De/constructed - Hits zum Nachbauen

Die Elektronische Musik von Jon Hopkins an der DAW nachproduziert

(Bild: Steve Gullick)

In drei Schritten zum Hit! In dieser Workshop-Reihe zeigen wir, wie und mit welchen Tools sich aktuelle Charthits und klassische Stilrichtungen zu Hause am eigenen Rechner (nach-)produzieren lassen. In dieser Folge geht es um Sound und Stil des experimentellen britischen Elektronikmusikers Jon Hopkins, der in diesem Jahr sein bereits fünftes Soloalbum Singularity herausgebracht hat, der breiten Öffentlichkeit aber wohl am ehesten durch seine Zusammenarbeit mit Brian Eno und Coldplay bekannt sein dürfte.

Style-Analyse

Jon Hopkins selbst beschreibt seinen Sound als elektronische Musik mit organischer Stimmung, emotional und lebendig. Kennzeichnend ist die Kombination aus sphärischen Klangstrukturen, großflächigen Synths, beruhigenden Klaviermotiven und hypnotisch pulsierenden Beats – Musik, die berührt und so auch abseits vom Mainstream eine stetig wachsende Hörerschar anspricht, wie sein Facebook Profil, das über 200.000 Follower zählt, eindrucksvoll zeigt. Auch Coldplay erkannten dies und nutzten beispielsweise Hopkins’ Track Life Through The Veins als Grundlage für den Opener Life In Technicolor vom Album Viva La Vida Or Death And All His Friends oder den unveröffentlichten Track Amphora für den Ambient-artigen Song Midnight auf dem Album Ghoststories.

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Für die Umsetzung im Rechner haben wir keinen bestimmten Track, sondern eher für Hopkins charakteristische Elemente ausgewählt und damit ein Beispielpattern produziert. Hierfür kommen Synths wie Native Instruments Reaktor 6, Spectrasonics Omnisphere, xfer Records Serum oder auch das sehr intim klingende Kontakt-Instrument Una Corda zum Einsatz.

Drums

Nicht ungewöhnlich für Hopkins ist, Drums erst nach einem langen sphärischen Aufbau einsetzen zu lassen, und so beginnt der mit 126 bpm entspannte Club-Trance-Beat erst im letzten Drittel des Tracks. Eingeführt wird er über eine gefilterte Kick, die in Halftime pulsierend den Hörer auf den folgenden Part vorbereitet. 16tel-Percussion-Grooves treiben den Build-up in einer langen Filterfahrt mit dem Steinberg Dualfilter zum Klimax. Der „4 To The Floor“-Groove selbst ist sehr technoid angelegt mit Clap auf „1 und“ und „3 und“ sowie einem technisch kühlen FX-Sound auf der „4 und“. Grundsätzlich sollte man hier nach eher eigenständigen Sounds abseits ausgetretener Pfade suchen. So ist der besagte FX-Sound z. B. ein stark verhallter, kurzer analoger Klick, und die Snare besteht aus weißem Rauschen. Fündig wird man z. B. in der Beatport Riemann Kollektion.

Piano, Noises & Instruments

Piano: Der erste Teil des Patterns ist sehr atmosphärisch gehalten. Sowohl Spielweise als auch Sound sind für die hier erzeugte Stimmung essenziell. Basis ist das pulsierende Klavier mit immer wiederkehrendem Motiv und um Zusätze angereicherten Chords, was ein filmisch impressionistisches Klangbild erzeugt. Perfektioniert wird dies durch den weichen, verträumten Sound des Native Instruments Una Corda, einer Klavier-Spezialanfertigung mit besonders weichem Klang, das vielleicht auch deshalb so gut passt, weil es von Nils Frahm mitentwickelt wurde, der selbst mit ähnlich gelagerter Musik weltweit Erfolge feiert.

Pads & Noises, Bass: Den Ambient Charakter unterstreichen subtile Pads und Noises, die um das Klavier herum platziert werden. Das „Flute Pad“ aus Omnisphere verharrt auf einer Note und schafft dadurch Atmosphäre. Ergänzt wird es von einem weiteren Omnisphere-Pad mit nur minimaler Bewegung („Electro Airchoir“) sowie Background-Noises, Sweeps und Effekten, die als Samples in das Arrangement eingefügt wurden.

Synths: Im weiteren Verlauf wird der Synth-lastige Part vorbereitet, indem verzerrtere Noises und ein dicker, modulierender Bass übernehmen, der ebenfalls auf einem Ton verharrt und so erst einmal auf sich wirken lässt. Per Modulation wirkt er sehr organisch und lebendig. Danach übernimmt ein Orgel-ähnliches Pad aus zwei xfer-Serum-Instanzen, die offene Dezim-, Quint und Nonen-Intervalle spielen. Über allem thront ein in sich modulierender und leicht verstimmt klingender Serum-Leadsynth, der die gespielten Chords in ein Arpeggio wandelt. Insgesamt erwecken auch hier die Modulationen, der Orgel-ähnliche Sound und etwas Schmutz die Sounds in pulsierendes, organisches Leben. Den clubbigen Schlusspart kennzeichnen schließlich ein synkopierter tranciger Bass, der aus zwei Monark-Instanzen aus N.I. Reaktor 6 und zwei Serum-Synths besteht, sowie ein schwebendes Pad aus Omnisphere („Fade to Green“).

Arrangement & Master

Arrangement: Jon Hopkins lässt sich gerne Zeit. Durch den langen sphärischen Aufbau wirkt der clubbige Beat-Part wie eine Auflösung, in der sich die zuvor aufgebaute Spannung entlädt. Track-Längen von bis zu 12 Minuten sind daher keine Seltenheit. In unserem Beispiel ist dies nur angedeutet, um viele Facetten seines Schaffens zeigen zu können. Jon Hopkins vereint ausgedehntes Sounddesign, Ambient-Elemente, filmische Klavierthemen und verschrobene Elektronika. Wichtig ist, nahtlose Übergänge zwischen den einzelnen Parts zu schaffen, sodass sie sich aus sich heraus entwickeln und organisch ineinander übergehen. So klingen die Tracks lebendig und geben der kühlen Elektronik eine „Seele“.

Master: Die Summe wird mit dem UAD Shadow-Hills-Kompressor leicht verdichtet, gefolgt von dem Freeware-Multiband-Kompressor OTT von xfer Records, der die Mitten etwas aufräumt. Der brainworx bx1_V3 verbreitert das Stereobild (140 %) und der FabFilter Pro-L2-Limiter schließt die Kette am Ende ab.

Hier findest du alle Daten im Download, die du gebrauchst, um selbst die Musik selbst an deiner eigenen DAW nachzubauen. 

Viel Spaß beim Experimentieren!


Jon Hopkins

Der 1979 in London geborene Jon Hopkins ist ein experimenteller Musiker, DJ, Remixer und Produzent.

Er machte zunächst als Keyboarder von Imogen Heap auf sich aufmerksam, bevor er 2001 sein erstes Soloalbum Opalescent veröffentlichte, das auf eine breite öffentliche Resonanz traf. Weitere drei Soloalben, Filmmusiken, Kollaborationen mit Altmeister Brian Eno und nicht zuletzt Coldplay folgten, bei denen er auch im Vorprogramm auftrat. Fünf Jahre nach seinem letzten Werk Immunity erschien in diesem Jahr das mittlerweile fünfte Studioalbum Singularity, das ebenfalls wieder mit pulsierenden Beats, ruhigen Klangmixturen und sphärischen Pianoklängen aufwartet.

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