De/constructed – Pink Floyd

In drei Schritten zum Hit! In dieser Workshop-Reihe zeigen wir, wie und mit welchen Tools sich aktuelle Charthits und klassische Stilrichtungen zu Hause am eigenen Rechner (nach-) produzieren lassen. Unser Pattern orientiert sich diesmal am Stil einer der größten Bands der Musikgeschichte: Pink Floyd! 2014 veröffentlichten sie mit The Endless River das bereits 15. Studioalbum ihrer langen Karriere. Schau dir hierzu unseren Videoworkshop hier an oder direkt über unsere iOS- bzw. Android-App!

Du willst parallel zum Tutorial aktiv mitmachen? Dann kannst du dir hier die verwendeten Midi- und Sound-Files herunterladen.

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Style-Analyse, Drums & Bass

Pink-Floyd-Studio

Nach dem Tod des Keyboarders Richard Wright im Jahr 2008 nahmen sich die verbliebenen Bandmitglieder David Gilmour und Nick Mason die Bänder der Studiosessions des bereits 1994 veröffentlichten, letzten Pink Floyd Albums The Division Bell vor und bearbeiteten die bisher nicht verwendeten Aufnahmen. Hieraus sowie aus Versatzstücken noch älterer Aufnahmen entstand das aktuelle Album The Endless River. Darauf vertreten ist über weite Strecken instrumentaler, zeitloser Pink-Floyd-Sound, der für sich steht, keinen Trends unterliegt und somit auch mal eben zwei Jahrzehnte überdauert. Man kann ihn als experimentell, Prog- oder Psychedelic Rock bezeichnen − auf jeden Fall sehr sphärisch auf opulenten Klanglandschaften aufbauend, bei denen klassisches Songwriting und Arrangements in den Hintergrund treten. Von diesem Pink Floyd-Sound beeinflusst entstanden auch viele Krautrockbands wie Tangerine Dream oder Ash Ra Tempel, auch Prog-Rocker wie Yes oder Porcupine Tree berufen sich hierauf. Für die Umsetzung im Rechner kommen der Native Instruments Abbey Road 80s Drummer, Spectrasonics Trilian und Omnisphere, die Arturia V-Collection sowie die Musiclab Real LPC samt Guitar Rig zum Einsatz.

Drums: Das Schlagzeugspiel von Nick Mason ist vielleicht nicht das filigranste, aber eben individuell und wiedererkennbar, mit einem natürlichen, »unproduzierten« Sound. Das Pattern ist klassisch, unaufgeregt und strahlt eine gewisse Ruhe aus, ist aber auch durch die teils »ruckeligen« Tom Fills individuell geprägt. Für ein realistisches Feel wird es nicht quantisiert. Für Cubase-User habe ich übrigens die MIDI-Spuren einfach wie in der Produktion belassen, d. h., es werden, falls installiert, gleich die entsprechenden Instrumente samt Einstellungen geladen. Bass: Genauso unaufgeregt fügt sich der Bass ein, der eine reine Funktionsaufgabe übernimmt und die Bassdrum doppelt. Der Sound stammt vom Spectrasonics Trilian (»Clean Fender«).

Synths

Pink-Floyd-Keyboarder

Pink Floyd prägten ihren Sound auch durch technische Entwicklungen wie Synthesizer oder Tapeloops. Die klassische Keyboardburg läuft hier also zur Hochform auf, und so finden sich neben der Hammond B3 (Kontakt 5 Vintage Organs, »Basic Jazz 1«) und Klavier (Kontakt Alicia’s Keys) auch zahlreiche klassische Analog-Synths in Form der Arturia V-Collection (Minimoog-Noises, ARP2600-Sequenz, Prophet-5-Synbrass). Für die atmosphärischen Soundscapes kommt Spectrasonics Omnisphere zum Einsatz. Angesichts der Fülle an mitgeliefertem Material sollte man hier unbedingt mit dem Browser die Suche eingrenzen und z. B. nach Genres (»Ambient«) sortieren, um schnell und zielgerichtet passende Sounds zu finden. Die an den Pink-Floyd-Klassiker On The Run angelehnte Anfangssequenz stammt vom Korg Radias und wurde mit dem internen Step-Sequenzer programmiert. Wie dies genau funktioniert und wie man Step-Sequenzen auch in Cubase erzeugen kann, zeigen wir euch in einem Special Tutorial Video.

Guitar & Arrangement

Pink-Floyd-Gitarrist

Gitarren: Ausgedehnte melodische Gitarren-Soli mit vielen Bendings und Slides prägen das Spiel von David Gilmour. Für unser Pattern kommen drei MusicLab Real LPCs zum Einsatz, die jeweils durch eine Instanz des Native Instruments Guitar Rigs geschickt werden. Für den verträumten Sound sind hier vor allem die Chorus-, Delay- und Hall Effekte verantwortlich. Zusätzlich wird der Sound per Send in einen Softube RC-48-Hall getaucht. Bei der dritten Gitarrenspur (»Guitar Swell«) wird jeder Ton mittels Automation des Gain-Reglers langsam eingeblendet, was dem Anschlagen der Saite bei gleichzeitigem Drehen des Volumereglers an der Gitarre entspricht. Diese Technik wird von Gitarristen angewendet, wenn etwas »weit weg« und sphärisch, ähnlich einem Pad klingen soll. Die verwendeten Guitar-Rig-Presets befinden sich für eigene Kreationen im Download Ordner. Arrangement: Wie schon erwähnt findet man bei Pink Floyd und gerade auf diesem letzten Album keine klassischen Songstrukturen vor; der einzelne Musiker tritt in den Hintergrund zugunsten großer Klangbilder, in die man als Hörer eintaucht. Die Songs basieren auch tatsächlich eher auf ausgedehnten Improvisationen der gesamten Band, die hinterher in Versatzstücken neu angeordnet werden, als auf vorgefertigten Kompositionen, die dann arrangiert werden. Auch traditionelle Kadenzen spielen eher keine Rolle, Tonartwechsel von Dur nach Moll und umgekehrt (in unserem Pattern z. B. von C-Moll nach FDur) sind keine Seltenheit, sondern machen im Gegenteil sogar den speziellen Sound von Pink Floyd aus. Viel Spaß beim Experimentieren!

 Weiter Folgen aus der Reihe De/constructed findest du hier

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