Produkt: Sound & Recording 09-10/2019
Sound & Recording 09-10/2019
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Lauschangriff

34 Mikrofone im Vergleich an der HiHat

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Für die Mikrofonierung der HiHat eines Schlagzeug-Sets werden sehr unterschiedliche Ansätze verfolgt. Je nach Produktion ist entweder ein sehr detailliertes und brillantes Signal erwünscht oder es steht dem ein rauer, mittiger Klang entgegen. In diesem Lauschangriff sollen die verschiedenen Ausgangssignale der Mikrofone verglichen werden. Dafür stehen 34 Mikrofone verschiedenster Hersteller zur Verfügung, die auch typischerweise als HiHat-Mikrofon zum Einsatz kommen. Für einen strukturierten Vergleich werden die Mikrofone nach ihrer Bauart gruppiert.

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Intro

Die HiHat weist im Gegensatz zu den anderen Becken des Schlagzeugs die Besonderheit auf, dass sie in sehr unterschiedlicher Weise gespielt werden kann. Während das Zusammendrücken des Top- und Bottom-Beckens einen sehr leisen „Click“ erzeugt, so entsteht durch das Anschlagen beider Becken im geöffneten Zustand ein lautes „Scheppern“. Die Dynamik ist also immens und auch das erzeugte Klangmaterial unterscheidet sich stark im Frequenzumfang. Dazu ist die HiHat bei vielen Grooves das taktgebende Element und sollte daher auch stets gut im Schlagzeug-Mix wahrnehmbar sein.

Der Klang der HiHat ist von der Größe, der Dicke und dem Material der verwendeten Becken abhängig. Zudem variiert dieser je nach Hersteller und Modellreihe. Das Abstrahlverhalten der HiHat weist am Rand der Becken mehr Obertöne und hohe Frequenzen auf, als in der Mitte des Beckens, wo sich die Glocke (engl. „Bell“) befindet. Durch die Mikrofonwahl und Positionierung können wir den Klang bei der Aufnahme unterschiedlich betonen, doch muss die HiHat vom Grundlang her schon zur Produktion passen. Eine dünnes Jazz-HiHat mit 13“ Durchmesser wird durch die Mikrofonierung kaum wie ein massives 15“ Metal-HiHat klingen können.

Bei den Aufnahmen der Klangbeispiele wurden vorhandene Einstellmöglichkeiten bei allen Mikrofonen in neutraler Stellung belassen. Es wurde stets mit gleicher Positionierung aufgenommen, wobei bis zu vier Mikrofone gleichzeitig auf den Rand der HiHat gerichtet waren. Die Aufnahmen fanden im Gotteswegstudio A in Köln statt und der Millennia HV-3R Mikrofonvorverstärker wurde als Preamp-Referenz verwendet. Für ein genaueres Bild der Aufnahmesession empfehle ich euch den Drum-Recording Artikel der Ausgabe 07/2016 von Sound & Recording. Weitere Informationen und Klangbeispiele zur Mikrofon-Positionierung an der HiHat sowie den anderen Schlagzeug-Komponenten, findet ihr hier.

Kondensatormikrofone

 

Dynamische Mikrofone

 

Bändchenmikrofone

 

Die Top-5 der Session 

Mikrofone, die uns bei den Aufnahmen besonders aufgefallen sind, stellen wir in der folgenden Top-5 Liste dar. Folgende Kandidaten sind dabei zu nennen:

Beyerdynamic M160 (rechts): Auch wenn Bändchenmikrofone nicht direkt mit der Mikrofonierung der HiHat in Verbindung gebracht werden – das M160 ist eine sehr gute Wahl. Die Anschläge klingen präsent, dennoch mit ordentlicher Fülle und sind durchsetzungsfähig. Außerdem das • Beyerdynamic M201 (zweites Mikrofon von links): Oft wird das M201 rein äußerlich mit einem Kleinmembran-Kondensatormikrofon verglichen. Aber auch klanglich sind bei dem dynamischen Mikrofon durchaus Parallelen zu erkennen. Die HiHat wirkt sehr offen und weist ein realistisches Klangbild auf. Die Übersprechungen von Snare- und Bassdrum sind nicht überrepräsentiert. Definitiv eine gute Wahl!
DPA 2011C (rechts): Das Klangbild wirkt mit dem Doppelmembram-Miniaturmikrofon von DPA sehr differenziert und aufgeräumt. Die oberen Mitten und Höhen klingen recht präsent und dennoch „seidig“. Im Gegensatz zum DPA Klassiker 4011 fällt die Wahl als HiHat-Mikrofon für uns auf den kleinen Bruder.
Earthworks SR25 (zweites Mikrofon von links): Das Earthworks SR25 zeichnet sich an der HiHat dadurch aus, dass die Übersprechungen der restlichen Schlagzeug-Komponenten recht gering ausfallen und deren Klang nicht besonders auffällig ist. Die HiHat klingt direkt und vom Frequenzbild her ausgeglichen. Eine sehr gute Wahl an der HiHat.
Shure SM7B (rechts): Das SM7B von Shure überträgt die Höhen sehr sauber und klingt insgesamt ausgewogener als das SM57 oder auch das MD441. Die Übersprechungen halten sich insgesamt in Grenzen und klingen zudem ausgeglichen.

Outro

Die Klangbeispiele weisen auch an der HiHat recht große Unterschiede auf. Teilweise klingt das HiHat eher „Lo-Fi“ und sehr mittig, andere Beispiele weisen sehr viele Höhen auf. Ein weiterer Unterschied ist bei den Übersprechungen der anderen Instrumente (besonders der Snaredrum) wahrzunehmen. Mit manchen Mikrofonen klingen diese sehr druckvoll, andere verändern den Grundklang dagegen recht stark. Wie gut diese im Schlagzeug-Mix mit den anderen Mikrofonen einer Aufnahme funktionieren, muss ausprobiert werden. Einen grundlegenden Überblick zu den Klangunterschieden habt ihr hoffentlich durch unseren Lauschangriff erhalten und könnt euch eine Meinung zu den Mikrofonen bilden. Nach Möglichkeit solltet ihr eure Favoriten selbst ausprobieren, da das Handling definitiv auch einen Unterschied macht. Denn ein Mikrofon mit großem Gehäuse wie das SM7B passt nicht zu jedem Schlagzeug-Aufbau, auch wenn es klanglich optimal wäre.


Unsere Testkandidaten im Überblick:

Kondensatormikrofone:

  • AKG C451
  • AKG C1000
  • Audio-Technica ATM450
  • Beyerdynamic MC930
  • DPA 2011C
  • DPA 4011C
  • Earthworks SR25
  • Gefell M300
  • Josephson C42
  • Josephson e22S
  • Milab DC196
  • Mojave MA100
  • Neumann KM84
  • Neumann KM184
  • Oktava MK012
  • RFT M70
  • RFT M94
  • Rode NT5
  • Rode NT55
  • Schoeps MK4
  • Sennheiser MKH8040
  • Shure Beta181
  • Shure KSM137
  • Shure SM81
  • Telefunken M60fet

Dynamische Mikrofone

  • Beyerdynamic M201
  • Electro-Voice RE20
  • Heil PR30
  • Sennheiser MD441
  • Shure SM7B
  • Shure SM57

Bändchenmikrofone

  • Beyerdynamic M160
  • Royer R121
  • Royer R122
Produkt: Sound & Recording 11/2019
Sound & Recording 11/2019
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