Die Studio-WG

Studioszene D − Riverside Studios, Berlin

Welcher Musiker und Studiobetreiber träumt nicht von einer ebenso inspirierenden wie förderlichen Nachbarschaft mit Gleichgesinnten? Die Berliner Riverside Studios machen es möglich: Ein ehemaliges Fabrikgebäude beherbergt 20 eigenständige, aber eng vernetzte Studios mit unterschiedlichsten Konzepten und Arbeitsfeldern.

Das Team in Berlin
(Bild: Klaus J.A. Mellenthin 2014)

Als Martin Eyerer und Tassilo Ippenberger Anfang 2012 das leerstehende Souterrain eines Fabrikgebäudes in Berlin Kreuzberg in Augenschein nehmen, träumen beide zunächst von einem gemeinsamen Studio mit höchstens 100 Quadratmetern. Im Bekanntenkreis heißt es jedoch schnell: „Wow − da würde ich auch gerne mitmachen!“ Die beiden realisieren das Potenzial der Örtlichkeit und machen Nägel mit Köpfen: „Wenn wir geahnt hätten, was auf uns zukommt, wären wir vermutlich schreiend davon gerannt“, erinnert sich Tassilo.

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Und Martin ergänzt: „Die nachfolgenden zwei Jahre erscheinen mir rückblickend wie ein Zeitrafferfilm mit durchgearbeiteten Tagen und Nächten, knietiefem Bauschutt, endlosen Verhandlungen mit Vermietern und Banken − dazwischen improvisierter Berufs- und Familienalltag.“ Dank gemeinsamer Manpower, massiver Eigenleistung und Unterstützung vom Freundeskreis formt sich aus den improvisierten Anfängen schließlich ein durch und durch professionelles Studioprojekt auf nunmehr 1.200 (!) Quadratmetern. Das Konzept geht auf: Die meisten der vorhandenen 20 Studioräume sind noch vor der Eröffnung vermietet. „Die zentrale Idee hinter den Riverside Studios ist der Gemeinschaftsgedanke“, erklärt Martin. „Jeder, der hier ein Studio betreibt, sollte vom Wunsch nach Zusammenarbeit und künstlerischem Austausch beseelt sein.

Um diesem Anspruch gerecht zu werden, haben wir versucht, Nutzer mit möglichst breit gefächerten Betätigungsfeldern und ebensolchem musikalischen Background zusammenzubringen. Es gibt Dancefloor- und HipHop-Produzenten, Mixer und Mastering-Spezialisten, Bandmusiker, Game-Entwickler sowie Film- und Werbemusiker. Einige sind schon lange im Geschäft, andere gerade erst in ihrer Startphase. Diese Vielschichtigkeit gehört zum Konzept − jeder soll vom Knowhow und den Kontakten der anderen profitieren. Darüber hinaus ist die Nähe zu Dienstleistern und potenziellen Kunden attraktiv: Im Gebäude gibt es Labels, Werbeagenturen und einen Rundfunksender, in fußläufiger Entfernung sind bekannte Instrumentenhersteller ansässig. Wir werden Workshops und Contests mit Schulen und Herstellern anbieten. Auch hier zählt das Konzept der Symbiose. Noch befinden wir uns in der ›Testphase‹ − die aktuelle Situation und das positive Feedback aller Beteiligten zeigt uns jedoch: Es funktioniert!“

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