Hits zum Nachbauen!

De/constructed – Dr. Dre – Talk About It

072002

In drei Schritten zum Hit! In dieser Workshop-Reihe zeigen wir, wie und mit welchen Tools sich aktuelle Charthits und klassische Stilrichtungen zu Hause am eigenen Rechner (nach-)produzieren lassen. In dieser Folge geht es um HipHop-Mogul und Produzenten-Legende Dr. Dre, der mit Compton im August sein vielleicht finales Werk herausgebracht hat. Wir haben uns den Track Talk About It für euch vorgenommen. Schaut euch hier unseren Videoworkshop dazu an!

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Style & Beats

Dr. Dre ist ein Meister seines Fachs. Neben seiner eigenen Karriere förderte er als Produzent viele heutige Rap-Stars, denen er mit seinen Beats, die immer detaillierte Raffinessen enthielten, einen eigenen Stempel aufdrückte. Auch auf Compton bleibt Dre diesem Stil treu und verbindet mit Leichtigkeit mehrere Jahrzehnte HipHop-Geschichte in Tracks zwischen Nostalgie und aktuellen Soundtrends. Hierfür agierte er als Executive Pro – ducer und Rapper. Für Talk About It holte Dre ein junges Producer-Team ins Boot, das mit einigen Trap-Elementen einen sehr vertrackten Groove abliefert, über dem als Sample eine Art geloopte Bläser-Fanfare liegt. Für die Umsetzung im Rechner kommen das Sonic Academy Plug-in Kick, Native Instruments Battery und Kontakt sowie Spectrasonics Trilian und die East West Hollywood Strings zum Einsatz.

Für Talk About It holte Dr. Dre die jungen Producer DJ Dahi und Free School ins Boot, die einen mit aktuellen Trap-Elementen versehenen, sehr vertrackten Groove liefern. Sämtliche Drumsounds werden in einer Gruppe noch leicht mit dem Waves SSL Buss Compressor komprimiert und mit dem Waves NLS Channel heiß angefahren.

Drums:  Im HipHop regiert nach wie vor klassischer Roland TR-808-Sound, wenn auch in immer neuen Variationen, die ihn wie hier sehr aktuell und modern klingen lassen. Die Kick wird z. B. exakt auf Tonhöhe getuned und übernimmt dank langem Release gleichzeitig die Bassfunktion; eine beliebte Technik, wie sie beispielsweise auch von Kanye West im Song Heartless verwendet wird. Für einen dickeren Sound haben wir sie in Oktaven gesetzt, mit EQ Mulm und Höhen reduziert und mit der Tube Saturation aus dem Cubase Channelstrip etwas Zerrung dazugegeben, die im weiteren Verlauf des Patterns mit weiterer Distortion noch verstärkt wird. Die übrigen Sounds stammen von Battery 4.

Hier sticht vor allem der Pitch-Effekt auf der 808-Snare heraus, der ganz einfach durch die Anschlagstärke gesteuert wird. Dabei sorgt der Cubase Channelstrip für etwas Tube Saturation, dazu kommt ein kleiner Hallraum aus dem Valhalla Vintage Verb (»Med Ambience«). Den Trap-Beat perfekt machen 64stel- Effekt-Rolls mit einer 808-Hi-Hat, dazu etwas Breakbeat-Percussion, kurze Breaks mit SnareRolls, Toms und ein cooler Filtereffekt, der über einen automatisierten Position-Regler vom Steinberg Dualfilter gesteuert wird. Insgesamt ist der Beat sehr komplex. Obwohl als 4/4 angelegt, fängt er gefühlt auftaktig an, mit der Snare auf Zählzeit »3« und aus – gesparter bzw. gemuteter »1«. Zusammen – gehalten wird er von einer Percussion-Hi-Hat in Vierteln sowie den Raps.

Brass-Sample

Egal ob die Originalproduktion wie im HipHop üblich auf einem Sample basiert oder ob es sich um ein konstruiertes Arrangement handelt − es geht immer darum, eine besondere Stimmung zu kreieren. Wenn wir das Sample nachstellen, müssen wir also neben der Bläser-Fanfare auch viel Atmosphäre drum herum erzeugen. Dies erreichen wir mit einer dichten Soundcollage, bestehend aus Vocal-, Synth- und Effekt-Samples, die teils rhythmisch geloopt, aber sonst nicht groß bearbeitet werden. Die Fanfare selbst besteht aus einem Layer zweier Kontakt-Instanzen und einem Sound aus reFX Nexus. Das Layer wird in einer Gruppe zusammengefasst und durchläuft hier den Valhalla Vintage Verb (»Short Dark Snare Room«) sowie den Cubase Channelstrip mit etwas Tube Saturation.

Im HipHop geht’s immer darum, eine spezielle Stimmung zu kreieren. Bei Talk About It ist dafür ein immer wiederkehrendes Fanfaren-Sample zuständig, dessen Atmo sich aus verschiedenen Layers nachbauen lässt.

Im Breakdown wird es noch etwas filmisch, nicht umsonst ist das Album ein fiktiver Soundtrack zum Film Straight Outta Compton. Die Drums werden heruntergebrochen, und ein breiter Streicherteppich hält Einzug. Die Sounds stammen von den East West Hollywood Strings und werden wie in der Realität in die Instrumentengruppen Violin, Viola, Cello und Kontrabass aufgeteilt. Dazu kommt noch ein Subbass aus dem Spectrasonics Trilian (»ATC Sweeping Scanner«).

Arrangement & Master

Wie im HipHop üblich wird das Pattern geloopt und nur durch die kurzen Trap Breaks oder auch HipHop-typische Mutes unterbrochen und variiert. Davon abweichend ist eigentlich nur der orchestrale Breakdown, der den Soundtrack-Gedanken unterstreicht und einen wohltuenden Ruhepol im doch sehr hektischen Arrangement darstellt. Im Prinzip könnte man die beiden Parts endlos loopen und daraus eine eigene Extended-Version erstellen.

Master: Die Summe durchläuft zunächst den Steven Slate VBC-FG-Grey-Kompressor, gefolgt von einem UAD Pultec-EQ, der noch jeweils ca. 1 dB Bässe (30 Hz) und Höhen (5 kHz) hinzufügt. Danach passiert das Signal den brainworx bx-1 Mastering-EQ und den UAD dangerous BAX-EQ, jeweils mit einem Hiund Low-Cut. Im bx-1 wird zudem mit dem Monomaker dafür gesorgt, dass alle Signale unterhalb 166 Hz mono bleiben, eine Stereoverbreiterung darüber findet nur minimal statt (110 %). Der UAD Precision Maximizer rundet die Kette final ab (Shape: 0 %, Mix: 62,5 %). Viel Spaß beim Experimentieren!

HipHop verbindet man mit kontinuierlichen Wiederholungen und fettem, fettem Sound. Hier noch ein Blick auf Master-Effekt und Arrangement.

>> Alle Downloads rund um diese Folge von De/constructed findest du hier <<

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