Hits zum Nachbauen

De/constructed – Hans Zimmer

Henning Verlage wird am 7.4. und 8.4. auf der Musikmesse 2017 bei der Sound&Recording-Studioszene da sein (Halle 9.0, Stand D50) und De/constructed live vorführen. Das komplette Programm findest du hier.

In drei Schritten zum Hit! In dieser Workshop-Reihe zeigen wir, wie und mit welchen Tools sich aktuelle Charthits und klassische Stilrichtungen zu Hause am eigenen Rechner (nach-)produzieren lassen. Diese Folge dreht sich passend zu unserem Filmmusik-Special um den wohl populärsten, einflussreichsten und erfolgreichsten Filmmusikkomponisten der Gegenwart, Hans Zimmer.

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(Bild: Zoe Zimmer)

Hans Zimmers Einfluss auf heutige Filmmusik ist unübersehbar und hat Maßstäbe hinsichtlich Produktionsqualität und Sound-Design gesetzt. Etliche Grammy-, Golden-Globe- und Oscar-Nominierungen sowie der Gewinn des Oscars für die Musik zum Film König der Löwen zeugen davon. Zu seinem Durchbruch in Hollywood Ende der 80er-Jahre trug vor allem die Innovation bei, Elektronik mit klassischem Orchester zu verknüpfen. Als weiteres Novum produzierte Zimmer Demos zum Vorhören für die Regisseure mithilfe von Computern und Samplern auf Basis selbst erstellter Libraries. Hierdurch erweiterte er mit der Zeit die Klangpalette um atmosphärische Parts, Sound-Designs oder auch seltene exotische und sogar selbstgebaute Instrumente und erzeugte so Klangwelten, die weit über die Möglichkeiten eines klassischen Filmorchesters hinausgingen.

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Hans Zimmer 

Hans Zimmer zählt zu den bekanntesten und erfolgreichsten Filmmusikkomponisten der Gegenwart. 1957 in Frankfurt geboren, machte er sein Abitur in einem englischen Internat und spielte Keyboards in verschiedenen Bands. Unter anderem ist er im Video zu dem Buggles-Hit Video Killed The Radio Star zu sehen. Ende der 70er-Jahre komponierte er zunächst Werbe- und Radio-Jingles, verlagerte dann aber seinen Schwerpunkt auf Filmmusik. Bereits 1989 erhielt er seine erste Oscar-Nominierung für die Musik zum Film Rain Man. Dies war gleichzeitig seine Eintrittskarte für Hollywood. Zahlreiche Filmmusiken zu Blockbustern wie Gladiator, Fluch der Karibik (zusammen mit Klaus Badelt), Batman Begins, The Dark Knight, Inception oder Interstellar folgten, ebenso damit einhergehend weitere Grammy-, Golden Globe- und Oscar- Nominierungen. 1995 erhielt er schließlich den Oscar für die Musik zum König der Löwen. Heute führt er seine eigene Filmmusikfabrik Remote Control Productions, aus der zahlreiche bekannte Filmkomponisten hervorgingen. Als Zeichen seiner herausragenden Leistung erhielt Hans Zimmer einen Stern auf Hollywoods berühmtem Walk of Fame.


Style-Analyse & Drums

Für unser Demopattern haben wir uns nicht an eine bestimmte Filmmusik gehalten, sondern Musik »in der Art von …« erstellt, um möglichst viele Facetten zu beleuchten. Für die Umsetzung kommen vor allem Libraries von 8Dio, EastWest und Native Instruments zum Einsatz sowie der U-He Zebra in der Hans Zimmer Edition.

Drums: Hans Zimmer ist bekannt für »ActionDrums«, schnelle Percussion-Läufe, die für Tempo sorgen, und durchdringende Hits, die starke Akzentuierungen setzen. Um dies zu erreichen, braucht man sehr groß und mächtig klingende Drums und vielfältige PercussionSounds. In unserem Pattern kommt ein abgewandeltes Multipattern der EastWest Storm Drum 2 zum Einsatz (»Desert Runner«), die neben großen Trommel-Akzenten auch bereits mit Delay und Filtern bearbeitete Percussion bietet, die durch Modulation nie statisch klingt. Ergänzt wird die Performance von einzelnen Hits aus den Kontakt Action Strikes (»Giant Drums«) und Damage (»PERC Studio Armageddon Ens«) sowie den 8Dio-Libraries Majestica und Taiko Ensembles.

Bass & Orchester

Bass: Pulsierende 16tel-Bässe sind ebenfalls Markenzeichen von Hans Zimmer Soundtracks. Hierfür benötigen wir einen durchsetzungsfähigen Synth mit analogem Charakter und weitreichenden Modulationsmöglichkeiten, damit die auf einem einzigen Grundton verharrende, sich stetig wiederholende Sequenz lebendig und organisch bleibt. Für unser Beispiel bietet sich der U-He Zebra in der extra angefertigten Hans Zimmer Edition an (»16th Primitive Stomp 1«). Über das Modulationsrad wird die Filter-Cutoff-Frequenz moduliert.

Strings: Über dem Bass bauen sich die Streicher auf, entweder als hypnotische StaccatoLinie, die wie der Synthbass auf einem Grundton verharrt, oder als liegender Dreiklang mit wechselnden Akkorden, wodurch sich im Zusammenspiel mit dem gleichbleibenden Basston schöne Klangfärbungen ergeben, oder als Lead-Stimme. Jede dieser Funktionen erfordert andere Spielweisen und damit andere Samples, um realistisch zu klingen. Daher sorgen eher aufwendig erstellte Libraries mit vielen Klangdetails und Facetten für ein überzeugendes Ergebnis als ein einzelner Strings-Sound. Den Anfang machen Col Legno Strings aus der Majestica-Library. Hierbei werden für den perkussiven Klang die Saiten nicht mit der Haarseite des Bogens, sondern mit dem Holz angeschlagen. Es folgt eine Staccato-Linie (8Dio »Agitato Sordino Spiccato Ensemble«), die in der zweiten Hälfte noch oktaviert wird und dann nahtlos in eine zweite Sequenz übergeht (»Majestica Strings 01 Shorts − Spiccato fast«). Auch hier ist der perkussive Sound der Spielweise geschuldet − diesen Attack bekommt man aus einem kurz gespielten Legato-Sample nicht heraus. Für Chords und Melodie wurden die einzelnen Sektionen Violins/Violas/Celli geladen, die Slides entstehen dabei durch eine Kombination aus Anschlagstärke und leichtem Überlappen der Noten.

Brass: Auch die Bläser stammen aus der Majestica Library (»Brass Longs«). Ähnlich wie bei den Streichern wurden mehrere Instanzen mit unterschiedlichen Spielweisen geladen und dann je nach Anwendungszweck eingesetzt. So betonen anfangs lang gespielte tiefe Töne die Percussion-Hits und bauen eine bedrohliche Kulisse auf, im Melodiepart klingen sie dagegen weich und majestätisch und unterstützen die Streicher. Die Steigerung der Dynamik geschieht hier ebenso entweder über die Auswahl des Grundsounds per Keyswitch oder über das Modulationsrad, dessen Bewegung beim Einspielen gleich mit aufgezeichnet wird.

Chor: Der Chor vermittelt Größe, hält sich ansonsten aber eher im Hintergrund und doppelt die Streicher- und Bläser-Linien.

Klavier: Das Klavier sorgt im Melodie-Teil für melancholische Stimmung. Neben der Melodieführung mit sachtem Anschlag ist vor allem der verträumte und hallige Sound für diesen Klangeindruck verantwortlich. Hierbei handelt es sich um ein Layer aus dem Soundiron Emotional Piano und dem Frozen Piano der Kontakt Evolve Library. Interessanter Nebenaspekt ist, dass der Melodiepart umso stärker und harmonischer wirkt, weil vorher lange auf einem Akkord Spannung aufgebaut wurde.

Arrangement & Master

Hans Zimmer schuf mit dem »Wall-to-Wall Score«, bei dem ein Großteil des Films mit Musik unterlegt wird, eine Art Blaupause für aktuelle Filmmusik. Diese kann man unterteilen in auf die Hauptcharaktere zugeschnitte Hauptthemen, rhythmische, auf einem Grundton verharrende Action-Motive mit viel Einsatz von Drums und Percussion sowie ruhige, atmosphärische Passagen. Unser Pattern haben wir ähnlich aufgebaut. Es beginnt mit einem schnellen Staccato-Intro, geht über in eine ebenso staccatohafte Streichersequenz, die auf einem Grundton verharrt, gefolgt von einem pompösen, mit starken Percussion-Akzentuierungen versehenen Part. Anschließend folgt eine atmosphärische, ruhige Passage, ebenfalls auf einem Grundton basierend mit wechselnden, liegenden Akkorden darüber. Diese geht über in ein emotionales Thema mit Streichern, Hörnern und Klavier, das sich langsam ins Finale steigert, wo es mit Elementen aus dem staccatohaften Intro kombiniert wird.

Master: Die Summe erhält durch den Waves NLS Buss leichte harmonische Verzerrungen und damit mehr Strahlkraft. Minimal komprimiert wird mit dem Steven Slate VBC FG MU, einer Emulation des Fairchild 670-Kompressors, gefolgt von dem UAD Pultec EQ mit Anhebungen um 2 dB bei 60 Hz und 16 kHz. Zum Schluss durchläuft die gesamte Summe den »Large Hall« aus Waves H-Reverb mit einer Länge von 4,3 s und einem 40-prozentigen Wet-Anteil. Dies ist ein gerne angewandter Kniff, um das Orchester noch mehr als Einheit wahrzunehmen. Viel Spaß beim Experimentieren!

>> Alle Projektdateien kannst du hier kostenlos herunterladen. <<

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Henning Verlage ist als Musikproduzent, Keyboarder, Song writer und Remixer unterwegs, vor allem für »Unheilig«, mit denen er seit 2011 insgesamt fünf Echos gewann, unter anderem als Produzent des Jahres. Daneben ist er noch Soundprogrammer und Dozent im Studiengang Keyboards & Musikproduktion an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Christoph Assmann wirkt als selbständiger Musikproduzent in vielen Projekten der Musik- und Medien-Welt mit und studiert außerdem das Fach Keyboards & Musicproduction im Masterstudiengang an der Musikhochschule Münster.

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Wieder mal sehr erhellend das Ganze!
    Gerade auch der Exkurs zum Master-Channel.

    Live seid ihr fast noch besser !!!

    Vielen Dank ! Slashgad

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