Kniffe, die die Welt verbessern

Bestes Equipment, beste Qualität?!

Studiotipps-1

Wenn wir über die Qualität einer Aufnahme sprechen, gibt es eigentlich nur einen Maßstab, der am Ende wirklich zählt: wie emotional das Spiel, wie berührend der Gesang oder auch wie faszinierend die Interpretation ist. Sobald wir aber in die Welt der Audiofreaks und Tonschaffenden eintauchen, scheint dieser Bereich bisweilen komplett aus der Wahrnehmung zu verschwinden. Vielmehr stehen dann Dinge im Vordergrund, die uns bisweilen glauben lassen könnten, dass die Qualität des Musikers zu vernachlässigen oder sogar sehr einfach zu haben sei.

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Die Technik dient ja eigentlich dazu, einen ganz besonderen Moment einzufangen. Etwas, das wir für die Ewigkeit archivieren möchten. Ich wage da mal eine Parallele zur Foto- und Videotechnik: Als sich vor vielen Jahren die Geburt unseres ersten Kindes ankündigte, hatte ich das Anliegen, möglichst viele Schritte des neuen Lebens bestmöglich festzuhalten. Also kaufte ich eine Videokamera der oberen Mittelklasse, eine umfangreiche Fotoausrüstung, obendrein Zubehör wie Ersatz-Akkus, Taschen und Adapterkabel. Aber in den besten Momenten war die Kamera meist nicht aufgeladen, kein leeres Videoband in Reichweite, oder ich hatte die Technik schlicht nicht dabei!

Die ganze High-Tech kam dadurch relativ spärlich zum Einsatz. Viel interessanter waren eigentlich die Momente, die wir später mit dem Aufkommen der ersten Handy-Kameras aufgenommen hatten. Das waren zwar zu Anfang nur pixelige Mini-Auflösungen, aber die Momente sind teils so lustig, dass wir sie uns heute noch anschauen.

Profi-Equipment

Für einen Profifotografen wäre eine Handy-Kamera damals eher sinnlos gewesen, denn das Hochglanz-Cover einer Illustrierten verlangt nun einmal nach hohen Auflösungen und perfekt inszenierten Details.

Wenn es wirklich das dicke Equipment sein muss, dann wird die lockere Momentaufnahme zur Herausforderung. Die Inszenierung drumherum ist dann die eigentliche Kunst! Vielleicht entsteht das beste Bild am Ende sogar mit dem falschen Licht und dem falschen Objektiv, aber dank den Möglichkeiten im Rechner ist das heute meist eh kein Problem. Equipment alleine ist kein Garant für ein geniales Ergebnis!

 

Womit arbeitest du?

Wenn wir die ganze Fotogeschichte mal auf die Musik übertragen, dann wird klar, dass es auch da nicht immer auf die messtechnisch besten Dinge ankommt. Es ist toll, wenn jemand ein großes Studio besitzt! Aber was ist, wenn man dann inmitten aller Gerätschaften oder Software-Menüs am Ende nicht kreativ wird? Ich sitze beispielsweise gerne am Klavier, da werde ich beinahe automatisch kreativ! Es ist dann eigentlich unerheblich, welche technischen Errungenschaften es sonst noch so alle gibt, viel wichtiger wäre es für mich, dass ich »das Studio« mit seinen Möglichkeiten ganz einfach in die Nähe meines Klaviers bekomme. Dessen hochwertige Technik nützt mir in diesen Situationen aber nichts, weil ich sie nicht schnell genug an den Start bringen kann.

Die wesentlichen Dinge

Was zeichnet einen guten Mix aus? Das wichtigste Element in einem Mix ist zuerst die Lautstärke der Einzelspuren untereinander. Wenn die nicht passen, dann nützen auch keine tausend Wunder-Plug-ins. Um die Lautstärke anzupassen, braucht man keinen High-End-Computer, das kann heutzutage wirklich jede noch so lahme Kiste. Aber kannst du mit der Maus wirklich komfortabel arbeiten? Trackpad? MIDI-Controller? Oder würde ein größerer DAW-Controller mit mehreren Fadern die richtige Lösung sein?

Nach der generellen Lautstärke-Abstimmung korrigierst du ein paar Frequenzen, fügst ein paar Filter ein und komprimierst vielleicht ein paar Spuren und Busse mit dem Kompressor. Auch das sind in der Regel keine großartigen Anforderungen an einen Computer.

Aber wie hast du diese essenziellen Plugins am Start? Wäre es nicht praktischer, bestimmte Dinge schon vorher im Song oder als Kanal-Preset zu definieren, wenn es vielleicht Tricks sind, die du eh immer wieder so machst? Zumindest die Busse mit den wichtigsten Instrumentengruppen könntest du doch einmal definieren und dann im Default-Song laden.

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Anstatt zu überlegen, wie man noch einmal genau bei deinem Lieblings-Hall bestimmte Bereiche verändert, überlege dir einen pragmatischen, schnellen Weg, den du vielleicht sogar in deinem Default-Song gleich mit abspeicherst. Eine Möglichkeit wäre es, mit dem Meta-Plug-in von ddmf.eu einfach ein Preset zu erstellen, welches hinter dem Plug-in einen einfachen, aber effektiven EQ schaltet und somit schnelle Frequenzanpassungen der Hallfahne möglich macht.

Mehr Zeit durch weniger

Heutige Sample-Librarys sind nicht unbedingt dadurch geprägt, dass sie einfach und intuitiv zu nutzen sind. Jede Menge Artikulationen und Gigabytes an Einzelsamples versprechen zwar maximale Authentizität, aber hilft dir das wirklich?

Neulich habe ich mir beispielsweise eine Snare Drum mit dem Software-Sampler Structure gebaut. Dort gibt es in den mitgelieferten Sounds einige Drumsets, die sich sehr detailliert anpassen lassen. Man kann beispielsweise die Raummikros sehr elegant mit den Hüllkurven und Filtern des Samplers bearbeiten, getrennt von den Direktsignalen des Drumsets. Sowas in der Art nutze ich öfter, beginne aber fast immer bei Null, damit ich ja keine Flexibilität einbüße.

Aber verliere ich da wirklich etwas, oder verschwende ich eher Zeit, weil ich durch die tollen Möglichkeiten zu lange an den Sounds herumschraube? Probehalber habe ich mir jetzt mal eine Handvoll nette Snare-Sounds mit diesen Klängen gebaut und diese als einfache Einzelsamples abgespeichert. Verloren habe ich nichts, aber die kleinen Samples benutze ich nun dauernd.

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Viele DAWs bieten die Möglichkeit, Plug-ins zu ordnen und in eigenen Kategorien abzulegen. Hier beispielsweise mein Basics-Ordner in Logic Pro X: Da finde ich blitzschnell alle Mixing-Plug-ins und verliere keine Zeit beim Suchen nach den Dingen, die ich ohnehin häufig nutze.

Nimm das, was funktioniert!

Einen lang ausklingenden Hall, der auch noch auf Anhieb gut klingt, liefert beispielsweise das Plug-in Blackhole von Eventide. Sicher gäbe es tausend Varianten und Möglichkeiten, einen ähnlichen Effekt vielleicht mit einem anderen Plug-in zu erzeugen. Aber wozu? Wann immer ich so einen Hall suche, benutze ich einfach Blackhole und passe die Einstellungen an. Wozu das Rad noch einmal neu erfinden?

»Ja, aber das geht doch nicht!«, wirst du aufschreien, vielleicht gibt es ja irgendwo noch ein anderes Plug-in, mit dem das noch besser geht? Ich behaupte einfach mal, dass es ganz sicher noch andere Lösungen gibt, irgendwie habe ich diesen Typ Hall ja bisher auch anders hinbekommen! Aber mit Blackhole geht es schnell, klingt fast nie schlecht und passt auch in den Mix. Ist das nun ein Fehler oder ein Gewinn? Es kommt auf die Perspektive an: Was passt gerade besser in deine Situation und zu deinem Soundgeschmack?

Ähnliches gilt für die ganzen Plug-in Kompressoren von Urei bis Teletronix. Wenn die mit ihren Einstellungen im Mix schnell funktionieren, warum etwas anderes benutzen? Ob die alle bis ins letzte Detail so klingen wie das Hardware-Original, ist dann auch egal, aber sind die Vorteile der schnellen Anpassung nicht großartig?

Auch wenn ich das Thema aus der Software-Perspektive betrachte, gilt das Gesagte natürlich ebenso für Hardware. Gerade bei EQs klappt das Korrigieren von Signalen bisweilen sehr viel schneller, weil sich die Möglichkeiten mit ein paar Knöpfen viel einfacher ausprobieren und durch einfaches Schrauben anpassen lassen. So mancher Vintage-Klassiker ist ja gerade deshalb berühmt, weil man mit diesem eben schnell und präzise arbeiten kann!

Unser Ohr lügt (manchmal), …

… zumal unser Ohr ohnehin so seine Eigenheiten hat – je länger ich an einem Signal schraube, desto mehr verrückte Sachen höre ich.

Nicht immer ist das beste Equipment auch für dich die beste Lösung. Wenn du nach Perfektion strebst, aber dein bestes Equipment unhandlich und für dich nicht optimal zu nutzen ist, dann überträgt sich diese Anspannung im schlimmsten Fall auf deine Mitmusiker. Dann hast du vielleicht eine rauschfreie und perfekte Aufnahme, die sich aber am Ende niemand mehr anhören will.

 

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