Ein guter Drum-Sound versteckt sich im Detail

Studioreport – DrumRecording.com, Hövelhof, Paderborn

(Bild: Jan Braun, Marc Bohn)

Idylle pur! Andere würden vielleicht sagen »Hier liegt der Hund begraben!«, wenn sie in die kleine Gemeinde Hövelhof kommen, die zwischen Bielefeld und Paderborn liegt. Als ich Uli dort in seinem Studio bei sich zu Hause besuche, ist gerade einer seiner beiden PC-Monitore am Mixing-Platz ausgefallen. So machen wir machen uns also auf den Weg in einen kleinen Elektro-Laden um die Ecke. Uli scheint dort Stammgast zu sein. »Ich mag es einfach, hierher zu kommen und persönlich beraten zu werden. Das fehlt mir im großen Discounter oder in einem Webshop, und effektiv bist du schneller und sparst Zeit und Geld!« Danach lädt Uli mich zum Frühstück ein, und er erzählt mir die Geschichte seines Studios und erläutert die Liste seiner Credits, die aufgrund seiner jahrelangen Tätigkeiten beim Drums’n’Percussion Paderborn und viele anderer Projekte, die er in Los Angeles macht, endlos erscheint − natürlich alles Schlagzeuger, wie Uli eben! »Ich habe mit drei Jahren angefangen, Schlagzeug zu lernen und lerne immer noch!«

Anfang der 90er, bei einem selbstfinanzierten Studioaufenthalt, haben er und seine Band zum ersten Mal im Multitrack-Verfahren aufgenommen. Dort kam Uli an den Punkt, an dem er sich fragte, warum sein Schlagzeug beim Spielen im Raum anders klingt als über die Lautsprecher der Regie. Zuerst zweifelte er natürlich an sich selbst und nahm deshalb auch wieder Unterricht. Dadurch kam es zum Kontakt mit Jeff Porcaro, dem ehemaligen Drummer von Toto, der leider bereits im August 1992 verstorben ist. Porcaro war damals als Studiodrummer unterwegs und ist deshalb auf unzähligen Produktionen zu hören, die zu Ulis Favoriten zählen. Später nahm er sogar bei Joe Porcaro, dem Vater von Jeff, in L.A. Unterricht. Daraus ergab sich für ihn ein sehr enges Verhältnis zur Familie Porcaro und zu den USA. »Ich wurde stark von der Szene in L.A. beeinflusst, sowohl was den Sound als auch die Arbeitsweise angeht. Joe, der selbst als angesagter Studiomusiker in Filmscores seit den 60ern aktiv ist, hat mich damals zu vielen Recording-Sessions mitgenommen. Über Joe, Mike Porcaro und Paul Jamieson (Drum-Tech von Jeff Porcaro) entstand der Kontakt zu Al Schmitt, mit dem ich befreundet bin. Ich konnte mir damals aus der Sicht eines Drummers und des Recording-Engineers viele Schritte einer Produktionskette abgucken, die mir jetzt als Engineer weiterhelfen! «

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Schon damals wusste Uli, dass er durch seine Arbeit als Studiodrummer nicht überleben würde, »… da durch die Copy&Paste-Funktion Musik wie ein Serienbrief in Word produziert wird, die Budgets bereits in den 90ern kleiner wurden und viele Drum-Sounds In-The-Box entstehen! Deshalb habe ich mich dann auf Engineer-Seite begeben und mich auf die Produktionskette bei Drum-Aufnahmen fokussiert und auf Abmischungen. Denn es war klar, dass über kurz oder lang viel Detailwissen über die Aufnahmen von Drums verloren gehen wird und der Musikkonsument sich nach der Synthese wieder nach »Human Nature« sehnt. Ich habe jeden Millimeter erst vor dem Mikrofon analysiert, um herauszufinden, wie man einen guten Sound bekommt und was man dafür machen muss. Angefangen bei der Quelle und dann die Kette ab dem Mikrofon.«

Modifizieren und Restaurieren der Drums (Bild: Jan Braun, Marc Bohn)

Uli restauriert und modifiziert seit den 90er-Jahren Drums und entwickelt auch mit anderen Firmen. Sein erster Auftrag war, das Drumset von Bernard Purdie zu restaurieren, der ein bekannter Soul-, Rock-, Pop- und Jazz-Musiker ist. Bernard wurde 1939 geboren und hat laut eigenen Angaben mit mehr als 2.500 Musikern gespielt, darunter beispielsweise Miles Davis, Aretha Franklin, Steely Dan, und ist auf mehr als 4.000 Aufnahmen zu hören. Damit wäre er der weltweit am meisten aufgenommene Schlagzeuger. Durch den Kontakt in die USA hatte Uli auch die Möglichkeit, von Ross Garfield, dem Gründer von Drum Doctors, und Paul Jamieson, dem Drum-Tech von Jeff Porcaro zu lernen. Auch seine Verbindung zur nahegelegenen Produktionsstätte von Sonor, brachte eins zum anderen und unterstützte Uli in seinem Vorhaben, das Instrument an sich zu erforschen. »Auch als Recording-Engineer bin ich der Meinung, dass man ein akustisches Instrument verstehen muss, wenn man es aufnehmen will. Wenn die Quelle nicht passt und man es nicht versteht, nützt auch ein gutes Mikrofon nichts.«

Uli hat für sich selbst herausgefunden, welches Holz mit welchen Fellen funktioniert, welche Kombination welchen Sound erzeugt und welche Mikrofone und PreAmps diesen am besten übertragen können. Das Holz der Kessel spielt natürlich eine tragende Rolle. Buche, Ahorn, Kirsche und Birke, sie alle haben unterschiedliche Klangeigenschaften, die Uli bis ins Detail kennt. »Hat die Snare einen Vollholz- oder Schichtholzkessel? Wie ist die Kesselgratung oder Maserungsverlauf? Welches Fell funktioniert mit der  eweiligen Holzart oder der Kesselgratung? Welche Auswirkungen hat der Spannreifen auf die Trommel? Geschweißte Spannreifen verhalten sich beispielsweise ganz anders als nahtlos gezogene. Bei Gussreifen sieht es ebenfalls anders aus.

Das sind vielleicht alles kleine Details, aber ich möchte so wenig wie möglich mit Plug-ins arbeiten, und deshalb beschäftige ich mich sehr viel mit dem Sound vor dem Mikrofon. Natürlich gibt es immer noch den Faktor Mensch, den man berücksichtigen muss. Aber wenn man das Material kennt und weiß, mit welcher Mikrofonpositionierung und welchen Mikrofonen man am besten für den Song arbeitet, muss man im Nachhinein nicht mehr viel drehen, und es spart dem Kunden Zeit! Der Kunde hat hier auch die Möglichkeit, alle Instrumente aus meiner Sammlung zu nutzen (Uli hat unterm Dach zwei Räume, die mit Dutzenden Trommeln und noch mehr Cymbals vollgepackt sind; Anm.d.Aut.). Ich versuche auch, in der Aufnahme kein Outboard zu verwenden, und möchte einfach so sauber wie möglich während der Aufnahme arbeiten, und selbst ›verdrehte Sounds‹ sind dann möglich − beim Motown hatte man auch keine Plug-ins, wie es mein verstorbener Freund Ricky Lawson (u. a. Drummer von Michael Jackson) zu sagen pflegte. Sein Onkel arbeitete für Motown, und Ricky zeigte mir einige dieser Tricks für alle Instrumente!«

Kleiner Aufnahmeraum mit großem Mikrofonangebot (Bild: Jan Braun, Marc Bohn)

Auch die Verkabelung und der Preamp spielen eine große Rolle in der Kette. »Was nützen dir die besten Geräte, wenn die Kabel nicht stimmen?!« Alle Leiter und Stecker in seinen Mikrofonen und Geräten sind aus Gold. Falls dies nicht der Standard ist, lässt Uli die Geräte umbauen! »Ich hasse Korrosion an Verbindungen!« Zurück im Studio bauen wir gemeinsam die Monitore auf, und Uli erzählt mir, dass das Studio nach der ersten Produktion und der Aufnahme des Drums’n’Percussion Paderborn Festivals im Jahre 2003 mit dem Phil-Collins-Drummer Chester Thompson entstanden ist. »Wir hatten damals bereits zwei Festivals aufgenommen, und ich war mit den Abmischungen in anderen Studios nie wirklich zufrieden, oder das Budget hatte es nicht zugelassen.« Uli hat beim Bau darauf geachtet, dass die gesamte Signalkette sehr hochwertig ist, um am Ende eben den optimalen Sound zu bekommen, und es so klingt wie im Raum. »Akustisch verdrehen kann ich es im Nach – hinein sowieso noch −wenn es im Vorfeld nicht so oder so produziert wird!« Meistens kommen nur Produzent und Drummer zu ihm ins Studio und sind danach wieder weg. Oft kommen gleich die Bassisten mit, für die ich hier auch eine hochwertige Kette vorhalte. Ganze Bands sind auch möglich. Das Studio ist eingangsseitig für eine Multitrack-Session von bis zu 40 Spuren vorbereitet. Mikrofone hat der leidenschaftliche Sammler sowieso mehr als genug!

Die Technik

Ganz oben im Rack befindet sich einer der insgesamt neun Prism Sound ADA-8XRWandler, die Uli in seinem Studio verbaut hat. Damit kann er bis zu 40 Spuren und verschiedene Mikrofon-Settings und Schlagzeug-Sounds parallel aufnehmen. Egal ob mumpfig oder offen, es kann alles aufgenommen und hinterher selektiert werden. Die obere SPL Gain Station 8 läuft ohne Lundahl-Übertrager. Sie nutzt Uli gerne für die Raummikrofonie in Verbindung mit dem AKG C24 oder dem C33. Laut Uli brauchen die älteren AKG-Mikrofone eine höhere Milliampere- Zahl bei der Phantomspeisung, die die SPL Gain Station 8 eben liefert. Die zweite Gain Station 8 ohne Lundahl-Übertrager darunter ist für Direktsignale wie Hi-Hat oder Snare und die dort positionierten Kondensatormikrofone im Einsatz. Den John Hardy M1 nutzt er für die dynamischen Mikrofone an den Drums. Der Jensen Twin Servo klingt sehr offen. Deshalb werden darüber auch gerne Vocals und das Ride-Becken aufgenommen. A Designs Pacifica werden von Uli gerne an den Toms eingesetzt, die seiner Meinung mit dem Audio Technica AE 2500 perfekt zusammen klingen. »Die Kombination ist tierisch. Viele schwören auf das MD421 − auch super −, besonders dann, wenn die Toms nicht stimmig sind.« Den Maselec PrismSound MMA-4XR setzt Uli gerne in Verbindung mit dem AKG C24 oder Mikrofonen von DPA ein. Den einzigen Nachteil sieht er in den stufenregulierten Potis. Die Schaltung der Siemens V276-Mikrofonvorverstärker wurde bereits in den 50er-Jahren entwickelt. Die Kennzeichnung »SF 24 R« lässt darauf schließen, dass hier das Stereo-Bändchenmikrofon SF24 R von Royer angeschlossen ist!

(Bild: Jan Braun, Marc Bohn)
Atmos 5.1 System von SPL: Die Preamps können sowohl mit dem zugehörigen Mikrofonsystem als auch anderen Mikrofonen verwendet werden. (Bild: Jan Braun, Marc Bohn)

Alle Signale gehen in die ersten fünf ADA 8 XR und werden im ersten ProTools HDX-System abgebildet. Alle Kanäle werden wieder D/A gewandelt und gehen in zwei SPL 120-V-NEOS-Pulte. Der Stereo-Bus geht in ein zweites eigenes Master Pro Tools HDX, ebenfalls mit einem ADA 8 XR ausgestattet und ist dort verbunden mit der Studer A80 1/2- Zoll-2-Spur, dem Tube Tech SM2B Multiband und dem SPL IRON. Für den Kopfhörermix gibt es ein HearSystem und ein zweites von Dangerous Music. Alle Inserts sind digital auf die ADA 8 XR gepatched. Hier verwendet Uli das SPL-Rack mit De-Essern und Transient Designern im 500er-Format. Den Neve 33609-Limiter/Compressor müsse man einfach nur anschalten, damit es gut klingt! Der The Phoenix Röhrenkompressor war ein Tipp von Al Schmitt, und dazu kommt noch ein Summit Audio DCL 200 Compressor/Limiter. Die beiden originalen LA2A waren bereits bei verschiedenen Toto-Produktionen im Einsatz, und von denen hat er diese auch gekauft. Uli verwendet sie gerne auf den Vocals oder dem Bass. Zu guter Letzt findet man noch einen autarken Avid MediaComposer-Videoschnittplatz, der mit Pro Tools gelinkt ist.

Mikrofonsammlung

Uli zeigt stolz den Klassiker unter den Gesangsmikrofonen, das AKG C12. Für die Gitarren greift er zum Standard: Shure SM57 Unidyn. Für die Snare verwendet er die Kombination aus dem AKG C452 CK, ein Kondensatormikrofon mit einem −10-dB-Pad direkt nach der Kapsel, und dem Shure Granelli SM57 − ein Shure SM57 mit rechtwinkligem Mikrofonkörper inklusive dem AA55-Shockmount. »Das ist eine Kombi, die oft bei Produktionen in L.A. zum Einsatz kommt!« Die Hi-Hat nimmt er mit dem AKG C460B ULS ab, das durch sein Schwenkgelenk flexibel und einfach positioniert werden kann.

Uli Frost positioniert die spezielle Version des Shure SM57 mit rechtwinkligem Gehäuse an der Snare. (Bild: Jan Braun, Marc Bohn)

An den Toms hängen die ATM 25 von Audio Technica. Wie bereits erwähnt nimmt Uli während einer Produktion verschiedene Mikrofonien und Sounds parallel auf. Deshalb stehen im Raum auch drei U47 fet mit jeweils einem Bändchenmikrofon, dem Beyerdynamic M160, die Teil der Glyn-Johns-Mikrofonierung sind. Ergänzt wird die Raum- bzw. Becken-Mikrofonierung durch eine Kombination aus einem AKG C24 Stereo-Röhrenmikrofon und dem AKG C34. In der Bassdrum ist eine AKG D12E verbaut, der XLR-Eingang ist in die Trommel integriert. Vor dem Frontfell steht ein AKG D112. Alternativ werden dort auch Audio Technica AE 2500, Beyerdynamic M88 oder AKG C5600 platziert.

Neumann U47 fet und das Beyerdynamic M160-Bändchenmikrofon (Bild: Jan Braun, Marc Bohn)

 

Für breite Becken sorgt die Kombination aus Stereo-Röhrenmikrofon AKG C24 und dem Stereo-Kondensatormikrofon AKG C34.

Drums am laufenden Band

Auch die Vorweihnachtszeit hat Uli in seinem Studio an Produktionen für das Drums’n’Percussion Paderborn Festival verbracht. Das Ergebnis: vier Veröffentlichungen, die noch vor Weihnachten erscheinen! Darunter Philippe Saisse, Ricky Lawson und Dan Lutz, Ginger Baker & Abass Dodoo, Hakim Ludin & Lenny Castro und das Chester Thompson Trio. Es scheint so, als könne Uli nicht genug davon kriegen. Klick, klick, klick, klick …

www.drumrecording.com

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