De/constructed – Clean Bandit

In drei Schritten zum Hit! In dieser Workshop-Reihe zeigen wir, wie und mit welchen Tools sich aktuelle Charthits und Stilrichtungen zu Hause am eigenen Rechner (nach-)produzieren lassen. Unser Pattern orientiert sich diesmal am Nr.-1-Hit Rather Be der britischen Senkrechtstarter Clean Bandit.

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Die Videos sowie die zusätzlichen Files für eure DAW könnt ihr hier herunterladen!

Style-Analyse & Drums

Der Sound von Clean Bandit ist ein Experiment aus Elektronik und Klassik; sie selbst beschreiben ihren Stil als „Electronic Chamber Music“. Ursprünglich aus Remixes klassischer Aufnahmen entstanden, haben die vier Musiker mit der Zeit angefangen, eigene Songs zu produzieren und so ihren ganz eigenen Stil zu erschaffen. Die Single Rather Be verkörpert dies perfekt. Hier verschmilzt das vorangestellte klassische Thema des Streichquartetts fließend mit der folgenden synthetischen Umsetzung samt groovigem House-Beat und Feature-Vocals der britischen Newcomerin Jess Glynne. Für die Umsetzung im heimischen Rechner kommen die Streicher der Werks-Library von Native Instruments Kontakt 5 zum Einsatz, dazu Nexus, Sylenth1 und Trilian für die Synth-Abteilung sowie die XLN Audio Addictive Keys fürs Piano.

Drums: Der Drumgroove bewegt sich mit 121 BPM im klassischen House-Tempobereich. Er fängt ganz schlicht mit Kick und Hi-Hat an und wird über den Verlauf des Tracks mit viel Percussion z. T. sehr aufwendig angefüllt. Swing-Quantisierungen einzelner Elemente zwischen 20 und 35 % erhöhen den Groove Faktor. Hi-Hat und Claps sind Loops der Soundspezialisten der Riemann Kollektion, erhältlich z. B. über www.soundstosample.com. Housetypische Percussion wie Sidestick, Bongos und Shaker kommen aus den Soundmenüs von Spectrasonics Stylus RMX und sind manuell gesetzt. Der Snare-Wirbel wird mit dem Abbey Road Modern Drummer aus Kontakt 5 umgesetzt.

Strings & Synths & Piano

Strings: Den Streicherpart übernehmen im Original-Track die Bandmitglieder Grace Chatto, die Rather Be mit Keyboarder Jack Patterson auch produziert hat, und Milan Neil Amin-Smith zusammen mit Gastmusikern. Es wird also kein großes Orchester gebraucht, sondern eine kleine Besetzung, für die wir die einzelnen Stimmen auf separate Kontakt-Instanzen aufsplitten, in die dann Solo-Violine, Solo-Cello und Kontrabass aus der Orchestral-Library geladen werden. Um den Sound noch etwas anzudicken, habe ich die Violinen außerdem mit dem Chamber Ensemble aus der East West Symphonic-Orchestra-Library gedoppelt. Das Streicherthema wird dem Song einmal etwas verlangsamt mit 115 BPM vorangestellt, was sich mit der Tempospur schnell automatisieren lässt.

Synths: Direkt im Anschluss wird das Streicherthema von einem perkussiven Synth übernommen. Hierbei handelt es sich um eine mittels Verstärker-Hüllkurve perkussiv getrimmte Sinusschwingung aus dem Lennar Digital Sylenth1, die mit etwas internem Chorus, Distortion und Reverb angereichert ist. Die Linie ist mit einer leichten Swing-Quantisierung versehen (20 %), was das House-Feel deutlich unterstützt. Der einzige weitere Synth ist ein klassischer Roland SH-101-Bass aus Spectrasonics Trilian, („TR-C H A N C E 101“), wie er gerne in House-Styles verwendet wird

Piano: Auch das Klavier greift das Thema auf und unterlegt es zusätzlich mit fetten Akkorden. Der Sound muss House-typisch drahtig, kräftig und höhenreich sein. Dafür habe ich ein Layer aus XLN Addictive Keys’ Studio Grand („Close Hard“) und reFX’ Nexus Dancepiano („Dancepiano 2k7“) verwendet. Das XLN-Piano wird außerdem mit einem Waves CLA-3A kräftig komprimiert (7 bis10 dB Gain-Reduction).

Arrangement & Master

3 Der Song lebt durch das immer wiederkehrende Motiv, das sich in geschickter Weise durch die verschiedenen Instrumentengruppen zieht, angefangen bei den Streichern über den perkussiven Leadsynth bis zum Klavier, wodurch es sich tief in die Gehörgänge gräbt und auch allein schon durch die groovige Art einfach gute Laune versprüht. Wie in Dance-Tracks üblich lassen sich die Parts beliebig kombinieren, es kommt darauf an, eine gelungene Spannungskurve zu kreieren, dann kann man den Song auch sehr lange ausbauen. Durch den Gesang werden aber auch gleichzeitig Popsong-Strukturen mit Strophen und Refrains vorgegeben.

Master: Im Masterkanal sorgt zunächst wieder der UAD Shadow Hills Mastering Compressor mit nur wenig Gain-Reduction (1 − 2 dB) dafür, dass der Mix wie aus einem Guss klingt und nicht nach vielen Einzelsignalen. Der Brainworx bx1-EQ hebt nur bei 4,5 kHz um 1 dB an, ansonsten kommen keine weiteren Einstellungen zum Tragen. Dafür darf der UAD Precision Maximizer mit dem Mixregler auf 100 % und Shape auf 66 % noch gehörig Sättigung dazufahren. Viel Spaß beim Experimentieren!

 Weiter Folgen aus der Reihe De/constructed findest du hier

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