Klangvarianten aus einer Snare zaubern

Drum Recording – Tuning Tipps

Voraussetzung für einen guten Gesamtsound beim Drum-Recording ist ein gut gestimmtes Schlagzeug. Viele Drummer haben mehrere Snares am Start, um unterschiedliche Klangcharaktere schnell anbieten zu können. Mit einem kleinen Trick kann man sich helfen, wenn mal keine alternative Snare zur Hand ist, aber trotzdem verschiedene Klangvarianten gefragt sind: gezielte Verstimmung!

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Benötigt man für den einen oder anderen Song mal einen satten Balladen-Sound, hat aber im Drumset nur eine und nicht gerade für diesen Sound typische Snare Drum, so kann man sich mit folgendem Trick behelfen: Die Stimmschraube, in deren Bereich eine Dämpfung angebracht ist (Moongel, Oberton Killer), wird stark herunter gestimmt oder sogar ganz entspannt. Durch diese partielle Verstimmung des Schlagfells wird die Snare Drum nun einen satteren Sound mit weniger Oberton erzeugen. Diese Methode wurde u. a. von dem legendären Drummer Jeff Porcaro live eingesetzt, um mit einer ansonsten sehr hoch gestimmten Snare Drum auch Balladen mit satten Sounds spielen zu können. Der Trick funktioniert interessanterweise am besten mit relativ hoch gestimmten Metallkessel-Snare-Drums.

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Detune-Trick 1: Fette Sounds bei hoher Stimmung (Bild: Dieter Stork)

Fette Sounds bei Hoher Stimmung

Für einen satteren Ton einer für ein gutes Rebound-Gefühl relativ hoch gestimmten Snare Drum und eine sensiblere Ansprache des Snare-Teppichs verwendet der britische Studio- und Live-Drummer Dave Mattacks (Fairport Convention, Paul McCartney, Chris Rea u. a.) folgende Methode: Das Schlagfell wird in seiner Gesamtheit verstimmt (siehe Bild 1). Ausgehend von einer gleichmäßigen Stimmung wird die Stimmschraube in der Position »6 Uhr« um etwa eine komplette Umdrehung entspannt, die beiden Stimmschrauben links und rechts daneben um jeweils eine halbe Umdrehung. Die Stimmschraube in der Position »12 Uhr« wird um eine komplette Umdrehung höher gespannt, die Schrauben links und rechts daneben jeweils um eine halbe Umdrehung. Anschließend noch mal fein abstimmen. Funktioniert mit allen Snare Drums, deutlichste Ergebnisse liefern allerdings Snare Drums mit den Kesselmaßen 14″ x 6,5″.

Snareteppich resoniert zu stark

Wenn der Snareteppich zu sensibel auf eine bestimmte Frequenz/Tonart reagiert und das prinzipiell gute Tuning etwas aus einem bestimmten Frequenzbereich herausgenommen werden muss, dann hilft ein kontrolliertes Detuning − im Prinzip ähnlich wie bei der oben beschriebenen Methode von Dave Mattacks.

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Detune-Trick 2: Weniger Resonanzen! (Bild: Dieter Stork)

Voraussetzung dafür ist erst einmal eine gleichmäßige Stimmung des Instruments und ein sauber ausklingendes Sustain. Die Stimmschraube auf »12 Uhr« wird jetzt ganz leicht um etwa eine halbe Umdrehung herunter gestimmt, die auf »6 Uhr« etwa eine halbe Umdrehung hoch gestimmt. Die beiden Stimmschrauben links und rechts der 12-Uhr-Position werden noch weniger, etwa nur eine Viertel-Umdrehung herunter gestimmt und die beiden Schrauben links und rechts der 6-Uhr-Position ein ganz klein wenig höher, vielleicht ebenfalls nur eine Viertelumdrehung, mehr nicht. So wird das Schlagfell über eine quer zur Spielerposition verlaufende Achse etwas gekippt.

Um nachfolgend Obertöne zu eliminieren, wird im Bereich der Stimmschraube auf 12-Uhr-Position oder links und rechts davon etwas Dämpfung aufgebracht (z. B. 2 x 2 cm Gaffer-Tape-Röllchen mit nach außen gewandter Klebeseite o. Ä.). Dann mit der Snareteppich-Spannung arbeiten, etwas straffer oder etwas lockerer einstellen, doch so, dass ein satter Sound bei Backbeats entsteht und bei leiser Dynamik eine konkrete Ansprache von Ghost-Notes erhalten bleibt (Bild 2).

 

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