De/constructed – David Guetta

In drei Schritten zum Hit! In dieser Workshop-Reihe zeigen wir, wie und mit welchen Tools sich aktuelle Charthits und Styles zu Hause am eigenen Rechner nachproduzieren lassen. Unser Pattern orientiert sich diesmal an der brandheißen Single Lovers On The Sun vom französischen Superstar DJ David Guetta. Schau dir unseren Videoworkshop direkt hier an!

Die Videos sowie die verwendeten Midi- und Sound-Files findest du hier als Download.

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Style-Analyse & Drums

Schaut man in die Credits, ist Lovers On The Sun eine echte Gemeinschaftsproduktion unterschiedlichster Songwriter, darunter Mike Einziger, Gitarrist der Alternative Band Incubus, und Avicii, schwedischer DJ und letztjähriger Durchstarter in Sachen aktueller Dance-Produktion (s. a. S&R 12.2013). Eine strategische Verbindung, die sich ausgezahlt hat, denn seit Wochen belegt der Song Platz 1 der deutschen Singlecharts und ist auch weltweit ein Erfolg. Der Song bietet eine Mischung aus Western-Romantik, Folk und Dance, ein Style, den Avicii bereits zuvor salonfähig gemacht hat. Auch das Musikvideo lehnt sich an alte Westernfilme an. Für die Umsetzung im heimischen Rechner kommen verschiedene Libraries aktueller Drumsounds, echte Gitarren, Kontakt-Strings und der aus aktuellen Dance-Produktionen nicht wegzudenkende Lennar Digital Sylenth1 zum Einsatz.

Drums: Mit 125 BPM bewegt sich der Song im typischen aktuellen House- Tempo. Trotz Dance-Anstrich ist Lovers On The Sun eher ein Song im Dance-Gewand als ein Clubtrack. Die Drums sind daher eher untergeordnet begleitend und schaffen Spannungsbögen. Basis ist ein „4 to the floor“-Kick-Groove, der im weiteren Verlauf mit Claps, einem Kastagnetten-Sample, Shaker, Tambourine und Hi-Hats erweitert wird. Die Kick ist im vorderen „Strophen“-Teil mit dem Steinberg Envelope Shaper etwas in der Release verkürzt, damit sie dort kompakter wirkt, im Refrain wird der Envelope Shaper deaktiviert, und sie spielt in voller Länge aus, was den Druck erhöht. Im Refrain wird der Basis-Groove von Loops unterstützt, die die Lücken zwischen den einzelnen Schlägen auffüllen und so für zusätzlichen Groove sorgen. Typische Woosh-, Boom- und Reverse-Crash-Effekte runden den DrumGroove ab. Die Kick wird noch mal zusammen mit dem Bass in eine Gruppe geroutet und dort mit dem SSL-Kompressor zusammengeführt. Alle anderen Signale bleiben unbearbeitet.

XCX - Aufmacher

>> Deconstructed – XCX << 

Gitarren

Heute finden permanent Verschmelzungen verschiedenster Stile statt, und so ist es nichts Ungewöhnliches mehr, einen Dance-Track mit akustischen und E-Gitarren zu kombinieren. Gerade das Intro ist sehr prägnant, die Gitarre steht hier alleine da und muss den kompletten Raum ausfüllen. Für unser Beispiel hat wieder mein Autorenkollege Jörg „Warthy“ Wartmann in die Saiten gegriffen, vielen Dank an dieser Stelle! Diese Spuren stehen auch unbearbeitet im Download-Ordner für eigene Experimente zur Verfügung. Der knackige Sound einer Fender Telecaster, gespielt über ein „63er Fender Vibrolux“-Profile aus dem Kemper Amp mit wenig Gain, legt die Basis. Für die tiefe Lage musste die E-Seite bis auf „H“ heruntergestimmt werden. Um eine breite Stereowirkung zu erzielen, wurde das Thema gedoppelt und im Panorama hart links rechts gelegt. Im ersten Build-Up kommt ein Akustikgitarren-Pattern hinzu. Es wurde mit einer Gibson SJ-200 gespielt und mit DS Audio Service C12-Mikrofonen sowie dem internen Piezo-Tonabnehmer aufgenommen. Auch die Akustikgitarren sind gedoppelt und hart links/rechts gelegt. Damit sie sich im Dance Track durchsetzen, wurden sie massiv bearbeitet. Wichtigstes Tool ist dabei der EQ, der die Bässe herausfiltert und die Höhen sehr stark betont. Das Chris-Lord-Alge GuitarPlug in vereint dazu alle für die Gitarrenbearbeitung benötigten Effekte in einer Bedienoberfläche. Zusätzlich wird auch noch mal mit dem CLA-3A komprimiert. Im Dance-Part hört man auch bei der Akustikgitarre den typischen Sidechain-Kompressions-Pump- Effekt, der hier über das xfer LFO Tool bewerkstelligt wird.

Synths & Master

Alle verwendeten Synthsounds stammen aus dem Lennar Digital Sylenth1. Besonders sticht hierbei der zuschnappende perkussive Bass im Build-Up hervor, der ein wenig an Smooth Criminal von Michael Jackson erinnert. Über die extrem kurz eingestellte Pitch Hüllkurve wird hierbei das „Zuschnappen“ gesteuert. Ähnlich ist es bei dem perkussiven Lead-Sound, der für Sylenth1-Besitzer im Download-Ordner als Preset vorliegt. Im Folgenden, voll instrumentierten Dance-Part wird das Thema von einem Layer aus mehreren Sylenth1-Instanzen übernommen, bei dem die klassischen detuned Saw-Leads besonders herausstechen. Das Klavier sowie die Streicher, die im Original natürlich echt eingespielt wurden, stammen aus Native Instruments Kontakt. Die Strings sind dabei noch mit den East West Hollywood Strings gedoppelt worden. Die Western-Whistle ist einfach echt gepfiffen.

Master: Im Masterkanal sorgt der Waves SSL Buss Compressor mit einer Ratio von 4:1 und einer Gain-Reduction von ca. 4 dB für den berühmten „Glue“-Faktor. (Attack: 10 ms, Release: Auto). Der Brainworx bx1 Mastering EQ setzt einen Low-Cut bei 21 Hz, verbreitert das Stereobild (130 %) und spielt durch den integrierten Monomaker alles unterhalb der gesetzten Trennfrequenz von 120 Hz in Mono ab, wodurch alle Bässe und Kicks knallhart aus der Mitte kommen, während dadurch Pads und Melodien mehr Platz bekommen und noch breiter wirken − diesbezüglich habe ich auch ein Interview mit David Gutetta gesehen, in dem er angibt, die Trennfrequenz meistens sogar bei rund 150 Hz anzusetzen. Der UAD Precision Maximizer rundet die Kette ab, Shape- und Mix-Regler stehen auf 28 bzw. 64 %. Viel Spaß beim Experimentieren!

 Weiter Folgen aus der Reihe De/constructed findest du hier

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