Lauschangriff

5 Mikrofonpositionen an den Toms im Klangvergleich

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In diesem Lauschangriff widmen wir uns der Mikrofonierung von Toms des akustischen Schlagzeug-Sets. Für den Vergleich haben wir die Beispiele sowohl mit der Hängetom, als auch mit der Standtom aufgezeichnet. Die Mikrofone wurden jeweils am Schlagfell ausgerichtet und die Ausrichtung unterscheidet sich im Winkel und der Entfernung zum Fell. Da wir bei unserem großen Tom-Mikrofonvergleich nicht auf alle Positionen eingehen konnten, sollen die Klangunterschiede der Mikrofonpositionierung in diesem Artikel dargestellt werden.

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Die Toms eines Schlagzeugs haben einen ähnlichen Klangcharakter wie die Basstrommel und auch die Snaredrum (sofern diese ohne Teppich gespielt wird). Die Position des Mikrofons nimmt dabei einen starken Einfluss auf den Attack bzw. Anschlagssound, die Übertragung der Kesselresonanz und den Grundton. Der Grundton einer Tom ist in Abhängigkeit von ihrem Durchmesser und ihrer Tiefe zu sehen – je größer die Trommel, desto tiefer ist der Ton. Etwas oberhalb des Grundton ist die Kesselresonanz wahrzunehmen, die sehr deutlich am Kesselrand abgestrahlt wird. Der Anschlag des Sticks ist dagegen in der Mitte des Fells am stärksten, da dort der Stick auf das Fell trifft.

Als Mikrofon wurde das etwas unbekanntere dynamische Mikrofon Beta56 der Firma Shure ausgewählt. Aufgrund des kurzen Mikrofongehäuses und der integrierten Haltering kann dieses recht einfach sowohl an Hänge- als auch den Standtoms ausgerichtet werden. Der neutral und transparent klingende Millennia HV-3R Mikrofonvorverstärker wurde als Referenz für diese Aufnahme verwendet.

Für eine detaillierte Beschreibung der gesamten Aufnahmesession, empfehle ich euch den Lauschangriff-Artikel zu unserer Drumsession in der Ausgabe 07/2016 von Sound & Recording. Weitere Informationen und natürlich auch die gesamten Mikrofonvergleiche findet ihr zudem hier auf SoundandRecording.de.

Hängetom

Zunächst sollen die unterschiedlichen Positionen an der Hängetom verglichen werden. Für den Vergleich wurden drei Winkel gewählt – die flache Ausrichtung des Mikrofons, fast horizontal zum Fell, ein Winkel von ungefähr 45 Grad und die senkrechte Positionierung in einem 90 Grad Winkel. Zudem wurden jeweils zwei Entfernungen aufgezeichnet – ungefähr 3cm direkt am Fell und eine Entfernung von ca. 15cm.

Bei den nahen Positionierungen fällt die Überbetonung der Kesselresonanzen auf, die teilweise den Grundton übertönen und sogar dröhnend wirken können. Hier gilt oft die Devise, dass das Mikrofon nicht zu nah am Fell platziert werden sollte. Der Winkel ist dagegen für das Verhältnis von Anschlag und Grundton zuständig. Bei 45 Grad sind beide Klanganteile recht ausgewogen, während der Stick-Attack bei der senkrechten Mikrofonierung im 90 Grad Winkel deutlich reduziert wird.

Standtom

An der Standtom wurden die gleichen Mikrofonpositionen wie schon an der Hängetom aufgezeichnet. Aufgrund des tieferen Grundtons ist die Resonanz jedoch bei den sehr nahen Mikrofonierungen nicht ganz so ausgeprägt, wie an der kleineren Hängetom. Dennoch gelten dieselben Prinzipien bei der Mikrofonierung, unabhängig von der Kesselgröße.

 

Die Audiobeispiele demonstrieren die Klangunterschiede, die durch die Positionierung des Mikrofons an den Toms erreicht werden können. Eine allgemeingültige Positionierung, die für alle Mikrofontypen und Bauarten gleich gut funktioniert, gibt es allerdings nicht. Gerade bei den Toms kommen noch weitere Faktoren ins Spiel, da je nach Schlagzeugaufbau nicht besonders viel Platz zur Mikrofonausrichtung bleibt. Sehr oft habe ich erlebt, dass die Becken bei einem Speed Metal-Schlagzeug sehr niedrig waren und der Abstand von 15cm zum Fell nicht mit jedem Mikrofon möglich gewesen wäre. Es lohnt sich also auszuprobieren, wie die verschiedenen Mikrofone an den Positionen wirken, um das Maximum aus der jeweiligen Situation herauszuholen. Klangliche Nachteile eines Mikrofons, wie beispielsweise ein recht „dünn“ wirkende Grundton, können beispielsweise der nahen Mikrofonierung entgegen kommen, da sie die Kesselresonanz nicht zu sehr in den Vordergrund rücken. Daher sollte man sich beim Soundcheck intensiv mit der Mikrofonpositionierung auseinandersetzen, um das bestmögliche Ergebnis zu bekommen.

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