In drei Schritten zum Hit!

De/constructed – OK Kid

Henning Verlage wird am 7.4. und 8.4. auf der Musikmesse 2017 bei der Sound&Recording-Studioszene da sein (Halle 9.0, Stand D50) und De/constructed live vorführen. Das komplette Programm findest du hier.

In drei Schritten zum Hit! In dieser Workshop-Reihe zeigen wir, wie und mit welchen Tools sich aktuelle Charthits und Styles zu Hause am eigenen Rechner (nach-)produzieren lassen. Unser Pattern ist diesmal an die Single Unterwasserliebe der aufstrebenden Pop/Rap-Newcomer OK Kid angelehnt, die sich mit diesem Titel neben Radio-Airplay auch den neunten Platz bei Stefan Raabs diesjährigem Bundesvision Song Contest sichern konnten. Schau dir unseren Videoworkshop direkt hier an!

OK Kid

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Style-Analyse & Drums

Im letzten Jahr erschien das selbstbetitelte Debüt des Trios, das u. a. von Robot Koch produziert wurde, der mit seinem Projekt „Robots Don’t Sleep“ selbst Bestandteil dieser Workshopreihe war (s. S&R 9.2014) und der auch bereits Produktionen von anderen Rap/Pop-Künstlern wie Marteria oder Casper veredelte. Vielleicht ist das der Grund, warum der Anteil an ausgetüftelten, verwobenen elektronischen Klanglandschaften im Soundkosmos von OK Kid so hoch ist. Gerade bei Unterwasserliebe treffen sphärische Klang malereien auf verträumte Beats, und eine melancholische Schwere legt sich über den gesamten Track. Für die Umsetzung im heimischen Rechner kommen Native Instruments Battery, Absynth 5 und Spetrasonics Omnisphere sowie einige analoge Synth-Klassiker in Form von Emulationen von Arturia zum Einsatz.

Drums: 75 BPM sind selbst für einen HipHop Track recht schleppend, das relaxte Feel des Songs wird dadurch allerdings sehr gut getragen. Basis ist ein eintaktiges Kick/Snare-Pattern, das um Akzente und weitere Percussion ergänzt wird. Gerade die im Gegensatz zu den meisten HipHop-Tracks stark verhallte Snare unterstützt hierbei die Weite und Atmosphäre des Songs. Die Hi-Hat sitzt in den 16tel-Offs und sorgt so für etwas Tempo; dies wird im Chorus noch durch subtile 32tel gesteigert. Eine Besonderheit ist das Tom-Fill, das den Chorus einleitet. Dies ist eigentlich ein Snaresample, das in Battery mit verschiedenen tonal gestimmten Tunings von oben nach unten getriggert wird. Triangel, Claps und weite Crashes runden das Pattern ab.

Bass & Gated-Pads

Die Atmosphäre des Tracks ist sehr deep und chillig, der unaufgeregte Subbass trägt sehr gut zu diesem Feel bei. Der Sound stammt aus dem Spectrasonics Trilian („Dark and Round Voyager“) und erhält vom Waves RBass noch einen Schub bei 46 Hz. Ein sägender Sound aus dem Lennar Digital Sylenth1 sorgt in den Mitten für mehr Aufmerksamkeit, und durch das im Timing variierende xfer LFO Tool auch gleich für mehr Bewegung. Für Letztere sind auch die vielfach modulierenden Gated-Pads zuständig. Für unser Pattern habe ich mehrere Synths gelayert, Modulationen innerhalb der Sounds werden über interne Hüllkurven und LFOs generiert. Der in Achteln rhythmisch pulsierende Gater-Effekt ist dagegen eine Kombination aus hart eingestelltem LFO Tool auf der gesamten Pad-Gruppe, das die Lautstärke moduliert und damit abrupt gated, und z. T. nur kurz in Achteln angeschlagenen Chords, die den Gater-Effekt verstärken.

Add-Synths & Master

Additional Synths: Verschiedene atmosphärische und z. T. atonale Sounds werden an unterschiedlich wiederkehrenden Stellen im Songverlauf platziert, um den gesamten Klangteppich abwechslungsreich zu halten. Für derartige Sounds bieten sich auch Plug-ins wie z. B. das Native Instruments Guitar Rig an, das nicht nur Gitarrenverstärker emulieren, sondern ganze Multi-Effektketten erzeugen kann, mit denen sich auch Synths oder Vocals kreativ manipulieren lassen. Hinzu kommen weitere klassische Synths wie z. B. ein Sweep-Pad aus dem Arturia Jupiter- 8V, das die Bridge vom restlichen Pattern absetzt, oder die Vocal-Sample-Versatzstücke, die dem Pattern durch das FabFilter Timeless-2-Delay und den RC-24-Hall Bewegung und Tiefe verleihen, wodurch passend zum Songtitel wirklich ein Zeitlupen-Unterwasser Soundtrack entsteht.

Master: Im Masterkanal sorgt wieder der Waves SSL Buss Compressor mit einer Ratio von 4:1, einem Attack von 10 ms und einer Gain-Reduction von ca. 2 dB für den „Glue“- Faktor. Der Brainworx bx1 Mastering EQ setzt einen Lo-Cut bei 21 Hz bei gleichzeitigem Bass-Boost bei rund 60 Hz und verbreitert das Stereobild (130 %). Der UAD Precision Maximizer rundet den Mix mit etwas Parallel Sättigung ab, Shape- und Mix-Regler stehen hierbei auf 41,5 bzw. 62,5 %. Viel Spaß beim Experimentieren!

 Weiter Folgen aus der Reihe De/constructed findest du hier

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