Kolumne

Vinyl Special: The Rolling Stones

The Rolling Stones

Mit ihrer ersten Studio-LP seit über 10 Jahren sowie ihrem 50-jährigem Bandbestehen kehren die Stones zu ihren schwarzen Wurzeln zurück: Blues und Rhythm ’n’ Blues. Durch das Nachspielen dieser vorherrschenden afroamerikanischen Spielart der 40er Jahre fanden etliche junge britische Bands im England der Nachkriegsjahre, wie die Rolling Stones oder die Beatles, zu ihrem eigenen Stil, dem weißen Rock’n’Roll — welcher in den 60ern zum Ausdruck einer ganzen Jugendbewegung weltweit wurde. Während der Arbeit an eigenen Songs, also einem regulären Stones-Album, fingen die alten Herren an, zur Entspannung den alten Chicago-Blues ihrer Anfangstage zu spielen. Und dies sollte ihre Album-Pläne spontan konzeptionell ändern: innerhalb von nur drei Tagen spielt die Band das gesamte Album via Live Recording ein; keine Overdubs, keine sonstigen technischen Spielereien. Die spontane Session, welche in Mark Knopflers Grove Studios in London stattfand (in denen unter anderem auch zwei Beatles-Konsolen beheimatet sind), wurde von ihren langjährigen Wegbegleitern, Produzent Don Was und Engineer Krish Sharma, betreut und klingt so, wie es sein soll: schnörkellos, dreckig, organisch und mit Seele. Watts’ lebendiges Shuffle-Spiel, die Gitarren-Rangeleien von Richards und Wood sowie ein meisterhafter Jagger an der Mundharmonika beschwören authentisch den Geist der frühen Sixties hervor, als sei es gestern gewesen. Folgerichtig lud man als Gastmusiker Eric Clapton ein, welcher sich glücklicherweise gerade im Nachbarstudio befand und anschließend Slide Guitars zu den Songs Everybody Know My Good Thing und I Can’t Quit You Baby beisteuerte. Blue & Lonesome ist das erste ausschließliche Cover-Album seit 1964 (seit der The Rolling Stones-EP) und ihr erstes komplettes Blues-Album überhaupt. Sollte es ihr letztes gewesen sein, so wäre dies ein mehr als würdiger Abschied — eine gelungene Verneigung vor ihren amerikanischen Helden.

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www.rollingstones.com

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