Umlaut Sounds made in LA

Umlaut Audio – Custom Software-Instrumente für Kontakt

Anzeige
Umlaut Sounds made in LA (Bild: Umlaut Audio)

Die nächste Filmmusikproduktion steht an, und auf der Suche nach geeigneten Sounds stößt man immer wieder auf die üblichen Verdächtigen: entweder Sounds, die schon in unzähligen Filmmusiken zu hören sind, oder aber solche, die man selbst schon öfters in eigenen Produktionen verwendet hat. Außerdem schweben einem für das aktuelle Projekt ständig diese abgefahrenen Klangwelten vor, von denen man aber bisher gar nicht weiß, wo man nach ihnen suchen soll oder ob es diese überhaupt irgendwo zu kaufen gibt. Sounds nach eigener Vorstellung in Auftrag zu geben und kurze Zeit später einzusetzen, das wäre jetzt genau richtig. Geht nicht? Geht!

Kurze Zeit darauf sind sie nach LA gezogen und machen es sich nun dort zur Aufgabe, maßgeschneiderte Sounds nach Kundenwünschen zu erstellen. Die jeweiligen Sounds werden dann je nach Auftrag entweder spielfertig in ein Kontakt-Instrument gepackt oder teilweise auch einfach nur als Audiofiles geliefert. Wenn gewünscht, werden die Instrument auch gerne mit eigens für den Kunden erstellten Skripten, Oberflächen und Funktionen versehen.

Anzeige

Umlaut Audio arbeitet hauptsächlich für Komponisten aus dem Bereich Film, TV und Games, und die Kundenliste kann sich sehen lassen. Hier sind Größen der Branche wie Harry Gregson Williams, John Debney, Danny Elfman, Tyler Bates und viele mehr versammelt. Auch der deutsche Filmkomponist Martin Todsharow ist darunter, der für Til Schweigers »Honig im Kopf« ebenfalls Custom-Sounds bei Umlaut Audio orderte.

Allerdings ist es in Deutschland leider noch immer die Ausnahme, dass Filmmusikbudgets auch Zusatzkosten für maßgeschneiderte Sounds abdecken, was für Umlaut Audio einer der Gründe für den Umzug nach LA war. Andererseits bestanden im Vorfeld bereits vielfältige Kontakte zu Komponisten in LA, für die Umlaut Audio schon erfolgreich Custom-Sounds erstellt haben.

So war der Sprung über den großen Teich nur konsequent, um direkt dort zu sein, wo ihre Dienste gebraucht werden, und vor allem, wo auch ein Markt dafür vorhanden ist. Das Spektrum an Sounds, das Umlaut Audio abdeckt, reicht dabei von echten Instrumenten bis hin zu abgefahrenen Synth-Sounds. »Ich würde sagen, dass das schon elektronische Sounds sind, aber trotzdem organisch «, beschreibt Marc den Schwerpunkt der Firma. »Der Sound klingt wie ein akustischer Sound, du kannst aber oft nicht richtig orten, was die Grundlage des Sounds ist.« Erstaunlicherweise ist es aber so, dass »… die Leute, die uns engagieren nicht nach dem fetten Sound suchen. Die Leute sagen: ›Bei Omnisphere drücke ich drauf, und das ist ja ein ganzer Cue, alle Frequenzen werden abgedeckt!

Nein, ich brauche etwas Geschmackvolles, Simples, das nicht so voll klingt − weil ich die Sounds ja auch noch layern möchte − aber trotzdem noch organisch.‹ Ich glaube, das ist auch der Grund, warum wir mit Leuten wie Harry Gregson-Williams arbeiten, weil die eben sehen, dass wir sowas gut machen.« Bei den meisten Produktionen Hollywoods sehen die Filmmusikbudgets im Vergleich zu Deutschland zwar oftmals sehr viel besser aus, aber auch hier gibt es natürlich Unterschiede. »Es gibt auch wirklich Leute, die sagen: ›Ich bin großer Thomas-Newman-Fan und finde die Pads, die er benutzt, so geil.‹ Dann machen wir exklusiv zehn Thomas-Newman-Dinger, die nur du hast. Aber wenn du sagst, das Budget ist leider nicht so groß, dann machen wir das non-exclusive.

Dann hast du das zwei Monate exklusiv, und danach hat es irgendjemand anders. Es ist aber nicht so, dass dann 10.000 andere diese Sounds haben, wie z. B. bei Omnisphere. Aber die Big Guys wie z. B. Harry Gregson-Williams, Tyler Bates oder Danny Elfman, die machen alles exklusiv.«

Der Wunsch nach exklusiven Sounds hängt natürlich auch damit zusammen, dass die Komponisten versuchen, einen eigenen, mit ihnen identifizierbaren Sound zu kreieren und diesen auch zu schützen. Das ist natürlich nicht immer einfach. Marc sagt: »Wir waren schon ein bisschen aufgeregt, als wir das erste Mal mit Harry (Gregson-Williams) zusammengearbeitet haben, weil der ja schon an sich einen Sound hat. Und wir wollen ja auch keine Mikrowelle sein, die alten Sounds wieder aufwärmen und ihm wiedergeben, was er schon vor zehn Jahren hatte. Also hatten wir da eine Gratwanderung zu finden und zu sagen: ›Ok, Harry hat einen existierenden Sound − aber wie können wir auf Filmbasis trotzdem ein bisschen in eine andere Richtung gehen?‹ Etwas, das so ein bisschen Harry in neu ist, was ihn als Komponisten auch weiterbringt.«

Bei der Soundkreation kommen aber nicht nur ausschließlich Sounds von Umlaut Audio zum Einsatz, sondern »… teilweise ist es auch so, dass die Komponisten ihre eigenen Source-Sounds zur Verfügung stellen«, wie Anne erklärt. »So existieren z. B. noch Aufnahmen von Recording-Sessions oder auch andere Sounds, und wir nutzen dieses Material wieder, indem unsere Sound-Designer neue Sachen daraus bauen.«

Inside the Soundfactory

In welchem Stadium ihrer Projekte die Film-, TV- oder Game-Komponisten Umlaut Audio kontaktieren, ist recht unterschiedlich. »Es gibt Leute, die am Anfang des Projektes zu uns kommen und sagen: ›Das ist meine Idee, in diese Richtung soll es gehen‹ «, erklärt Marc, »und es gibt andere Leute, die schon im Projekt drin sind und realisieren, dass sie nicht genügend Sounds von einer bestimmten Richtung haben. Sie haben dann einen coolen Sound gefunden und sagen: ›Kannst du mir bitte 20 Sounds in diesem Stil machen, die das machen, was dieser Sound macht? Bloß besser, vielleicht ein bisschen mehr organisch, evtl. ein richtiges Instrument, das das spielen könnte, und ihr electrified das noch ein bisschen?‹

Meistens ist es dann so, dass wir als Team bei Skype-Sessions zusammenkommen und überlegen, wie wir das vorgegebene Ziel am besten umsetzen können. Der Komponist lässt uns da meistens freie Hand. Ihn interessiert eigentlich nur das Endprodukt.«

Das Team ist dabei frei skalierbar und wird je nach Projektumfang und Stil ausgewählt und zusammengestellt. »Im Moment haben wir vier Festangestellte und haufenweise Freelancer. Fest angestellt sind Programmierer, Audioeditor, ein Creative Director und gleichzeitig Sound-Designer sowie Marketing.

Die Sound-Designer werden dann je nach Projekt eingestellt, weil ich weiß, dass es Leute gibt, die besser sind für Electronicin-your-face-Hollywood-big-Sounds, und andere sind besser für eher so organische, geschmackvollere, subtilere Sounds. Bei größeren Projekten hast du dann auch zwei Programmierer, musst haufenweise Audio-Editoren einstellen, die das Sample-Mapping machen, einen Samplemanager usw.« Nach oben und auch von der Stilrichtung her sind dabei keine Grenzen gesetzt.

Je nach Komplexität und Anforderungen wächst das Team mit und bedient sich aus dem riesigen Pool von Sound-Designern aus LA: »Wir haben einen Katalog an Sound-Designern, das kannst du dir gar nicht vorstellen. Für alles! Je nachdem mit welchen Komponisten du arbeitest, hast du dann teilweise natürlich ganz andere Summen und kannst die absoluten Cracks nehmen, die hier in LA rumrennen − was natürlich sehr geil ist, um mit diesen Leuten zu arbeiten. Da würde man selbst gerne einfach mal ein paar Sounds abzwacken …«

Die flexible Struktur der Firma setzt sich auch bei der Produktion fort, denn »… meistens ist es so, dass die Sound-Designer alle eigene Studios haben«, erklärt Marc. »Angenommen, du möchtest ein paar coole Cello-Patterns, brauchst diese aber nur als Source und willst diese dann noch mit coolen Electro-Effects verändern, dann reicht es völlig aus, dass der Sound-Designer das bei sich im Studio macht. Wenn es aber größer wird und das richtige Sessions werden, bei denen mehrere Musiker zusammenkommen, dann mieten wir uns ein Studio an.

Wir arbeiten oft mit Sonic Fuel in El Segundo, das ist ja das Studio von Chris (Lennertz, ebenfalls Filmkomponist). Dadurch, dass wir da öfter was machen, bekommen wir auch gute Rates. Für Jungle Book z. B. haben wir in Indien eine Session gebucht. Da war unser Creative Director in Indien vor Ort, der die ganze Sampling-Session gemanagt hat«, erklärt Anne. Hier ging es hauptsächlich um Ethno-Percussion-Loops, die sich Komponist John Debney speziell für die Kompositionsphase an Jungle Book maßschneidern ließ. Die meisten der Loops wurden dann zwar später für den finalen Score nochmals komplett live eingespielt, viele sind aber auch in der Musik geblieben. »John wollte ganz spezifische Phrasen haben, aber auch Endings und One-Shots«, erinnert sich Marc. »Klar gibt es Percussion-Libraries, aber die Loops, die er hier gefunden hat, haben irgendwie nicht gepasst, die waren vielleicht auch nur vier Takte lang. Wir haben hier teilweise richtig lange Phrasen mit bis zu 32 Takten aufgenommen, die sich auch richtig entwickeln. John hat anfangs überlegt, ob er einen Perkussionisten holt, der alle Instrumente spielt, oder ob er es Umlaut machen lässt. Als Kontakt-Instrument ist eben alles tempokonform, egal welches Tempo. Und will der Regisseur jetzt doch Änderungen, kann ich im Nu die Cues ändern und muss den Perkussionisten nicht nochmal kommen lassen.«

(Bild: Umlaut Audio)

Kommunikation

Frei nach dem Motto »Über Musik zu reden, ist wie über Architektur zu tanzen« mussten sich auch Anne und Marc Gedanken darüber machen, wie in dem oftmals zeitkritischen Business eine klare und effiziente Kommunikation über eine doch recht abstrakte Sache wie Musik oder Sound etabliert werden kann. Hierfür haben sie ein eigenes Webtool entwickelt, das als zentrale Plattform für alle Belange des Projektes fungiert. Nach dem ersten Login werden zuerst Parameter abgefragt, die für das Projekt relevant sind, um das Erstellen von Sounds inhaltlich wie auch von den Rahmenbedingungen her grob abzustecken. Die Idee wurde auch aus der Notwendigkeit heraus geboren, den Kunden im Vorfeld ein wenig an die Hand zu nehmen und zum Nachdenken über die gewünschten Sounds anzuregen, wie Marc sagt. »Wir haben überlegt, gerade weil viele am Anfang nicht so wirklich eine Idee haben, dass es ganz cool wäre, wenn wir ein Tool hätten, das am Anfang auch Fragen stellt.« Anne ergänzt: »Außerdem sind das Fragen, die mit der Zeit immer wieder aufgetaucht sind. So bekommen wir eben die ersten Informationen von den Komponisten.«

Nachdem einmalig ca. 15 Fragen beantwortet wurden, ist das Projekt angelegt, und jegliche weitere Kommunikation findet innerhalb des Tools statt. Aber auch das Bereitstellen und Beurteilen der Sounds erfolgt dort, was dadurch sehr komfortabel ist. »Wenn wir da Sounds hochladen, kannst du dir als Komponist die Sounds anhören und diese entweder akzeptieren oder auch kommentieren und z. B. sagen: ›Ich finde den einen Sound hier zwar cool, aber der müsste noch ein wenig dunkler sein.‹ «, erklärt Anne. Vom einfachen Handling profitiert neben dem Kunden aber auch das ganze Team, wie Marc ergänzt: »Der Vorteil ist auch, dass du alles an einem Platz hast. Alle können sich einloggen, können gucken, können kommentieren, und du hast keine Emails, bei denen 15 Leute in cc stehen und dann am Ende doch
einer vergessen wurde.«

Auch One-Shots und Endings wurden produziert, aus denen später ein Kontakt-Instrument mit eigener Oberfläche erstellt wurde. (Bild: Umlaut Audio)

Für die Massen

Der Fokus auf Film-, TV- und Game-Komponisten hat sich zwar mit der Zeit automatisch ergeben, Umlaut Audio ist aber nicht zwingend auf diesen Kundenkreis beschränkt. Es sind auch alle anderen Komponisten, Produzenten oder Bands willkommen, die Bedarf an maßgeschneiderten Sounds haben. So baut Umlaut Audio neben den auf Kundenwunsch erstellten Custom-Sounds gerade eine neue Produktlinie mit im Webshop erhältlichen Libraries aus neu erstellten Sounds auf. Hiervon existierten bisher zwei Veröffentlichungen, nämlich »PADS« und »ARPS«, die sich auf gleichnamige Sounds konzentrieren. Mittlerweile haben sich vier weitere Libraries hinzugesellt. »Das geht in Richtung Beats«, freut sich Marc. »HipHop-, Electro- und Hybrid-Beats, eher für DJs und Producer, aber auch an Filmkomponisten gerichtet.

Die Custom-Shell für den Film Zoolander 2 sieht komplett anders aus. Das auf Beats fokusierte Custom-Instrument für Filmkomponist Theodore Shapiro war auch Inspira – tion für die nächsten im Webshop erhält – lichen Libraries, die auf Beats basieren. (Bild: Umlaut Audio)

Viele Komponisten aus Commercial oder Reality-TV haben gefragt: ›Ich brauche mal ’nen coolen Beat, könnt ihr da mal was machen? Am besten mit MIDI, was ich mir reinziehen und verändern kann.‹ Also keine starren Loops, sondern so, dass ich die Kicks und Snares hin- und herschieben kann.‹ «

Weiterhin ist auch geplant, Loops aus der Produktion für Jungle Book zu veröffentlichen. Für die Zukunft »… wäre auch noch eine Idee, dass wir zu den Komponisten, mit denen wir zusammenarbeiten, sagen: ›Hey, macht doch einfach die Sounds semi-exklusiv, ihr habt die also für einige Monate, und dann veröffentlichen wir das zusammen als Public-Instrument in unserem Webshop.‹ So ’ne Art Signature-Library.«, wie Marc erklärt.

Es ist also anzunehmen, dass wir in der nächsten Zeit im wahrsten Sinne des Wortes noch einiges mehr von Umlaut Audio hören werden. Sei es im Hintergrund, wenn sie Komponisten genau die richtigen, speziell für sie erstellten Wunsch-Sounds Sounds an die Hand geben, die sie für ihre Produktionen benötigen, oder aber als eigenes Label für im Webshop erhältliche Sound-Libraries. Wir jedenfalls bleiben dran und wünschen uns außerdem natürlich, dass solche − in Hollywood selbstverständlichen − Dienstleistungen auch bei der Filmmusik in Deutschland in nächster Zeit ganz selbstverständlich zum guten Ton gehören.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.