De/constructed – Robots Don´t Sleep

In drei Schritten zum Hit! In dieser Workshop-Reihe zeigen wir, wie und mit welchen Tools sich aktuelle Charthits und Stilrichtungen zu Hause am eigenen Rechner (nach-)produzieren lassen. Mit Robots Don’t Sleep tauchen wir diesmal tief in den Berliner Elektrokosmos ein. Unter diesem Projektnamen hat Robert „Robot“ Koch bei Four Music sein aktuelles Album Mirror herausgebracht. Unser Beispielpattern im Stil der Titel Don’t Wake Me und Trouble fängt den Sound des Albums ein. Schau dir unseren Videoworkshop direkt hier an.

Die Videos sowie die verwendeten Sound- und Midi-Files kannst du hier herunterladen!

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Style-Analyse & Drums

Im Gegensatz zu seinen Solo-Veröffentlichungen arbeitet Robert Koch bei Robots Don’t Sleep mit dem US-amerikanischen Sänger John La Monica zusammen, wodurch sich der Ansatz mehr in Richtung von melodischem Songwriting und klassischen Songstrukturen verschiebt. Die Elektronik wird dadurch allerdings in keinster Weise vernachlässigt, im Gegenteil, denn bricht man rein elektronische Produktionen auf ihre Basis herunter, bleibt außer den verwendeten Techniken und Sound oftmals nicht viel übrig, während hier immer ein Song zugrunde liegt. Das Ergebnis klingt hypnotisierend melancholisch und an vielen Stellen filmisch. Robert Koch arbeitet vor allem mit Samples aus Jamsessions oder selbst erstellten Sounds, die er in Ableton Live weiterverarbeitet und arrangiert − mehr darüber erfährst du in unserem Beat-Programming-Feature aus S&R 5.2011. Für die Umsetzung in unserem Beispielpattern kommen Native Instruments Battery und Reaktor, Spectrasonics Stylus RMX, Lennar Digital Sylenth1, Steinbergs Loop Mash sowie zahlreiche Instrumente aus der Kontakt Factory-Library zum Einsatz.

Drums: Obwohl der Groove 4-to-the-floor programmiert ist, hat er eher HipHop-Charakter, was zum einen an dem schleppenden Tempo von 75 BPM liegt, zum anderen an den vielen kleinen Groove-Splittern, die um Kick und Claps/Snare verteilt sind. Die Basis Sounds habe ich in Battery aus verschiedenen Libraries gelayert und dann auf Einzelausgänge verteilt. Für die Groove-Splitter habe ich Loops aus Reaktor-Ensembles und Stylus RMX gelayert und gecuttet. Mehr Charakter erhalten die Loops durch Native Instruments Driver bzw. Camelaudio Camelcrusher, Kompression, EQ und die Begrenzung des Panoramas in Richtung mono mithilfe des Waves S1 Imagers. Orchester Pauken und Crashes unterstützen den filmischen Charakter

Synths & Samples

Als Bass fungiert der Sylenth1, der durch das Xfer LFO-Tool das typische Sidechain-Pumpen mitbringt. Bei der darüber liegenden verzerrten Dopplung wird zusätzlich die Cutoff-Frequenz moduliert. Die Sounds sind somit ständig in Bewegung und klingen dadurch sehr organisch. Das Gleiche gilt für alle weiteren Sounds: Dadurch, dass sie bei Robot Koch aus freien Jamsessions entnommen sind oder einen ganz anderen Ursprung hatten und bearbeitet wurden − wie z. B. Papierreißen als Reverse-Crash etc. −, sind sie im positiven Sinn nie perfekt. All dies haucht der Produktion Leben und Charakter ein. Um dies aus den Plugin Libraries zu holen, muss man die Sounds also so bearbeiten, dass sie eben auch nicht perfekt klingen.

Das Klavier aus dem Intro ist beispielswiese das Native Instruments Upright Piano (Preset: Modern Preacher), also schon von der Auswahl her eben nicht der perfekte Konzertflügel − dazu ist es frei und unquantisiert gespielt. Die Orgel (Kontakt Vintage Organs, Preset: Child In Time) wird zusätzlich zum internen Leslie mit dem Steinberg Rotary-Plug – in bearbeitet, der detuned Arturia Mini V (Preset: K.U_3osc) wird mit dem Steinberg Vibrato moduliert und per EQ stark ausgedünnt. Der „Bitcrush Guitar Synth“ war im Original wahrscheinlich mal eine Gitarre, in unserem Beispiel ist es ein Layer aus N.I. Upright Piano, Vintage Organ (Preset: Basic Rock 3) und MusicLab Real LPC, die allesamt den Steinberg BitCrusher durchlaufen und mittels Rotary- und/oder Vibrato-Effekt den leiernden Charakter erhalten. Den filmischen Charakter erhält das Pattern durch Hörner und Streicher, die allesamt aus der Kontakt Orchestra-Library stammen.

Loopmash & Master

Master: Im Masterkanal sorgt der Waves SSL Buss Compressor mit einer Ratio von 4:1 und einer Gain-Reduction von ca. 6 dB für den berühmten „Glue-Faktor“ (die Attack-Zeit beträgt dabei 3 ms, und Release steht auf „Auto“), gefolgt vom FabFilter Pro-Q, der den Subbass bei 40 Hz um 2 dB verstärkt, und vom Brainworx bx1 Mastering EQ, der einen Lo-Cut bei 21 Hz setzt und den Mix mit dem integrierten M/S Stereotool (136 %) verbreitert. Das Ende der Kette besetzt der UAD Precision Maximizer mit einer deutlichen Sättigung; Shape- und Mix-Regler stehen hierbei auf 95 bzw. 62,5 %. Viel Spaß beim Experimentieren!

 Weiter Folgen aus der Reihe De/constructed findest du hier

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