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Das richtige Studio-Mikrofon an der Posaune

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(Bild: Marc Bohn)

Welches Mikrofon eignet sich am besten für die Aufnahme einer Posaune? Im folgenden Beitrag wollen wir versuchen dieser Frage auf den Grund gehen, geeignete Mikrofone miteinander vergleichen und deren Klang analysieren. Zur Verfügung stehen dabei 27 Mikrofone verschiedener Hersteller und diverser Bauarten, die wir vor einer Tenor-Posaune positioniert haben. Um Mikrofone gleichen Wandlerprinzips miteinander vergleichen zu können, teilt sich der Bericht in vier Unterkategorien – Dynamische Mikrofone, Kondensatormikrofone, Bändchenmikrofone und Clip-Mikrofone.

Intro

Die Tenor-Posaune ist mit dem tiefsten spielbaren Ton eine Oktave unter der Trompete angesiedelt. Dies hat natürlich auch einen deutlichen Einfluss auf das Frequenzbild der Töne und deren Obertongehalt. Wird die Posaune in normaler Lautstärke gespielt, so erreicht der Frequenzumfang ungefähr 6kHz, bei lauten Tönen und dem Überblasen erweitert sich der Frequenzbereich über 10kHz hinaus.

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Um den Rahmen nicht zu sprengen stellen wir euch pro Mikrofon jeweils zwei Soundbeispiele zur Verfügung. Das erste Beispiel ist ein laut gespieltes Lick mit kürzeren Tönen, das den vollen Frequenzumfang der Posaune bei hoher Lautstärke erkennen lässt. Beim zweiten Beispiel handelt es sich um eine pentatonische Tonleiter, die den Tonumfang der Tenor-Posaune aufgezeigt und den Klang der Mikrofone in den verschiedenen Lagen bei mittlerer Lautstärke demonstriert.

Vorhandene Einstellmöglichkeiten an den Mikrofonen wurden in neutraler Stellung belassen und die Positionierung je nach Mikrofonart in der Entfernung leicht variiert. Alle Beispiele wurden im Gotteswegstudio A in Köln über einen sehr transparent klingenden Millennia HV-3R Mikrofonvorverstärker aufgezeichnet. Für ein genaueres Bild der Aufnahmesession empfehle ich euch den Brass-Recording Artikel in der aktuellen Ausgabe von Sound & Recording. Weitere Informationen und Klangbeispiele zur Mikrofon-Positionierung findet ihr online auf Sound-and-Recording.de.

Dynamische Mikrofone

Beginnen wir mit dem Vergleich der zwölf dynamischen Mikrofone an der Posaune. Bei den Tauchspulenmikrofonen werden das Electro-Voice RE20, das Sennheiser MD421 und das Shure SM57 oft als Standards und Klassiker für die Abnahme der Posaune in Live- und Studiosituationen genannt.

Klangbeispiele

Klangbeispiele

Beim Vergleich der dynamischen Mikrofone sind recht große Unterschiede wahrzunehmen. Während das Electro-Voice RE20 und das Shure SM7b die hohen Frequenzen und damit den Klang des Ansatzes detailliert übertragen, so fokussieren das Sennheiser MD441 und Beyerdynamik M380 eher den Grundtonbereich. Das Shure SM58 wirkt im Gegensatz zum SM57 insgesamt etwas ausgeglichener und der Frequenzgang passt gut zum Grundklang der Posaune. Das Sennheiser MD421 weist einen recht vollen Klang auf ohne das Anblasgeräusch zu sehr zu reduzieren. Einen klanglichen Sonderfall stellt das Sennheiser e602 aufgrund des für tiefe Instrumente angepassten Frequenzgangs dar. Frequenzen im Bereich zwischen 100Hz und 2kHz werden sehr reduziert dargestellt, was einen Großteil des Posaunen-Tons verschluckt. An einer Bassposaune könnte der Klang des Mikrofons einen besseren Eindruck machen.

Aufmacher-Trompete-Royer-Foto-Marc-Bohn
(Bild: Marc Bohn)

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Kondensatormikrofone

Als nächstes widmen wir uns den sechs Kondensatormikrofonen. In dieser Kategorie gelten das Neumann U87(AI) und das AKG C414 als oft genannte Standards zur Aufnahme einer Posaune.

Klangbeispiele

Klangbeispiele

 

Das Neumann U47fet bringt recht viel Präsenz mit und stellt damit den Ansatz der Posaune in den Vordergrund. Im Gegenteil dazu wirkt das Neumann TLM170 »runder« und weist einen volleren Klang auf. Achtet man auf die Räumlichkeit des Klanges, so ist diese am stärksten im AKG C414XLII vertreten, obwohl die Richtcharakteristik der Niere gewählt war. Das Neumann U87AI bewegt sich auch eher im »dunkleren« Klangbereich und so sind beim Spielen der Tonleiter im Vergleich zu den anderen Mikrofonen deutlich weniger Luftgeräusche wahrzunehmen.

Saxofon-Axel-Mueller-NeumannU47FET-Marc-Bohn
(Bild: Marc Bohn )

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Bändchenmikrofone

Für den Vergleich standen in der Aufnahmesession sechs Bändchenmikrofone zur Verfügung. Gerade bei Blechbläsern wird heutzutage gerne zu Bändchenmikrofone gegriffen, da diese aufgrund des Frequenzabfalls in den Höhen ein recht angenehmes Klangbild erzeugen und niemals zu scharf oder schrill wirken. Bei der Posaunenaufnahme sind alle der von uns verwendeten Bändchenmikrofone durchaus als Standards zu bezeichnen.

Klangbeispiele

 

Klangbeispiele

 

In der Royer-Familie weisen alle Modelle einen sehr angenehmen Ansatzklang auf, wobei das R-122 und besonders das R-122V den Grundton der Posaune stärker erscheinen lassen. Etwas »bissiger« wirkt das Coles 4038, doch lässt es die Posaune sehr voll klingen und weist etwas weniger Räumlichkeit als das AEA R84 auf. Die geringste Räumlichkeit besitzt das Beyerdynamic M160, was an der Richtcharakteristik der Hyperniere liegt (anstelle der für ein Bändchenmikrofon typischen Acht). Der Grundton klingt beim M160 nicht so voll wie bei den anderen Bändchen – besonders auffällig beim Tonleiter-Beispiel.

Clip-Mikrofone

Obwohl es sich vom Wandlerprinzip um Kondensatormikrofone handelt, erhalten die drei aufgenommenen Clip-Mikrofone in unserem Vergleich eine eigene Kategorie. Grund dafür ist die sehr nahe und fixe Position der Mikrofone am Trichter der Posaune, die sie besonders für den Live-Einsatz sehr beliebt macht.

Klangbeispiele

Klangbeispiele

 

Das »dunkelste« Mikrofon der drei Kandidaten ist das AudioTechnica ATM350, welches einen vollen Grundton aufweist. Das Shure Beta98 klingt im Gegensatz dazu viel »offener« und der Ansatz der Posaune sowie die Luftgeräusche stehen klanglich im Vordergrund. Das SD Systems LCM85 bewegt sich klanglich dazwischen und ist insgesamt ausgewogen. Bei den lauten Tönen weist das LCM85 zu starke Luftgeräusche auf, was sich durch einen perkussiven Attack bemerkbar macht. Durch eine Umpositionierung des Mikrofons kann hier Abhilfe geschaffen werden, doch wir haben das gleiche Setup für die Aufnahme aller Beispiele verwendet. Bei den mittellauten Tönen im Tonleiterbeispiel stellen die Anblasgeräusche kein Problem dar.

Outro

Nach dem Anhören und Vergleichen der vielen Soundfiles steht eines fest: Jedes Mikrofon bietet einen unterschiedlichen Charakter, der bestimmte Qualitäten und Klangaspekte der Posaune hervorbringt und je nach Stil und Musikgenre vorteilhaft eingesetzt werden kann. Somit steht die Mikrofonwahl auch immer in Abhängigkeit zum Klang des Instruments, der Akustik des Aufnahmeraumes und dem gewünschten Klangideal des Projektes. Die Frage nach dem geeignetsten Mikrofon für die Aufnahme einer Posaune kann also nicht eindeutig mit einer Hersteller und Modellbezeichnung beantwortet werden. Daher ist es von Vorteil, wenn im Studio einige verschiedene Klangcharakter und -Optionen zur Verfügung stehen und der Favorit je nach Projekt gewählt werden kann. Wenn es sich allerdings um 27 verschiedene Mikrofone handelt, fällt die Wahl äußerst schwer!

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Nicht ganz zum Thema passend, aber irgendwie auch doch: Täusche ich mich, oder sind beinahe alle “großen” Artikel, die im Heft stehen, auch früher oder später online hier zu finden? Warum abonniert man das Heft, wenn man hier auch alles “für lau” bekommt?

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    1. Hallo Michael,

      die wichtigen Artikel wandern zwei Monate nach dem sie im Heft erschienen sind auf unsere Website. Als Heftleser bist du somit also weiterhin aktueller. Artikel wie De/constructed oder Sounds Like… erscheinen deshalb gleichzeitig online, weil wir im Heft auf Videos und Hörbeispiele verweisen, mit dem wir dem Leser einen Mehrwert geben. Diese findet man dann sofort auf der Website. Natürlich ist deine Frage berechtigt. Der Lesekomfort ist bei einem Print-Magazin allerdings ein ganz anderer, als wenn man sich beispielsweise lange Stories im Web durchliest. Das ist aber auch Geschmackssache. Wichtig ist nur, dass du uns als Leser treu bleibst, egal ob Print oder Online 🙂

      LG Marc

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