Die Drum-Tracks aufnehmen

Bandrecording – Hardrock – Video-Tutorial Teil 1

In unserer Band-Recording-Serie stellen wir typische Vorgehensweisen bei Produktionen in verschiedensten Stilen vor. Nach Ausflügen in den Jazz und einer kompletten Pop-Produktion wird es nun laut: Willkommen zur Hardrock-Session in der Tresorfabrik! Wie immer kannst du dir die Session im Online-Video anschauen und auch die einzelnen Takes in deine DAW laden, um selber mit dem Material zu arbeiten.

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>> Hier gehts zum nächsten Teil: Bandrecording – Part 2 – Gitarren <<

Wir setzen unsere Reise quer durch alle Genres fort und sind nun gewissermaßen in härteren Gefilden angelangt. Mit Drummer Jens Dreesen und Gitarrist Ulf Häusgen haben wir uns für die Session zwei gestandene Instrumentalisten ins Boot geholt und die beiden gebeten, einen Song für unsere Serie auszuarbeiten. Herausgekommen ist eine technisch anspruchsvolle Nummer, die aber gleichzeitig poppig ist und deren Parts auch unterschiedliche Stilrichtungen im Hardrock abdecken. Uns auf eine konkrete Richtung einzuschießen, haben wir gar nicht erst versucht. Im Vordergrund steht nun mal eher der produktionstechnische Aspekt, und wir glauben, dass man mit unserem Setup recht generisch verschiedenste Herausforderungen meistern kann. Gewissermaßen soll unsere Session ja auch für unterschiedlichste Songs Modell stehen. Wir verwenden auch sehr bewusst den breiten Begriff »Hardrock«. Dass das Sounddesign zum Beispiel im modernen Metal anders funktioniert als bei einer Stoner Rock Nummer, leuchtet ein. Dennoch sind sauber aufgenommene Instrumente in jedem Fall ein guter Startpunkt!

Vorbereitung und Aufbau

Vor einiger Zeit haben wir den Sweetspot unseres Raums gesucht und gefunden, seither steht bei uns das Schlagzeug normalerweise recht mittig im Raum vor der kleinen Empore. Für diese Session wollten wir allerdings einen besonders knalligen und hellen Sound haben, weshalb wir zum einen ein paar Teppiche eingerollt (für mehr Reflexionen) und zum anderen das Schlagzeug direkt vor unsere Teeküche gestellt haben. Das ist in sofern zweckmäßig, als dass wir so unser WC als Hallkammer benutzen können. Aber dazu später mehr.

Die Toms sind jeweils mit einem Sennheiser<br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /> MD 421 beststückt. Wir haben die Mikrofone<br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /> beim Soundcheck so lange hin und her geschoben,<br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /> bis sowohl der Winkel als auch die Position<br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /> für einen optimalen Klang sorgen. Abgesehen<br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /> davon darf das Mikrofon nie den Musiker beim<br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /> Spielen stören — einerseits ist das schlecht für<br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /> die Performance, andererseits hinterlassen Drumsticks<br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /> hässliche Beulen in Mikrofonkörben ...
Die Toms sind jeweils mit einem Sennheiser MD 421 beststückt. Wir haben die Mikrofone beim Soundcheck so lange hin und her geschoben, bis sowohl der Winkel als auch die Position für einen optimalen Klang sorgen. Abgesehen davon darf das Mikrofon nie den Musiker beim Spielen stören — einerseits ist das schlecht für die Performance, andererseits hinterlassen Drumsticks hässliche Beulen in Mikrofonkörben …

Unser Studiodrummer Jens Dreesen hat sein Set vor Beginn der Session gestimmt, und wir versorgen ihn nun noch mit einem passenden Kopfhörermix. Über unser digitales Monitoring-System bekommt er den Klick und das Playback, also einen Guide-Track, den Gitarrist Ulf Häusgen zuvor eingespielt hat. Außerdem liegen dort noch die einzelnen Mikrofonsignale an, sodass sich Jens seinen Kopfhörermix selber zusammenstellen kann.

Mikrofonierung

Die Vorbereitungen sind soweit abgeschlossen, und wir starten unseren Rundgang ums Set. Für diese Session haben wir sehr umfangreich mikrofoniert, um beim Mix aus dem Vollen schöpfen zu können. In der Bassdrum sorgt zunächst ein Shure Beta 52 für den nötigen Kick. Das Mikrofon ist re – lativ weit innen positioniert und bekommt so vor allem ein sehr direktes Signal vom Schlagfell. Außen vor der Bassdrum steht ein Neumann U47 Fet, also der röhrenlose Nachfahre des legendären U47.

Das AEA R88 ist ein Stereo-Bändchenmikrofon<br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /> und zeigt leicht schräg auf das Drumkit, um Kick<br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /> und Snare in eine gedachte Linie zu bringen. Dadurch<br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /> sind beide Signale dann im Panorama<br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /> genau mittig abgebildet.
Das AEA R88 ist ein Stereo-Bändchenmikrofon und zeigt leicht schräg auf das Drumkit, um Kick und Snare in eine gedachte Linie zu bringen. Dadurch sind beide Signale dann im Panorama genau mittig abgebildet.

Die Snare nehmen wir von oben mit einem Shure Beta 57 ab. Der Winkel ist relativ steil, und das Mikrofon reicht gerade so über den Rand der Snare. Das Beta 57 hat gegenüber dem »normalen« SM 57 eine Supernierencharakteristik, wodurch sich zum einen weniger Übersprechen von anderen Quellen und zum anderen ein stärkerer Nahbesprechungseffekt ergibt. Letzterer sorgt für einen etwas volleren Klang an unserer Snare. Von unten nehmen wir den Teppich der Snare noch mit einem Beyerdynamic M 201 TG auf, ebenfalls ein dynamisches Mikrofon, das sehr sauber in der Abbildung der Höhen ist.

Die drei Toms sind jeweils mit einem Sennheiser MD 421 mikrofoniert. Das Sennheiser ist ein absoluter Standard für diese Aufgabe und findet sich in einer der vielen über die Jahre entstandenen Revisionen in den meisten Studios wieder. Zum einen liegt das am linearen Bassbereich, dem leichten Boost in den Höhen ab 3 kHz und der sauberen Übertragung der Quelle bei hohem Schalldruck − man muss beim MD 421 also nicht massiv mit dem EQ eingreifen. Zum anderen kann die allgemeine Beliebtheit auch daran liegen, dass das Mikrofon − mal abgesehen von der exotischen Befestigung − sehr stabil ist und auch mal einen Treffer mit dem Drumstick verkraftet.

Außen vor der Bassdrum steht ein Neumann<br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /> U47 Fet, also der röhrenlose Nachfahre des legendären<br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /> U47. Das Mikrofon war der Versuch, den<br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /> Klang des U47 ohne die VF14-Stahlröhre, deren<br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /> Produktion eingestellt wurde, zu replizieren.<br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /> Dabei ist dann allerdings ein sehr eigenständiges<br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /> Mikrofon herausgekommen. Vor der Kick sorgt es<br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /> für den nötigen Schub und ergänzt den Sound des<br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /> innen liegenden Shure Beta 52 im Bassbereich.
Außen vor der Bassdrum steht ein Neumann U47 Fet, also der röhrenlose Nachfahre des legendären U47. Das Mikrofon war der Versuch, den Klang des U47 ohne die VF14-Stahlröhre, deren Produktion eingestellt wurde, zu replizieren. Dabei ist dann allerdings ein sehr eigenständiges Mikrofon herausgekommen. Vor der Kick sorgt es für den nötigen Schub und ergänzt den Sound des innen liegenden Shure Beta 52 im Bassbereich.

Die Hi-Hat nehmen wir mit einen Shure SM7 B auf, ein dynamisches Sprechermikrofon, das auf sehr angenehme weise die recht aggressiven Höhen der Becken unter Kontrolle hat. Als Overheads dienen uns zwei Shure KSM 32, die in einer sehr breiten AB-Aufstellung das ganze Set und die Becken abbilden. Diese beiden Neuzugänge in unserem Fundus haben sehr brillante Höhen, sind aber nicht zu aggressiv für die hart gespielten Becken in unserer Session. Wir schwören ja, wie in vorangegangenen Teilen dieser Serie schon beschrieben, normalerweise auf Bändchenmikrofone, die sehr samtige Höhen haben. Allerdings nimmt man hier auch immer in Kauf, dass das Schlagzeug räumlich wirkt, da die Mikrofone durch die Achter-Charakteristik auch die Rauminformation hinter den Mikrofonen einfangen. Da wir für die Hardrock-Session möglichst viel Kontrolle behalten wollen, fiel die Wahl auf die Shure-Mikros mit einer Nierencharakteristik.

Ganz verzichten wollen wir auf den Raumklang natürlich nicht, weshalb wir in ca. 4 Meter Entfernung zum Set ein AEA-R88- Stereo-Bändchenmikrofon aufbauen. Das Mikro zeigt schräg auf das Schlagzeug, sodass Bassdrum und Snare in einer Achse liegen. Das garantiert uns später eine sauberere Phasenlage, und weder Snare noch Bassdrum brechen nach links oder rechts im Panorama aus.

Zu guter Letzt haben wir es uns nicht nehmen lassen, zusätzlich unsere natürliche Hallkammer zu nutzen − unsere Toiletten. Das mag jetzt etwas weit hergeholt klingen, erweist sich aber immer wieder als nützlich. Das Bad ist recht geräumig und komplett gefliest, der Sound bei geöffneter Tür zum Durchgang in den Aufnahmeraum lässt sich am besten als knallig und hart beschreiben. Wir benutzen als Mikrofone zwei Shure Beta- 91-Grenzflächenmikrofone, die aufgrund ihrer Bauart besonders gut für die Abbildung von Räumen sind. Die Mikrofone haben wir in unseren patentierten D/H-Aufstellung positioniert, eins beim Herren-WC, eines bei den Damen. Wie immer stellen wir auch zu dieser Session alle Files und Einzelspuren online, das Reinhören lohnt sich!


Sound&Recording – Drum Recording Special

sr_0716_1Die Sommer-Ausgabe 07-08/16 von Sound&Recording steht ganz im Zeichen der Königsdisziplin im Studio – denSchlagzeug-Aufnahmen. In unserem Drum Special haben wir über 100 Mikrofone an den Drums miteinander verglichen. Udo Masshoff gibt euch Tipps, zum Stimmen des Schlagzeugs für eure Recordings. Außerdem beschäftigen wir uns mit den Themen Drum Editing in Studio One 3, mobilen Drum Recordings und damit, wie ihr mit NI Massive einen Layer für die Kick Drum basteln könnt. 
Weitere Themen:

 

  • UAD Fender `55 Tweed – Software-AMP
  • iZotope VocalSynth – Vocal Effekte aus dem Rechner
  • Zu Besuch bei Boutique-Hersteller Royer Labs
  • Mixpraxis: Rik Simpson mischt Coldplay – Hymn For The Weekend uvm.

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Editing & Co.

Nachdem Jens einige Durchläufe eingespielt hat, kümmern wir uns um das Zusammenfü- gen der besten Takes, wobei wir in diesem Fall keine Fehler beseitigen müssen, sondern uns nur für die ausdrucksstärksten Takes entscheiden. Anschließend quantisieren wir einige Stellen des Tracks, zerschneiden also das Audio und rücken die einzelnen Schläge auf das Raster in unserer DAW. Wir nutzen dazu den Beat Detective in ProTools. Ungeachtet der Qualitäten unseres Session-Drummers Jens Dreesen begegnen wir so gewissermaßen den Hörgewohnheiten der Rezipienten. Eine schnelle Double-BassdrumPassage hat immer auch etwas maschinelles, fast anorganisches, und wir möchten, dass die Drums perfekt zum Stil unserer Produktion passen. Die Quantisierung wird durch den dezenten Einsatz dann zum Stilmittel und nicht zum Klärwerk für krumm eingespielte Drums.

Anschließend kümmern wir uns noch um die Stereospur mit den Signalen aus unserem Bad. Durch die Laufzeit vom Schlagzeug zum WC geht einiges an Direktheit verloren. Wir kompensieren das, indem wir die Stereospur leicht nach vorne ziehen und sie in der DAW wieder genau über den Signalen der einzelnen Trommeln liegt. Hierbei muss man natürlich aufpassen, dass die Phasen – lage noch stimmt. Auf diesen Vorgang gehen wir beim Mix der Session noch genauer ein. Zum Schluss kümmern wir uns noch um hausgemachte Samples. Wir haben im Anschluss an die eigentlichen Aufnahmen noch einzelne Schläge auf Snare, Toms und Kick in verschiedenen Anschlagsstärken aufgenommen. Das ist praktisch, da man so die Möglichkeit hat, die Einzelsignale stark zu bearbeiten und dem Drumset im Mix wieder als Samples hinzuzumischen.

Oft kämpft man bei sehr lauten Becken zum Beispiel mit Übersprechen auf den TomMikrofonen. Möchte man die Toms im Mix sehr knackig und präsent herausarbeiten, wird man beim Anheben der Höhen schnell an eine Grenze stoßen, wenn jeder Schlag auf die Toms laute Beckenanteile zur Folge hat. Mit den Samples aus eigener Produktion kann man das vermeiden und bewahrt gleichzeitig den Sound des tatsächlich benutzten Drumsets. Sounds aus einer Library sind sicher sehr nützlich, aber wenn man schon mal einen Drummer und ein gutes Kit da hat, sollte das auch genutzt werden.

Ausblick

Die Drums sind im Kasten, geschnitten und sauber editiert! In der nächsten Ausgabe widmen wir uns der Aufnahme von Gitarren und Bass. Alle Sounds und Spuren zu dieser Ausgabe stehen wie immer zum Experimentieren und Benutzen im Netz zur Verfügung, wir wünschen viel Vergnügen!

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