Natural Delay

Vovox: 596 Meter – das wohl längste Gitarrenkabel der Welt

Wie lang ist das längste Gitarrenkabel der Welt? Niemand kann es mit Sicherheit sagen, denn es gibt dazu keinen offiziellen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde. Als übliche Kabellängen für elektrische Gitarren oder Bässe gelten sechs Meter – auf großen Bühnen werden auch schon mal zwanzig Meter erreicht. 596 Meter ist also eine stattliche und in jedem Fall rekordverdächtige Länge.

Mehr noch als ein offizieller Rekordeintrag interessierten die Spezialisten von VOVOX die Klangexperimente, die sich mit einem derart außergewöhnlich langen Kabel anstellen lassen. Wie klingt ein empfindliches Signal, wie das einer E-Gitarre, am Ende von über 500 Metern? Welche Klangeffekte lassen sich erzeugen, wenn mit zwei Gitarrenverstärkern gearbeitet wird, die extrem weit auseinander platziert sind?

Um diese Fragen zu klären, brachen die Kabelspezialisten aus der Schweiz Mitte August zu einer Expedition zur Glattalp im Muotathal auf. Mit dabei waren Blackhole Amplification für die Verstärkung, Lehle für das Splitten der Signale und Power-Blox für den Strom, einige Helfer sowie Christy Doran, einer der innovativsten Schweizer Jazz-Gitarristen und ein Pionier der Loop-Delay-Spieltechnik. Der Glattalpsee liegt 1850 Meter über dem Meeresspiegel und bietet nicht nur ein grandioses Panorama, sondern auch akustisch hervorragende Voraussetzungen für das Experiment.

Für das Klangexperiment wurden zwei, durch kräftige Akkumodule gespeiste, Gitarrenverstärker weit voneinander entfernt an den Seeufern in Stellung gebracht. Auch das Verlegen des Rekordkabels über Stock und Stein, teilweise auch im Wasser, verlangte einigen körperlichen Einsatz. Dann der große Moment: Gitarre anschließen, Verstärker einschalten, ein erster Akkord und Freudenrufe. Alles klappt – und noch mehr: Der Klang der elektrischen Gitarre ist auch nach dem Durchlauf durch das 596 Meter lange VOVOX-Kabel einwandfrei. Und der in Luftlinie fast einen halben Kilometer von Christy Doran entfernte Verstärker ist trotz der Entfernung perfekt hörbar. Genauso wie der Donner in zeitlichem Abstand auf den Blitz folgt, entsteht auch hier durch die Distanz eine Verzögerung. In diesem Fall beträgt sie knapp 1,4 Sekunden im Vergleich zum zweiten, direkt neben dem Künstler stehenden Verstärker. Jede Note wird also doppelt hörbar. Verstärkt durch die Berge entsteht ein komplexer dreidimensionaler Echoeffekt, der alle Erwartungen übertrifft und ein Strahlen auf die Gesichter der anwesenden Klangfetischisten zaubert.

War es ein Rekord? Den Veranstaltern dieses einmaligen Experiments ist das eigentlich egal. Für sie war es so oder so ein lohnendes Experiment. Was geschieht nun mit dem Rekordkabel? Wie zu vermuten, handelt es sich um unverkäufliche Ware. Seine höhere Bestimmung hat das Kabel jedoch zu 100 Prozent erreicht. Und wer weiß – vielleicht wird es ja für weitere Klangexperimente wieder einmal entrollt.

Ein 3D-Video gibt es hier.

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