Renaissance des guten Tons

Studioszene D – Renaissance Studio Cologne

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Thorsten Rentsch in seinem Renaissance Studio (Bild: Copyright: Joker Nies)

Im Süden Kölns am Rande der Stadt liegt in Rheinnähe das Renaissance Studio. Thorsten Rentsch hat hier konsequent seine Vorstellung von einem Studio verwirklicht, das ihm erlaubt, seine klanglichen Vorstellungen optimal umzusetzen: Es geht um Transparenz, Tiefenstaffelung und Detail-Auflösung, ohne dabei Druck und Dynamik einzubüßen.

Nur wenige Schritte durch den gemütlichen Aufenthaltsraum, und ich befinde mich sogleich im Herzen des Renaissance Studios, dem von der imposanten Erscheinung des riesigen SSL-Pultes beherrschten Regieraum. Mit 64 Inline-Kanälen, die das 6000-E-Modell mit G-Plus-Mixautomation und Total-Recall zu bieten hat, dürften Kanäle auch bei größeren Projekten selten knapp werden. Linker Hand türmt sich Outboard-Gear vom Feinsten auf vier Racks verteilt. Hier finden sich jede Menge Kompressoren und Effektgeräte neben einigen Equalizern. Vintage-Ikonen stehen Seite an Seite mit neueren Geräten und deuten schon an, das Thorsten kein Purist irgendeiner Richtung ist, sondern das Equipment mit Blick auf Qualität und vielseitige Einsatzmöglichkeiten ausgewählt hat.

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Hier ein kleiner Einblick in das Studio in der Kölner Südstadt:

DIE ANFÄNGE des Renaissance Studio Cologne

Der Traum vom optimalen Studio-Arbeitsplatz begann, als eines Tages der BAP-Gitarrist Klaus »Major« Heuser in seinem Jaguar vorfuhr und Thorsten einen Vorschlag machte, den er nicht ablehnen konnte: »Lass uns zusammen ein Studio aufbauen – ich übernehme die Kosten.« Die Idee kam natürlich nicht von ungefähr, beide hatten schon bei BAP miteinander gearbeitet, und nach vielen Jahre als Freelancer kam damit für Thorsten im Jahre 2001 die Gelegenheit, ein Studiokonzept zu verwirklichen, das perfekt auf seine Arbeitsweise und Sound-Ästhetik zugeschnitten ist.

Angefangen bei der dezent integrierten, optimierten Raumakustik in Regie und Aufnahmeraum, über die Auswahl an Outboard-Equipment, Mikrofonen, Effekt- und Hall geräten bis zur Wahl des Pultes ist hier alles perfekt aufeinander abgestimmt und top in Schuss. Das SSL-Pult z. B., das damals von den HO.M.E.-Studios aus Hamburg übernommen wurde, ist vollständig re-capped worden − sprich, jeder einzelne Elko (Elektret-Kondensator − ein Bauteil, das über die Jahre stark altert) wurde ausgetauscht.

 

AUFNAHMERAUM im Renaissance Studio Cologne

Im großzügigen Aufnahmeraum stehen eine Reihe von Gitarren-Amps, ein großer Bechstein-Flügel, ein Leslie und natürlich jede Menge edler Druckgradienten-Empfänger, sprich Mikrofone, bereit. Hierzulande noch ein Geheimtipp: die handgefertigten Repliken legendärer historischer Mikrofone von Korby Audio, wie Neumann U47 und U67 sowie AKG C 112. Zwei variable Akustikkabinen sorgen für Kanaltrennung und können nach Bedarf im Raum platziert werden. Auch hier überzeugt die sorgfältige Abstimmung der Raumakustik durch speziell gefertigte Absorber.

 

DIGITAL TRACKEN

Gleich hinter dem SSL-Pult steht eine Ikone derselben Ära: eine Otari MTR 90 24-Spur Maschine, die allerdings heute kaum noch für ganze Produktionen eingesetzt wird. Kein Wunder bei den exorbitanten Bandmaterialkosten von 300,− Euro pro Halbstunden-Band. Als erste digitale Mehrspurmaschine diente lange eine Otari Radar 2 mit 48 Spuren. Inzwischen wird aber hauptsächlich über ein 40-kanaliges Apogee-System mit 192 kHz in Pro Tools oder Logic Audio aufgenommen. Schnitt, Timing- und Tuning-Korrekturen oder komplexe Filterfahrten werden ebenfalls auf der digitalen Ebene erledigt. Wenn es allerdings um die Mischung geht, wird auf der analogen Ebene weitergearbeitet.

 

ANALOG SUMMIEREN

Thorsten schwört auf analoges Summieren. »Nur so bekomme ich einen wirklich dreidimensionalen Sound. Frequenzbearbeitungen und Energieverteilung kriegt man auf der digitalen Ebene gut hin, aber Raumtiefe bekommt man nur auf der analogen Seite. Da das eines meiner Markenzeichen ist, geht es für mich nur so.« Mit der großzügigen Kanal-Ausstattung des SSL 6000 kann Thorsten hier in die Vollen gehen und wirklich sämt – liche Spuren einer Produktion auflegen. Da hilft dann natürlich die Automation, die Anzahl der Signale im Griff zu behalten.

Wie vertraut er mit dem Pult und dessen Möglichkeiten ist, erzählt er schmunzelnd mit einer Anekdote: »Ich hatte da diese Cello-Aufnahme, die zwar soweit in Ordnung war, jedoch bei einigen tiefen Frequenzen ›hupte‹. Nachdem ich zwei Stunden damit verbracht hatte, entsprechende Filterfahrten in Pro-Tools zu programmieren, und das Ergebnis anhörte, musste ich laut lachen. Ich hatte gerade das unmusikalischste Cello meines Lebens gehört! Also kurz ans Pult gesetzt, die Fahrten ein paar Mal geübt und von Hand gefahren. Schon funktionierte es und klang dabei organisch und rund.«

 

OUTBOARD GALORE

Die Auswahl an Kompressoren und Hallgeräten im Renaissance Studio ist gut sortiert und äußerst vielfältig. Für die Räumlichkeit stehen neben Quasi-Standards wie Lexicon PCM 70, 300 oder 480L auch diverse seltene Spezies wie ein EMT 240 Goldfolienhall, ein AKG BX20e Federhall oder ein Sony DRS 777, eines der ersten Convolution-Reverbs, bereit. Ähnlich sieht es bei den Geräten für die dynamische Audiobearbeitung aus. Neben Standards wie DBX 160S und 162 finden sich Geräte von Summit Audio, BSS, Prism Sound Empirical Labs, SPL, Urei, Manley, Tubetech und auch der Eventide Omnipressor, den es inzwischen auch als Software-Plugin gibt. Für Thorsten bieten all die Effekte und Kompressoren vor allem eine Palette an Klangfarben und Charakteren, aus der er die passenden Elemente für die jeweilige Produktion wählt. »Komprimieren können sie alle«, sagt er über die umfangreiche Sammlung an Dynamik-Tools. »Es kommt darauf an, wie sie den Klang färben und auf das Audiomaterial reagieren.«

 

HÖRPROBE

Wir hören ein paar Tracks aus einer aktuellen Produktion, und ich weiß gleich, was Thorsten mit seinem Fokus auf Dreidimensionalität und Raumtiefe meint. Egal ob wir über die großen Westlake BBSM 12 oder die ProAc Studio 1 im Nahfeld hören, die Musik wird in den Raum projiziert, löst sich von den Lautsprechern. Die Tiefenstaffelung und präzise Ortbarkeit aller Instrumente ist beeindruckend! Dabei hat der rockige Track mächtig Druck und kommt, ohne irgendwo zu pumpen oder Dynamik vermissen zu lassen, rüber.

 

Das Renaissance Studio Cologne ist ZU HAUSE IN ALLEN GENRES

Wen zählt Meister Rentsch zu seinen Kunden? Thorsten zeigt mir die CD-Wand mit den Produktionen der letzten Zeit. Die Liste der Künstler ist beeindruckend und überspannt die gesamte Palette von Rock, Pop, R&B bis zum Schlager. Kingdom Of Salvation, Doro, Klaus Major Heuser Band, Naturally 7 und auch Tom Astor, dessen neueste CD gerade fertig wurde, sind nur einige der vielen Acts, die Thorstens Dienste und das entspannte Arbeiten im gemütlichen Setup des Renaissance Studio Cologne zu schätzen wissen.

Website: http://www.renaissance-studio.de/

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