Kolumne mit Peter Walsh

Wie kommt man im Musikgeschäft zum Erfolg?

Ich werde sehr oft gefragt, wie man es am besten anstellt, im Musikgeschäft den Fuß in die Tür zu bekommen, welche Eigenschaften man mitbringen muss und vor allem, wie man es schafft, den Erfolg zu halten. Es kommt dabei darauf an, in welcher Musiksparte man unterwegs ist und was man eigentlich als Erfolg definiert. Um einen guten Überblick über die Thematik zu bieten, habe ich mit fünf Profis aus der Musikindustrie gesprochen und versucht herauszufinden, welche Tipps sie für Neueinsteiger zur Hand haben, die ihr Glück in diesem vielseitigen Business suchen.

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Gary Davison, Artist Manager und Agent für Gilbert O’Sullivan, erzählte mir von seinem ersten Vorstellungsgespräch bei dem Label MAM Records damals in den 70ern, dass er sich »anbot, jegliche Tätigkeit erledigen zu wollen, inklusive Tee kochen. Sie boten mir daraufhin einen Job als Promo-Assistenten für den Sektor Radio an«. Wenige Tage später servierte er Tee mit Gebäck und lernte dabei automatisch alle wichtigen Radioproduzenten Londons kennen.

Anfänglich mag es sich auf dem Weg ins Karriereglück ein wenig ziehen, viele mussten diesen Weg gehen, und auf dem Weg gibt es genug Platz für Neu-Einsteiger. In Garys Augen sollte ein Artist Manager Talent zur Kommunikation besitzen sowie moderieren und koordinieren können. »Es ist unglaublich wichtig, eine klare Vision zu haben und bereit zu sein, für die Interessen deiner Klienten in den Ring zu gehen.«

Joff Gladwell, Chef des A&R-Bereiches beim Label Mute Records, das Label hinter Depeche Mode, erzählt, wie er seinen Einstieg ins Musikgeschäft vor rund 10 Jahren fand: »Zum Ende meiner Teenager-Zeit gründete ich ein eigenes kleines Label, das sich speziell auf einfache Pressungen in Form von 7″-Singles konzentrierte. Ich hörte von einer offenen Stelle als A&R bei Mute, und glücklicherweise mochte Daniel Miller einige der Platten, die ich vorher veröffentlicht hatte, und der Rest ist Geschichte.«

Joff Gladwell

Joff glaubt daran, dass man einfach sein Ding machen und durchziehen muss, um die größeren Prozesse zu initiieren. »Starte einen eigenen Blog, promote deine Gigs, oder gründe dein eigenes Label. Auf diesem Weg lernst du andere Menschen in der Industrie kennen, und dabei werden sich Chancen ergeben.«

Ich fragte ihn, was für ihn Erfolg bedeute und woran er ihn misst − geht es um die Hit-Single und ausverkaufte Shows, oder was macht für ihn den Reiz aus? Die Antwort ist viel persönlicher: »Was mich am meisten daran befriedigt, ist, einem Künstler dabei zu helfen, seine eigene Vision zu realisieren. Es ist wundervoll, wenn man eine Balance zwischen Kunst und Kommerz hinbekommt. Das ist der Grundstein für eine langlebige Künstlerkarriere.«

Ich gebe Joff in diesem Punkt Recht! Die – se magische Balance zwischen Kunst und Kommerz ist unser aller Ziel. Genau an diesem Ort tummeln sich nämlich die großen Fische, und hier ist es, wo die wirklich großen Karrieren ihren Anfang haben. Man sollte möglichst früh in dieses Becken springen, koste es was es wolle. Ab dann geht es darum, die Lern kurve zu durchlaufen, um so Erfahrung zu sammeln und die unterschiedlichen Seiten des Musikgeschäfts kennenzulernen.

»Du musst entweder künstlerisches oder kreatives Talent besitzen«, sagt Eddie Levy, Gründer von Chelsea Music Publishing. Eigentlich ist es logisch, aber dennoch scheinen diese Grundvoraussetzungen nicht allen klar zu sein, wie Casting-Shows immer wieder belegen.

Man sollte sich im Voraus genaue Gedanken machen und sich selbst, so gut es geht, reflektieren, bevor man sich für eine Karriere entscheidet, die zum großen Teil auf Intuition und »Feeling« basiert. Er betont ausdrücklich, dass es mehr bedarf, als den einen Hit-Song im Gepäck: »Man muss sein Netzwerk pflegen, eine YouTube- und Facebook-Seite betreiben und sich darauf konzentrieren, einen soliden Fundus an Kontakten anzulegen.«

Als Musikverleger ist es seine Passion, den richtigen Song für den passenden Künstler zu finden. Ähnlich wie bei einem Puzzle geht es hierbei darum, die passenden Einzelteile zu einem musikalischen Bild zusammenzusetzen. Eine der wichtigsten Fähigkeiten hierbei ist, einen guten Song auch zu erkennen, wenn man ihn hört. Chelsea Musics Repertoire umfasst solche Klassiker wie Lovely day von Bill Withers, ein Stück, dass über die Jahre von vielen Künstlern wie z. B. Frank Sinatra bis hin zu Eminem gesungen und neu interpretiert wurde.

Es kostet viel Arbeit, den Erfolg zu halten, und Eddie schafft es trotzdem immer und immer wieder, richtige Hits aufzuspüren. Ich kenne ihn seit meinen ersten Schritten im Musikgeschäft, und er ist auch für mich selbst als Verleger tätig, wodurch ich immer wieder seinen Sinn für Details bestaunen kann.

Eddie ist ein unglaublich aufmerksamer Gesprächspartner, er hat permanent das Business im Auge und passt sich stets an die wechselnden Trends der Branche an. Es kommt auch sehr darauf an, ob man in der Lage ist, das große Ganze sehen zu können, ohne dabei die Details zu vernachlässigen. Weiter ist es wichtig, dass man stets das Beste aus einer Chance macht. Vielleicht hast du nur eine Chance. Für Chancen überhaupt einen Blick zu haben und den richtigen Moment erkennen zu können, ist ein ganz besonderes Talent. Eddies Meinung hierzu: »Nimm es einfach selbst in die Hand, und mach dir dein Glück selbst!«

Jemand, der das sehr gut macht, ist der in Berlin lebende Musiker, Komponist und Produzent Alex Paulick. Ich erfahre von ihm, wie er seine Karriere am Laufen hält und wie er sich als Freelancer gegen die Konkurrenz behauptet. Er nennt es seine »Portfolio-Existenz«.

Neben den Produktionen seiner Band Kreidler komponiert Alex auch für Filme und Theater-Produktionen, sowohl zu Hause als auch im Ausland. Eines der nächsten Projekte seiner Musikgruppe wird in Namibia stattfinden. »Durch die Arbeit kommst du an Orte, an die du normalerweise nicht kommen würdest. Du entwickelst eine Idee aus der Gruppenkonstellation heraus und setzt diese dann um.«

Es macht ihm besonders viel Spaß, die einzelnen Elemente zu einem Ganzen zusammenzufügen, »Etwas aus dem Nichts zu erschaffen, aus der Luft zu zaubern«, wie er sagt.

Jane Third ist Global Chief Creative Officer für das internationale Plattenlabel PIAS, das sich um einige der besten Indie-Bands kümmert. Sie hat in der Vergangenheit schon mit Künstlern wie Christine and the Queens oder Major Lazer zusammengearbeitet. Sie liebt die Herausforderung, einen Künstler auf eine Art zu »positionieren« und rauszufinden, wie man ihn dabei einem größeren Publikum zugänglich macht, dabei seine Geschichte erzählt und das öffentliche Image aufbaut.

Jane Third

In ihren Augen verändert sich das Musikgeschäft permanent, und es ist wichtig, ein gutes Gespür für diese Veränderungen zu haben. In Janes Augen benötigt man keine Ausbildung für diesen Beruf, es sei denn, man arbeitet auf der technischen Seite als Engineer oder Tontechniker. »Just do it! Warte nicht, bis dir jemand einen Job unter die Nase hält. Das ganze Musikgeschäft basiert auf Menschen, die gewillt sind, etwas zu riskieren!«

Jane fügt noch hinzu: »Für den Fall, dass du eine Frau bist, können ein eiserner Wille und ein etwas dickeres Fell nicht schaden!« Ähnlich wie Gary Davison ist auch sie der Meinung, dass man ein klar definiertes Ziel, eine Vision und den Willen, der Beste im Spiel zu sein, haben sollte. Schaut man sich an, wie viele Preise sie dadurch gewonnen hat, scheint sie mit ihrem Rezept nicht ganz falsch zu liegen.

Im Musikbusiness geht es nun mal ums Geschäft. Wichtig sind Individualität, Engagement und Entschlossenheit. Das Bizz erkennt kreative Talente, und meine vier Interviewpartner sind sich einig, dass es gerade am Anfang einer gewissen Portion Glück bedarf. »Den glücklichen Zufall richtig timen«, würde Jane sagen. Man kann es auch ohne viel Üben und Proben schaffen, allerdings braucht man dann erst recht das Glück auf seiner Seite.

In meinen Augen sollte man sich alle benötigten Basics draufschaffen, um glänzen zu können, wenn der Moment kommen sollte. Als Produzent oder Engineer ist es nicht nur wichtig zu wissen, wie man eine gute Aufnahme macht und mischt, sondern man braucht einen sehr weiten Blick fürs Geschäft und sollte seinen eigenen Marktplatz besonders gut kennen.

Im Musikbusiness ist es möglich, verschiedene Stellen/Jobs/Positionen zu durchlaufen und dabei in verschiedene Rollen zu schlüpfen. Sobald man seinen Einstieg gemacht hat, ist es von Vorteil, wenn man viele Kanäle facettenreich bedienen kann. Als Freelancer ist es immer ratsam, mehrere Standbeine zu haben, um Risiken zu minimieren.

Es kann immer sein, dass du gestern noch als Produzent gearbeitet hast, heute dann plötzlich für ein Audio-Magazin Kolumnen schreibst, und wer weiß, vielleicht musst du morgen wieder den Tee-Jungen machen. Na ja, wenigstens bin ich mir in dem Punkt sicher, dass ich eine ziemlich gute Tasse Tee machen kann.

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