Hits zum Nachbauen

Drangsal – Love Me Or Leave Me Alone – De/constructed

In drei Schritten zum Hit! In dieser Workshop-Reihe zeigen wir, wie und mit welchen Tools sich aktuelle Charthits und klassische Stilrichtungen zu Hause am eigenen Rechner (nach-)produzieren lassen. Diesmal haben wir für euch den aufregenden Newcomer Drangsal analysiert, der derzeit mit seinem Debütalbum Hariescheim sowie den Singles Allan Align und Love Me Or Leave Me Alone für Aufsehen sorgt. An letzterer orientiert sich unser Beispielpattern. Seht euch hierzu auch unseren Videoworkshop an.

Aufmacher-Drangsal-Jim-Rakete

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Style-Analyse & Drums

Nanu, Flashback in die 80er? Was einem da aus den Boxen entgegenschallt, klingt wie eine originale Reproduktion des Synthiepop-/ New Wave-Jahrzehnts, mit Reminiszenzen an Bands wie Depeche Mode, The Smiths, The Cure oder Joy Division. Faszinierend ist dabei, dass der Protagonist hinter Drangsal, Max Gruber, mit 23 Jahren diese Zeit gar nicht selbst erlebt hat, Theatralik, Sound, Style und Songwriting der Postpunk-Ära aber überzeugend und detailgetreu adaptiert. Dazu gehören viel Hall, weiträumige dicke Snares, cleane Chorus-Gitarren, melodiöse Basslines und glasklare Synths. Für die Umsetzung im heimischen Rechner kommen der Abbey Road 80s Drummer, der Scarbee Rickenbacker Bass, die MusicLab RealLPC, zahlreiche Instanzen des Arturia Analog Labs sowie FM8 und Korg Wavestation zum Einsatz.

Drums: Der Sound der 80er war geprägt von groß klingenden und verhallten Drums, die Patterns orientierten sich an der speziellen Lauflichtprogrammierung von Drummachines. So wechseln sich in unserem Pattern straighte Beats mit nervöseren Programmings ab, die viele Doppelschläge, vorgezogene Anschläge, 16tel-Hi-Hats und synthetische Claps beinhalten. Den Grundsound hierfür liefert der Abbey Road 80s Drummer für Kontakt von Native Instruments. Für einen noch mehr verdichteten und verhallten SnareSound wird noch ein Layer aus zwei zusätzlichen Samples addiert. Ein aus einzeln zusammengesetzten Industrial-Samples konstruierter Percussion Loop fügt dem Ganzen noch einen Touch der frühen Depeche Mode und Einstürzenden Neubauten hinzu.

Mit seinen 23 Jahren hat Max Gruber die 80er zwar nicht erlebt, lebt sie aber dennoch in seinem Sound aus. Um diese Klangästhetik zu reproduzieren, kommen einige 80er-Jahre Vintage-Plug-ins zum Einsatz.

Bass, Gitarren & Synths

Bass: Synth- und E-Bass spielen nur einmal zusammen, ansonsten wechseln sie sich ab. Der Synthbass ist sehr akzentuiert eingesetzt, in dem er die Bassdrum-Schläge doppelt. Der Scarbee Rickenbacker Bass für Kontakt übernimmt den E-Bass-Part. Einhergehend mit den Drums wechseln sich hektische rhythmische Grooves in den »nervöseren« Parts mit geraden Achteln in den straighten Parts ab. Obwohl Grundtöne gespielt werden, wechselt der Bass auffällig oft in höhere Lagen, wodurch er sehr melodiös wirkt. Mittels Sustain werden authentische Slides erzeugt.

Gitarren: Bei den Gitarren dominieren cleane Sounds, die allesamt mit sehr viel Chorus, Hall und teilweise Delay versehen sind. Der Grundsound stammt jeweils aus der music – Lab RealLPC, die dann durch das Waves GTR Tool Rack »verstärkt« und mit weiteren Effekten belegt wird. Die liegenden Chords sowie die Mutes werden gedoppelt und hart links/ rechts gepannt, wobei der zweite Sound entweder im Gitarren-Plug-in selbst oder in den GTR-Einstellungen leicht verändert wird. Slides in den Singlenote-Lines und kleine harmonische Einwürfe steigern das 80s Flair.

Synths: Hier gibt es gleich zwei signifikante Leads: Die Staccato-artigen Synthbells und die getragene Synthbrass-Linie. Beide erinnern stark an Synthiepop-Bands wie Depeche Mode oder Tears for Fears. Die Bells verharren fast durchgängig auf einer immer doppelt angeschlagenen Sequenz, die durch die wechselnden Harmonien darunter verschiedene Färbungen erzeugt. Die parallel gespielte Synthbrass-Linie sorgt mit lang angehaltenen Tönen für Melancholie und eine wiedererkennbare Hook.

Die 80er Jahre standen für einen glasklaren Synthi-Sound, wie man sie von Bands wie Depeche Mode und Tears For Fears kennt. In der Analog Lab von Arturia findet man viele der legendären 80s-Synths als Software-Clones.

Arrangement & Master

Im Prinzip ist der Song trotz Verse-ChorusStruktur eine Aneinanderreihung von eigenständigen Pattern. Dies zeigt sich z. B. darin, dass es über eine Minute dauert, bis überhaupt Gesang einsetzt − ziemlich ungewöhnlich für einen Popsong, durch die Synth-Hooks und unterschiedlich arrangierten Parts kommt es einem allerdings überhaupt nicht langwierig vor. So lässt sich daraus auch im Handumdrehen eine Maxi-Version zaubern, wie sie in den 80ern sehr beliebt waren.

Master: Die Summe wird mit dem UAD Shadow Hills Mastering Compressor leicht verdichtet (ca. 0−1 dB Gainreduction), darauf folgt ein Pultec-EQ mit einer leichten Bassund Höhenanhebung (30 Hz, 16 kHz). Außerdem wird die Summe für weitere analoge Färbung stilecht durch die UAD Ampex ATR-102 Bandmaschine geschickt. Der UAD Maximizer schließt die Kette mit den Werten 65 % und 71,5 % für Shape und Mix ab. Viel Spaß beim Experimentieren!

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Sound&Recording – Drum Recording Special

sr_0716_1Die Sommer-Ausgabe 07-08/16 von Sound&Recording steht ganz im Zeichen der Königsdisziplin im Studio – den Schlagzeug-Aufnahmen. In unserem Drum Special haben wir über 100 Mikrofone an den Drums miteinander verglichen. Udo Masshoff gibt euch Tipps, zum Stimmen des Schlagzeugs für eure Recordings. Außerdem beschäftigen wir uns mit den Themen Drum Editing in Studio One 3, mobilen Drum Recordings und damit, wie ihr mit NI Massive einen Layer für die Kick Drum basteln könnt.

 

Weitere Themen:

  • UAD Fender `55 Tweed – Software-AMP
  • iZotope VocalSynth – Vocal Effekte aus dem Rechner
  • Zu Besuch bei Boutique-Hersteller Royer Labs
  • Mixpraxis: Rik Simpson mischt Coldplay – Hymn For The Weekend uvm.

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