?

– Welches Zubehör ist zu welchem Preis erhältlich? Kann ich bereits vorhandenes Studioequipment in meine Outdoor-Aktivitäten einbinden?

– Welche Erweiterungsmöglichkeiten habe ich, wenn meine Anforderungen an die Aufnahmequalität im Laufe der Zeit steigen?

– Wie robust soll oder muss mein Recorder sein? Plane ich harte Bergexpeditionen oder nur kurze Ausflüge in den Stadtpark?

– Und nicht zuletzt: Wie schwer ist der Recorder? Wie steht es um seinen Tragekomfort?

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