Hits zum Nachbauen

De/constructed: 80s Special

In drei Schritten zum Hit! In dieser Workshop-Reihe zeigen wir, wie und mit welchen Tools sich aktuelle Charthits und klassische Stilrichtungen zu Hause am eigenen Rechner (nach-)produzieren lassen. Dieses Mal geht es einhergehend mit unserem 80s Special um den typischen Sound dieses Jahrzehnts, die damals stilprägenden Instrumente und Produktionsweisen. Stellvertretend hierfür nehmen wir den Soundtrack zum Achtziger-Blockbuster Top Gun als Vorlage, insbesondere die Single Danger Zone von Kenny Loggins. 

Die 80er waren geprägt von schriller Mode, Haarspray-Frisuren, Schulterpolstern und Rockern in Leggings. In der Musik wurde es mitunter schrill, es herrschte – begünstigt auch vom technischen Fortschritt – eine Auf- und Umbruchstimmung. Digitale Synthesizer wie der Yamaha DX7 oder das Synclavier mit Sampling-Option kamen auf den Markt und verdrängten nach und nach die analogen Boliden wie Jupiter-8, Prophet-5 oder OB-8.

Gleichzeitig wurde der MIDI-Standard geboren, mit dem man Instrumente verschiedener Hersteller auf einfachste Weise miteinander verbinden und synchronisieren konnte. Und Drumcomputer wie LinnDrum, Oberheim DMX oder Emu SP-12 wurden zum Synonym für den Sound dieses Jahrzehnts.

Style-Analyse & Drums

Der Top-Gun-Soundtrack vereint all diese Bestandteile in perfekter Weise und ist damit eine ideale Vorlage für unser Pattern. Für die Umsetzung im Rechner kommen die Plug-in-Varianten von DX7, Synclavier und Jupiter-8 von Native Instruments bzw. Arturia zum Einsatz, ebenso Samples der Drumcomputer und Effektgeräte-Klassiker aus dieser Zeit.

Drums: Das programmierte Pattern mit klar definierten Kick- und Snare-Schlägen sowie Achtel-Hi-Hat ist sehr Rock-lastig und orientiert sich an der klassischen Spielweise eines realen Studiodrummers. Tom- und Percussion-Akzente lockern die starre Programmierung auf und sorgen für absolutes 80’s-Flair. Dies liegt vor allem an den verwendeten Sounds:

Die Basis, bestehend aus Kick, Snare, Hi-Hat und Crash, ist eine Kombination verschiedener LinnDrum-Samples aus der „Number 1 Hits“- EZX-Erweiterung für den Toontrack EZ- Drummer sowie vorbearbeiteten Samples aus diversen Samplepacks, wie sie z. B. von Loopmasters oder Splice angeboten werden. Die Toms sind ebenfalls eine Kombination verschiedener 80’s Drummachine-Samples.

Von der Programmierung her ist es ein beliebter Trick, Achtel-Shaker oder -Hi-Hats abwechselnd links und rechts zu platzieren, um dem Pattern mehr Dynamik zu verleihen.

Bass, Gitarren & Synths

Bass: Hier ist drahtiger FM-Sound gefragt. In unserem Beispiel kommt eine Kombination der Native Instruments Synths FM8 und Reaktor (Ensemble „Soundschool Analog“) zum Einsatz. Ersterer ist ein direkter Clone des Yamaha DX7, der zweite bietet zumindest Frequenzmodulation in der Oszillator-1-Sektion, was sofort für den typisch drahtigen FM-Sound sorgt. Die Bassline ist sehr rhythmisch und melodisch gehalten, sie orientiert sich am Gitarrenriff und am Drumpattern. Sie legt damit nicht nur das Bassfundament, sondern ist beinahe schon solistischer Bestandteil des Arrangements. Viele solcher Parts wurden eben nicht mit Maus und Tastatur programmiert, sondern live von Musikern direkt aufs Band eingespielt.

Gitarren: Hier hat uns wieder unser Autoren- Kollege Warthy mit einem Gitarrenriff unterstützt und auch gleich ein typisches 80’s-Solo samt Tremolohebel-Einsatz und Feedback eingespielt. Als Amp kommt das Native Instruments Guitar Rig mit einem klassischen Marshall-Stack zum Einsatz. Die DI-Files stehen auch im Downloadordner für eigene Nachbearbeitungen zur Verfügung.

Hier findest du alle Dateien zum Download.

Synths: Hier gibt es zunächst eine Dopplung des Gitarrenriffs mit einem dicken und gleichzeitig perkussiven Synthstack bestehend aus zwei FM7 („Deeply Plucked“, „Brass Ens“) und einem CS-80 („The End“). Im Chorus wird das Pattern in Clavinet-Spielweise perkussiv angeschlagen. Im ersten Halftime-Part sorgt eine pluckernde Analog-Sequenz (Arturia CS-80, „VCA EG Short Decay“ und Reaktor Spark, „Delucky“) für Bewegung.

Derartige Sequenzen bringen Flair und Tempo in das Pattern und werden auch an anderen Stellen akzentuiert eingesetzt. So gibt es noch eine schnelle 16tel-Sequenz aus dem Arturia ARP 2600 V3 („Low Sequence01“, umprogrammiert), bei der die Filterfrequenz automatisiert wird, sowie ein Arpeggio auf einem Vorhalt-Akkord aus dem Synclavier („80s Sequences“ nebst paralleler Sequenz (FM7, „Breather“). Anschwellende Pads sorgen für geschmeidige Übergänge zwischen den Parts (Synclavier „12 Partials Pad“). Jupiter-8 „Accordeonix“).


80s Special – Top Gun O.S.T.

Top Gun ist ein zum Kultfilm avancierter Actionfilm aus dem Jahr 1986, in dem Tom Cruise (Maverick) zum Kampfpiloten ausgebildet wird.

Den Soundtrack dazu lieferten keine Geringeren als Giorgio Moroder und Harold Faltermeyer, die einen Großteil der Songs dafür schrieben und produzierten. Wie der Film war auch der Soundtrack international äußerst erfolgreich und brachte mehrere Hit-Singles hervor, darunter Danger Zone mit Kenny Loggins und die mit einem Oscar und Golden Globe ausgezeichnete Ballade Take My Breath Away. Für Danger Zone war übrigens im Vorfeld gar nicht Kenny Loggins vorgesehen, sondern die US-Legenden Toto, was jedoch an vertraglichen Belangen scheiterte. Auch weitere Bands und Interpreten lehnten ab, bevor schließlich Kenny Loggins zusagte, der im Lauf seiner Karriere noch auf zahlreichen weiteren erfolgreichen Soundtracks zu hören war.


Arrangement & Master

Dieser 80’s-Style ist in gewisser Hinsicht ein Hybrid aus bis dato klassisch melodischer Hardrock-Songwriter-Denke und der Umsetzung mit den zu der Zeit verfügbaren elektronischen Mitteln. Die rockige Attitüde und der imaginäre Bandgedanke mit Drums, Bass, verzerrten Hardrock Riffings, Gitarrensolo und Keyboards schwingt immer mit, jedoch mit Drumcomputer, Synthbass und digitalen Synths anstelle echter Instrumente. Zusammen mit den Gated-Toms und großen Reverbs ergibt dies den typischen 80er-Jahre-Sound. Dazu kommt die ausgesprochen musikalische Umsetzung, die ebenfalls sehr Band-orientiert und musikerfokussiert ist, mit melodischen Lines, erweiterten Chords und einem hohen Live-Anteil.

Master: Auch hier haben wir uns an der Arbeitsweise der 80er orientiert. Die Summe durchläuft zunächst den Slate Digital Virtual Mixbus (Stellung „Brit N“), um eine analoge Konsole zu simulieren. Danach geht es in den SSL G-Bus Compressor mit ca. 2 dB Gain-Reduction und einen Pultec-EQ mit leichter Bass und Höhenanhebung. Anschließend wird der Mix auf eine UAD Oxide-Bandmaschine „aufgezeichnet“, die relativ heiß angefahren wird, um genug Bandsättigung zu erhalten. Viel Spaß beim Experimentieren!

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